Den Bundeskanzler hat man gleich wieder vergessen
Der fünfte "Mission Impossible"-Streifen mit Tom Cruise ist spektakulär und teilweise "unmöglich".
Sein Name ist Hunt, Ethan Hunt", ist man versucht zu sagen, denn angesichts des fünften Teils von "Mission: Impossible" ist zu bemerken, dass der Agent viel mit seinem britischen Amtskollegen James Bond gemeinsam hat. Etwa, dass die jeweiligen Darsteller, Tom Cruise und Daniel Craig, nicht gerade zu den Spitzenkräften der Darstellenden Kunst gehören. Um trotz ihres auch in Kampfszenen gleichbleibend lapidaren Mienenspiels Emotionen zu erzeugen, müssen also die Rollen rund um Hunt und Bond mit guten Schauspielern besetzt sein. Um es vorweg zu nehmen: bei "Mission: Impossible – Rogue Nation" ist das der Fall.
Farbloser Bundeskanzler
Skurriles Detail am Rande: Während der britische Premier im Film mit einem Schauspieler besetzt ist, der entfernt David Cameron ähnlich sieht, ist der Österreichische Bundeskanzler, der bei einem Opernbesuch von Attentätern gleich in mehrere Visiere genommen wird, so unscheinbar, dass man ihn gleich wieder vergisst und sein Darsteller gar nicht in der Besetzungsliste aufscheint. Vielleicht blieb Werner Faymann unter anderem auch deswegen am Donnerstagabend der Weltpremiere in der Staatsoper fern.
Die Handlung des Films geht in den durchwegs spektakulären Actionszenen beinahe unter: Nachdem das Pentagon die "Impossible Missions Force" aufgelöst hat, macht sich Hunt allein auf die Spur eines gefährlichen "Syndikats", das mit gezielten Anschlägen durch Spezialagenten eine neue Weltordnung schaffen will.
Nachdem sein Alleingang scheitert, reaktiviert Hunt sein früheres Team: den Technikfreak Benji Dunn (Simon Pegg), Computer-Hacker Luther Stickell (Ving Rhames) und Agentenkollegen William Brandt (Jeremy Renner). Unerwartete Hilfe bekommt das Quartett von der ebenso attraktiven wie schlagkräftigen Agentin Ilsa Faust (Rebecca Ferguson).
Schurken
Der Titel nimmt übrigens auf eine "Rogue Nation" Bezug, was die Vermutung nahelegt, dass einer der in der Bush-Ära so ineffektiv bekämpften "Schurkenstaaten", oder gar der selbst ernannte "Islamische Staat" gemeint sein könnte. Obwohl unter anderem in Marokko spielend, vermeidet der Film, weiteres Öl in die Brandherde des Nahen Ostens zu gießen. Auch in dieser Hinsicht hat Hunt offenbar von Bond gelernt: Das Böse ist hier ein Einzeltäter, der nicht – wie in Zeiten des Kalten Krieges – für konkrete politische Konstellationen steht, sondern dem es um individuelle Macht- und Geldvermehrung geht.

(Gabriele Flossmann)
Tom Cruise im Porträt
Diese Stadt ist so schön, dass ich sie unbedingt auf Film bannen wollte
"Das ist der eleganteste Abend meines Lebens", sagt Tom Cruise und strahlt. Nach den Dreharbeiten zu "Mission: Impossible - Rogue Nation" in der Wiener Staatsoper vergangenen Sommer hatte sich der Hollywoodstar gewünscht, die Weltpremiere des Films hier zu veranstalten. "Diese Stadt ist so schön, dass ich sie unbedingt auf Film bannen wollte", so der 53-Jährige im APA-Interview am roten Teppich.
Knapp 1.000 geladene Gäste waren zu Wiens erster Hollywood-Weltpremiere in die Oper geladen. Weitere rund 4.000 Menschen haben sich laut Veranstalter "Livenation" vor dem Haus am Ring versammelt, um Cruise in der Fanzone und an den umliegenden Absperrgittern nahe zu sein. Und sie wurden belohnt: Knapp zwei Stunden widmete der bestens gelaunte US-Schauspieler ab 16.30 Uhr seinen Fans. Geduldig und der Hitze trotzend, signierte er leger in schwarzem Shirt, Jeans und mit charakteristischer Pilotenbrille selbstgemalte Porträts und Filmposter, beruhigte weinende Fans und ließ sich - der steigenden Nervosität seiner Entourage ob des Zeitplans zum Trotz - sogar auf die eine oder andere Plauderei ein.
Bilder von der Weltpremiere in Wien
Jubelnde Menge

Bei der Premiere von "Oblivion" im Gartenbaukino 2013 sei er gefragt worden, ob er einmal in Wien drehen möchte. "Glücklicherweise hatte Chris (McQuarrie, Regisseur, Anm.) dann die Idee einer Szene im Opernhaus und die Wiener Staatsoper war so großzügig, uns hier drehen zu lassen", erzählte Cruise der APA am roten Teppich. "Ich hätte nie gedacht, dass das möglich sein wird. Als uns dann auch noch angeboten wurde, die Premiere hier auszurichten, konnten wir das gar nicht ausschlagen. Ich war noch nie auf einer Premiere in einer Stadt, in der wir zuvor auch gedreht haben."
Städtereisen
Die Städtereisen seien der Kern der "Mission: Impossible"-Reihe, in der Cruise als Ethan Hunt, Agent der "Impossible Missions Force", seit 1996 scheinbar unmögliche Auftrage erfüllt. "Ich habe so viel Zeit in meinem Leben damit verbracht, verschiedene Orte zu bereisen und all diese Kulturen kennenzulernen. Einer der Gründe, warum ich begonnen habe, diese Filmreihe zu produzieren, ist der, mittels Reisen diese wunderschöne Welt und ihre Menschen zu zeigen."

Kein Green Screen

Bereits zum dritten Mal als Ethan Hunts Sidekick Benji Dunn vor der Kamera stand indes Simon Pegg. "Die Erinnerungen an Wien sind noch so frisch, es ist gerade mal elf Monate her, seitdem ich unweit von hier aus dem Hotel Bristol gekommen bin und mich durch die Innenstadt bewegt habe, ohne angesprochen zu werden", so der 45-Jährige in Bezug auf den Trubel der vergangenen Tage. Bei seinem dritten "Mission: Impossible"-Einsatz kommt dem Briten eine wesentlich wichtigere Rolle zu. "Das nächste Mal hänge ich auch wie Tom am Flugzeug, aber nackt - das können Sie zitieren!" Neben der Agentenreihe ist Pegg, bekannt aus Komödien wie "Shaun of the Dead" an der Seite von Nick Frost, demnächst auch in "Star Trek 3" sowie in der "Star Wars"-Fortsetzung zu sehen. "Das sind Filme, auf die viele Leute schon so lange warten, und wir werden sie nicht enttäuschen!"
Für Enttäuschung und manch Ärger hatte hingegen die großflächige Ringsperre für die Weltpremiere im Vorfeld u.a. bei Wirtschaftskammer und Autofahrern gesorgt. "Ich verstehe einerseits die Menschen, wenn sie in ihrem Alltag beeinträchtigt sind", zeigte sich Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) am roten Teppich verständnisvoll. "Auf der anderen Seite muss man auch sagen: Das ist so eine tolle Werbung für Wien, dass man da auch ein bisschen tolerant sein muss."
(APA)
Wien im Film
Die Wiener Staatsoper diente vergangenen August als Drehort für den fünften "Mission: Impossible"-Film. Wobei nicht alle im Film ersichtlichen Szenen aus der Oper tatsächlich hier gedreht wurden, wie Staatsopernsprecher Andre Comploi vor Journalisten betonte. So wurde nach rund drei Wochen Vorbereitung in der Oper zwar umfangreich auf der Feststiege, im Auditorium, auf dem Dach und vor dem Eingang gedreht. Die Actionszenen mit Hauptdarsteller Tom Cruise auf der Hinterbühne sowie die dabei laufende Operninszenierung von Puccinis "Turandot" wurden jedoch in einem Londoner Studio inszeniert.
Bei der fiktiven Bühnengestaltung war die Oper ebenso eingebunden wie bei der Musik: So begutachtete man Skizzen, schickte Requisiten nach London und nahm "Turandot" im April extra für die Großproduktion samt Sängern, Staatsopernorchester bzw. Wiener Philharmoniker und Staatsopernchor im Musikverein auf. Die Sopranistin, die der im Film mitwirkenden Schauspielerin dafür ihre Stimme lieh, ist mit Lise Lindstrom auch jene, die in der Neuinszenierung von Marco Arturo Marelli kommendes Frühjahr (Premiere: 28. April) tatsächlich die Titelpartie an der Staatsoper singt.
Für die Weltpremiere in Wien, die auf Einladung von Staatsoperndirektor Dominique Meyer und Wunsch von Tom Cruise zurückgeht, wurde über dem Orchestergraben in den vergangenen Tagen extra eine 17 Meter breite und 9,5 Meter hohe IMAX-Leinwand installiert. Und auch sonst erscheint das Auditorium verändert, sind doch die Stühle in der Mittelloge dem Filmprojektor gewichen und wurde der Stehbereich im Parkett bestuhlt. Fasst die Oper sonst rund 1.700 Sitzplätze, nehmen aufgrund der eingeschränkten Sicht auf die Leinwand heute "nur" 1.000 geladene Gäste hier Platz.

Action zu "Nessun dorma"

Wie Ethan Hunt der Situation entkommt, ist Wienern noch von den Dreharbeiten vergangenen Sommer in Erinnerung: Da seilte sich Cruise, mit Co-Star Rebecca Ferguson bzw. ihrem Stunt-Double um den Oberkörper geschnallt, spektakulär vom Dach der Oper ab. Bombastischer als die Aktion selbst sind zuvor die Luftaufnahmen, die Cruise und Ferguson auf der Flucht am Operndach zeigen. Und während sich die beiden kurz darauf in einem Auto in Sicherheit wiegen, fliegt ein anderes vor der Oper in die Luft.
(APA, red.)


