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Kultur
09/19/2012

MDR: Die Stimme des Ostens in der ARD

"Öffentlich-rechtliche Sender gewinnen noch mehr an Bedeutung.", meint Karola Wille, die Intendantin des MDR ist zu Gast bei den Österreichischen Medientagen.

von Anna Gasteiger

Von 25. bis 27. September finden in Wien die 19. Österreichischen Medientage statt. Hier diskutieren nationale und internationale Medienprofis – darunter KURIER-Chefredakteur Helmut Brandstätter, Geschäftsführer Thomas Kralinger sowie KURIER-Online-Chef George Nimeh – über aktuelle Themen. Eröffnungsredner ist Schriftsteller Jean Ziegler.

Karola Wille, Intendantin des MDR (Mitteldeutscher Rundfunk), nimmt an einem Panel zum Thema "Renaissance der Dinosaurier – Öffentlich Rechtliche im Vorteil vor Privaten?" teil.

KURIER: Wie sehen Sie die Zukunft des öffentlich-recht­lichen Fernsehens?
Karola Wille:
Das lineare Fernsehen bleibt Leitmedium, doch zunehmend verschmilzt es mit Online. In dieser vernetzten Welt gewinnt ein gesellschaftlich getragener und gemeinschaftlich finanzierter Medienanbieter noch stärker an Bedeutung und Berechtigung, weil durch ihn die unabhängige Vermittlung von Information, Bildung und Unterhaltung sowie der diskriminierungsfreie Zugang verlässlich gewährleistet werden.

Als eines Ihrer Ziele haben Sie die Verjüngung des Publikums genannt. Wie wollen Sie das – trotz Konkurrenz durch die Privatsender – bewerkstelligen?
Dass wir junge Leute für unsere Programme begeistern können, beweisen wir seit Langem, zum Beispiel beim Kinderkanal und mit unseren jungen Hörfunkwellen. Mit vernetzten Projekten von Hörfunk, Fernsehen und Online wollen wir zusätzlich zum traditionellen Publikum jüngere Menschen gewinnen und Programm für alle in der Gesellschaft bieten, nicht nur für Zielgruppen der Werbewirtschaft.  

Der MDR hatte zuletzt mit Skandalen und Krisen zu kämpfen. Wie gewinnt man das Vertrauen des Publikums wieder?
Indem man rückhaltlos aufklärt und entsprechende Konsequenzen zieht. Werte- und leistungsorientierte Führung, Verantwortung und Transparenz sind Erfolgsfaktoren einer Unternehmenskultur, wie ich sie mir für den MDR wünsche und an der wir jetzt aktiv arbeiten. Und wir wollen natürlich mit qualitativ hochwertigen Programmangeboten überzeugen.  

Hat Ihr Publikum – aufgrund seiner besonderen Geschichte und Vergangenheit – andere Bedürfnisse und Wünsche als das anderer dritter Sender?
Unser Publikum hat andere, eigene Erfahrungen gemacht, nicht nur vor 1989 sondern auch danach. Diesen Transformationsprozess sollen die Menschen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen im MDR wiederfinden. Aber wir tragen das auch weiter und verstehen uns als Stimme des Ostens innerhalb der ARD. Zum Tag der Deutschen Einheit läuft zum Beispiel "Der Turm" im Ersten. Der gleichnamige Roman von Uwe Tellkamp beschreibt anhand einer bürgerlichen Familie aus Dresden die letzten Jahre der DDR, mit all ihren Verwerfungen und Grauzonen. Der MDR hat diesen Zwei­teiler mitproduziert. 

Viele Regionen im Osten Deutschlands sind strukturschwach, die Arbeitslosigkeit ist hoch. Es gibt Probleme mit Rechtsextremismus. Haben Sie als öffentlich-rechtlicher Sender in dieser  Region eine besondere Verantwortung?
Qualitätsjournalismus ist und bleibt unsere vorrangige Aufgabe, unabhängig und objektiv. Wichtige Schwerpunkte gehen wir mit unserer ganzen publizistischen Kraft an und bilden an Thementagen aktuelle Probleme konzentriert auf allen Ausspielwegen ab, also im Fernsehen, Radio und Online. Solch einen Thementag gab es zum Beispiel kürzlich zur Debatte um ein Verbot der rechtsextremen Partei NPD.

Medientage: Philosophieren und Streiten

Auftakt Vom 25. bis 27. September gehen in der Wiener Stadthalle die Österreichischen Medientage über die Bühne.

Die dreitägige Veranstaltung, die zum 19. Mal stattfindet, steht diesmal unter dem Generalmotto "Visionen". Die Eröffnungsrede wird Schriftsteller und Globalisierungsgegner Jean Ziegler halten, einer der international charismatischsten Kritiker weltweiter Profitgier.

Themenvielfalt Nach dem Auftakt mit dem Schwerpunkt Integration diskutieren Medienprofis, Manager und Politiker Themen wie die Entwicklung des Fernsehens, den Mythos Tablet und die Zukunft der Printmedien. Auch Österreich-Spezifika wie das Transparenzgesetz werden besprochen. Der dritte Tag der Veranstaltung ist der Online- und Mobile-Branche gewidmet.

 

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