Medienmogul Leo Kirch ist tot

Legende: Leo Kirch dominierte lang den Filmhandel. Zuletzt prozessierte er gegen die Deutsche Bank (im Bild im März 2011 bei einer Verhandlung)
Foto: Reuters

Der legendäre Medienunternehmer Leo Kirch ist tot. Er starb am Donnerstag im Alter von 84 Jahren in München.

Der Abschied von Leo Kirch war anders, als man es von ihm gewohnt war. Unspektakulär. Donnerstagvormittag gab Leo Kirchs Familie bekannt, dass er im Kreise der Seinen friedlich entschlafen sei. Dabei galt der legendäre Medienmacher bis zuletzt als alter Kämpfer.
Nicht unähnlich dem Attribut, das dem ehemaligen ORF-General Gert Bacher zugeschrieben wird. Der "Tiger" zum Tod Kirchs: "Leo Kirch war der bedeutendste Unternehmer des deutschsprachigen Fernseh- und Filmgeschäfts. Schon zu Lebzeiten eine legendäre Figur von internationaler Reichweite. Der Alleineigentümer eines weltweit operierenden Imperiums war ein Selfmademan von unglaublicher Kreativität und Tatkraft. Er hatte nur Freunde und Feinde, dazwischen gab es nichts. Für Freund und Feind bleibt er unvergleichlich und unvergesslich. "

RTL -Group-Geschäftsführer Gerhard Zeiler würdigt Leo Kirch als "großen Unternehmer und Vorreiter des deutschen Privatfernsehens": "Ich habe ihn als beeindruckenden Menschen in Erinnerung, der trotz seiner Bedeutung immer sehr unprätentiös auftrat."

Schwer krank

In München, wo Kirch seine letzte Firmenadresse hatte, ist man "bestürzt, aber nicht überrascht." Seit Langem war über seinen Gesundheitszustand gerätselt worden. Leo Kirch war schwer zuckerkrank und halb erblindet, er saß im Rollstuhl. Im Dezember 2007 war ihm der der linke Fuß amputiert worden und im vergangenen Winter hatte er unter heftiger Bronchitis gelitten.

Im Prozess gegen die Deutsche Bank, die er geklagt hatte, weil
sie seiner Meinung nach Schuld an seiner Insolvenz trug, war er zwei Mal nicht vernehmungsfähig und hatte ärztliche Atteste vorgelegt. Sogar auf der Beerdigung seines Freundes und Geschäftspartners Bernd Eichinger im Januar fehlte er.
Der Sohn eines Weinbauern aus Würzburg hatte aus dem Nichts einen der größten Film- und Fernsehkonzerne Europas aufgebaut. Die Sender ProSieben , Sat.1 und N24 gehörten dazu, aber auch eine Beteiligung am Springer-Konzern. Leo Kirch kontrollierte über seine verschiedenen Beteiligungen große Teile des deutschen und einen Teil des europäischen Medienmarktes.

Er galt als graue Eminenz der deutschen Medienlandschaft. Bewundert und gefürchtet, versetzte er lange Zeit die Medienkonkurrenz in Angst und Schrecken.
Kirch war seit 1954 Filmrechtehändler. Den Anfang eines Filmstocks machte er, als er 1956 für 25.000 Mark Fellinis "La Strada" kaufte. "Schon damals über meine Verhältnisse", ließ Kirch im Prozess gegen die Deutsche Babnk erklären. In den Jahren darauf wurde er zu einem der wichtigsten Zulieferer der Filmbranche in Europa.

Pleite der Kirch-Gruppe

In den 90er-Jahren gab es immer wieder Berichte über Finanzschwierigkeiten. Kirch übernahm sich mit seinen Investitionen ins Bezahl-Fernsehen und musste im April 2002 zusehen, wie sein Lebenswerk zerbrach: Die Kirch-Gruppe war pleite.
Umwerfen ließ sich Kirch davon aber nicht. "Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen", sagte der gläubige Katholik lakonisch und arbeitete in den folgenden Jahren trotz
gesundheitlicher Probleme aus seinem Münchner Stadtbüro weiter.

(kurier) Erstellt am
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