Miley Cyrus in der Wiener Stadthalle: Ein Hin und Her zwischen Provokation ...

© KURIER/Jeff Mangione

So viel Sex, so wenig Spannung
06/11/2014

So viel Sex, so wenig Spannung

Miley Cyrus zeigte in der Wiener Stadthalle ihre viel diskutierte "Bangerz"- Show.

von Brigitte Schokarth, Jeff Mangione

Es hat keine Minute gedauert, bis Miley Cyrus bei ihrem Wien-Konzert erstmals ihre fast nackte Kehrseite so präsentierte, wie man es sonst beim Stangen-Tanz in einem Strip-Club sieht.

Heiße Diskussionen hat es im Vorfeld der „Bangerz“-Show über die vielen suggestiven Posen des ehemaligen Kinderstars gegeben. Tatsächlich griff sich Miley auch in Wien recht häufig in den Schritt. Sie zeigte ihr berühmtes „Twerking“ – heftige Hüft-Stöße und Po-Gewackel –, hängte sich einen Schal mit dicken Brüsten an den Enden um den Hals, rekelte sich in einer angedeuteten Orgie mit den Tänzern auf einem Riesenbett. Und sie schwebte, rittlings auf einem aufblasbaren Hot Dog sitzend, hoch über den Köpfen der Fans durch die Stadthalle.

Die Fotos der Show

Tiermasken

Das war die am schärfsten kritisierte Szene. Aber die war eigentlich nicht wirklich sexy. Eher kindisch. Diese Aufregung jedenfalls nicht wert. Bedenklicher für die junge Zielgruppe war da schon ein Schwarz/Weiß-Film, eingespielt um eine Bühnenumbau-Pause zu überbrücken: Miley nackt in Latex-Striemen gewickelt, schwarzes Tixo über den Brustwarzen, Rosen im nackten Po. Dazu das Gesicht mit putzigen Tiermasken bedeckt.

Der Film war symptomatisch für die Show. Die konnte sich nie zwischen Kindertheater und Soft-Porno entscheiden, war ein Hin und Her zwischen sexueller Provokation und tanzenden Stofftieren, zwischen gespreizten Beinen und süßen Katzen-Bildern. Kurz: Zwischen ich will so gern so geil wirken – und trau mich doch nicht ganz.

Und das erzielt das Gegenteil vom Angestrebten: Nichts an der Show ist erotisch, knisternd oder spannend. Zu inflationär, bemüht und plakativ kommen die Anzüglichkeiten daher. Es ist nicht einmal sonderlich unterhaltsam. Dazu sind die Szenen zu chaotisch, stillos und – wie bei den tanzenden Senf-Dosen – zu dümmlich.

Und die Musik? Die kann den Zirkus auch nicht aus dem langweiligen Dahinplätschern reißen. Zwar singt Cyrus alles live. Das klappt – wenn sie sich nicht als Nymphomanin verkauft und dafür während des Singens hemmungslos verrenken muss – recht gut. Speziell beim Akustik-Medley hinten im Saal merkt man, dass sie dabei einigen Kolleginnen Vieles voraus hat.

Leidenschaft

Aber Leidenschaft kann sie in keinen Song legen. Sie kann mit der Stimme powern – aber nicht kommunizieren. Dazu kommt, dass die meisten ihrer Songs eher Durchschnitts-Ware der Pop-Tradition sind und hierzulande nie Hits waren.

So ist es kein Wunder, dass die Stimmung in der Stadthalle sehr lange lau bleibt. Das Gekreische der Fans klingt eher wie ein bedingter Reflex am Ende eines Songs als ein unbedingt notwendiger Ausdruck von Freude.

Das ändert sich erst, als Cyrus am Ende ihre Hits auspackt. Aber weil das mit „We Can’t Stop“, „Wrecking Ball“ und „Party In The U.S.A.“ nur drei sind, ist es es da längst zu spät, um den Eindruck von „fad“ noch auszumerzen.

KURIER-Wertung:

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