Kultur
18.02.2018

Mit Hader, Arthur & Claire ins Kino

Die Chefs der Mona-Film, Gerald Podgornig und Thomas Hroch, über ihren Einstieg ins Kinogeschäft.

Es ist eine vermeintlich sichere Sache: Josef Hader prägt als Hauptdarsteller und Co-Drehbuch-Autor den ersten Streich der Wiener Mona-Film im deutschsprachigen Kino-Geschäft. In der bittersüßen Tragikomödie "Arthur & Claire" nach einem Theaterstück von Stefan Vögel, die diese Woche angelaufen ist, geht es um Zerbrechlichkeit, Liebe, Staubsauger-Geräusche, Coffeeshops – und Selbstmord. Aber: "Es ist ein Film, der die Kino-Besucher mit einem guten Gefühl entlässt", meint Mona-Film-Co-Geschäftsführer Gerald Podgornig.

Er und sein Geschäftspartner Thomas Hroch sind seit Jahren fixe und auch preisgekrönte Größen als TV-Produzenten. "Arthur & Claire" ist nun ihr erstes Kino-Projekt. "Diese Geschichte hat von den Anforderungen her sehr gut für den Einstieg gepasst." Die waren allerdings nicht gering: "Bei zwölf Finanzierungs- und 14 Projektpartnern in den Niederlanden, Deutschland und Österreich war der Koordinationsbedarf natürlich groß und der Umfang der Gespräche mit der Hausbank schon erheblich. Das ist wohl die größte Hürde, die man nehmen muss", sagt Podgornig.

Unterhaltungskino

Die schwarzhumorige Geschichte zum Start im neuen Business ist kein Zufall. "Ich bin mir sicher, dass man das Publikum in Österreich mit Unterhaltungskino sehr wohl ansprechen kann", meint Hroch. Bei Drama oder Krimi sei das hingegen schon schwieriger, weil hier das Fernsehen eine tatsächliche Konkurrenz geworden sei.

Obwohl man auch in anderen Genres arbeitet, setzt man bei den nächsten Kino-Projekten erneut auf Heiteres: Eben war in Wien Drehstart für Eva Spreitzhofers Langfilm-Debüt als Regisseurin. Für die Culture-Clash-Komödie "Nicht auch das noch" (Arbeitstitel) hat sie zudem das Drehbuch geschrieben. Burg-Star Caroline Peters spielt darin eine atheistische Feministin, deren Tochter zum Islam übertritt.

Über ihre (deutsche) Tivoli-Film bereiten Hroch und Podgornig Stefan Schwarz’ "Oberkante Unterlippe" in einer Bearbeitung von Regisseur Paul Harather dieser Tage bei der Berlinale so weit vor, dass es für Förderungen eingereicht werden kann.

Hauptgeschäft

Das Fernsehen bleibt aber das Hauptgeschäft, betonen die beiden. Auch wenn das in der Firmenhistorie nicht nur Glücksmomente bescherte. "Der Start vor zehn Jahren war holprig und in den Jahren 2014/15 hatten wir außer einer Co-Produktion keine wirklich großen Aufträge. Wir haben daraufhin unser Entwicklungsbudget erhöht – wir waren, im positiven Sinn, ziemlich verrückt."

Das Risiko scheint sich ausgezahlt zu haben: Eben hat man die ORF/BR-Komödie "Geschenkt" mit Thomas Stipsits und Julia Koschitz abgedreht, detto "Blind ermittelt", eine potenzielle Krimi-Reihe für ARD und ORF mit Philipp Hochmair. "St. Josef am Berg" mit Harald Krassnitzer als Dorf-Kaiser hatte am Freitag und Samstag gute Quoten und könnte fortgesetzt werden. Und vom Gerichtspsychiater Reinhard Haller hat die Mona-Film für eine TV-Serie die Rechte an "Die Macht der Kränkung" erworben.

Von Serien-Projekten für Streaming- und Pay-Anbieter haben sich Podgornig und Hroch hingegen ferngehalten – bisher: "Das hatte vor allem wirtschaftliche Gründe. Mit dem Aufkommen von Kooperationen mit deutschen Sendeanstalten wird es auch für uns interessant."

Zur Sache: Mona-Film

Thomas Hroch, Enkel von Filmpoduzent Karl Spiehs, war in dessen Lisa Film gemeinsam mit Gerald Podgornig ab 2001 Geschäftsführer. 2007 gründeten die beiden die Mona-Film (Wien) und Tivoli-Film (bis 30. 9. 2017 Bad Homburg, nun München). Produktionen (Auswahl): „Die Auslöschung“, „Chuzpe“, „Kleine große Stimme“, „Pregau“.