© Servus TV/Benedikt Mueller

Kultur Medien
07/16/2021

Servus TV beendet Zusammenarbeit mit Epidemiologen Bhakdi

Der deutsche Arzt Sucharit Bhakdi übte als Gast des Senders häufig Kritik an Corona-Maßnahmen. Nach aktuellen Antisemitismusvorwürfen fiel der Bestsellerautor auch bei seinem Verlag in Ungnade.

Nicht zuletzt mit seinen Auftritten auf Servus TV spielte sich Sucharit Bhakdi in die erste Liga der Corona-Verharmloser, die Covid-19 mit Krankheiten wie der herkömmlichen Grippe gleichsetzen.

Der deutsche Infektionsepidemiologe mit thailändischen Wurzeln sorgte nun aber mit Aussagen für einen Skandal, der ihn die große Medienpräsenz kosten könnte. In einem unter dem Titel "Die Impfung! Die Hölle auf Erden" veröffentlichten Video der sogenannten Querdenker-Szene erklärte er, Israel sei die "lebende Hölle", und die Juden hätten "das Böse gelernt und umgesetzt".

Bhakdi bezeichnet sich darin zwar als ehemaliger „Juden-Bewunderer“, der jüdische Kulturleistungen verehrt habe, das tut der Empörung aber keinen Abbruch. Seit Mittwoch kursieren die Passagen auf Twitter. Der Antisemitismusbeauftragte der jüdischen Gemeinde zu Berlin, Sigmount Königsberg, schaltete wegen Volksverhetzung die Staatsanwaltschaft ein, wie er auf Twitter mitteilte.

Bhakdi trat in der Corona-Pandemie immer wieder in dem Mateschitz-Sender Servus TV auf. So war er regelmäßig Gast in dem Talk "Corona-Quartett“, zwei Mal wurde er in einem "Talk Spezial" interviewt.

In einer Servus-TV-Reportage vom Februar dieses Jahres sagte Bhakdi: "Es gibt keine Epidemie oder Pandemie mehr. Das ist die einfache Tatsache. Und deswegen muss alles jetzt aufhören."

Zusammenarbeit beendet

Aufhören wird jetzt aber vor allem einmal Bhakdi selbst. Nach den jüngsten antisemitischen Aussagen zieht der Salzburger Sender den Stecker. Die Zusammenarbeit mit Bhakdi sei beendet, wie dem KURIER seitens Servus TV bestätigt wurde. Zunächst hatte der Standard berichtet, dass keine neuen Auftritte Bhakdis geplant seien.

Konkreter zu der Sache äußerte sich der ebenfalls in Österreich ansässige Goldegg-Verlag: "Die aktuellen Aussagen von Prof. Bhakdi können wir nicht nur nicht nachvollziehen, sie stehen außerhalb unseres Verständnisses. Im Verlag sind wir tief betroffen und distanzieren uns vehement von derartigem Gedankengut", heißt es in einem Statement. Auf Twitter schrieb man: "Antisemitische oder rechtsextreme Ansichten tolerieren wir nicht. Wir setzen konsequente Schritte." Dazu gehört, dass Goldegg keine weiteren Bücher mit Bhakdi veröffentlichen und auch keine bestehenden nachdrucken werde. Sein Buch "Corona Fehlalarm?!", das bei Goldegg-Verlag erschienen ist, war zuletzt noch immer in den Bestsellerlisten zu finden.

Die umstrittenen Aussagen Bhakdis wurden unter anderem auf tagesschau.de zitiert. In dem Video wurde etwa die Frage aufgeworfen, ob es sich bei der Impfkampagne in Deutschland um kalkulierten Mord handle. Bhakdi antwortete: "Das Volk, das geflüchtet ist aus diesem Land, aus diesem Land, wo das Erzböse war, (…), und haben ihr Land gefunden, haben ihr eigenes Land in etwas verwandelt, was noch schlimmer ist, als Deutschland war. (…) Das ist das Schlimme an den Juden: Sie lernen gut. Es gibt kein Volk, das besser lernt als sie. Aber sie haben das Böse jetzt gelernt – und umgesetzt. Deshalb ist Israel jetzt 'living hell' – die lebende Hölle." Vor dieser "lebenden Hölle" warnte Bhakdi in dem Video übrigens auch die USA.

Bhakdis Partei weist Vorwürfe zurück

Die sogenannte „Basis“-Partei, für die Bhakdi bei der kommenden deutschen Bundestagswahl kandidieren will, wies indes die Antisemitismusvorwürfe zurück und bezeichnete sie als aus dem Zusammenhang gerissen, als "absurde Unterstellung" und als "billiges Framing". Von Bhakdi selbst lag vorerst keine Stellungnahme vor.

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