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Kultur
09/17/2012

Matthias Naske wird Konzerthaus-Intendant

Was der KURIER bereits vor Wochen berichtete, wurde nun offiziell bestätigt: Matthias Naske kehrt nach Wien zurück und wird neuer Intendant des Konzerthauses.

Matthias Naske, aus Wien stammender Leiter der Philharmonie von Luxemburg, ist zum Intendanten des Wiener Konzerthauses ab 1. Juli 2013 bestellt worden. Eine entsprechende Meldung der Tageszeitung "Der Standard" bestätigte Konzerthaus-Präsidentin Teresa Jordis heute, Montag, Vormittag, im Gespräch mit der APA.

Die Bestellung sei bei einer Sitzung des Direktoriums der Wiener Konzerthausgesellschaft am Mittwoch der Vorwoche einstimmig beschlossen worden, anschließend habe Naske seine rechtzeitige Vertragsauflösung in Luxemburg fixieren können.

Der seit 2007 amtierende derzeitige Konzerthaus-Chef Bernhard Kerres hatte Ende August überraschend bekannt gegeben, mit Ende der 100. Saison 2012/13 aufzuhören. "Es war eine gemeinsame Entscheidung", sagte Jordis heute der APA. Gemeinsam sollen auch Kerres und Naske "in einem gleitenden Übergang" ab 1. Jänner 2013 die Planungen für 2013/14 vorantreiben. Naske ist für viereinhalb Jahre, bis Ende 2017, bestellt.

Um das überraschende Ende der Amtszeit von Konzerthaus-Intendant Kerres hatte es zahlreiche Spekulationen gegeben, bei denen die angespannten Finanzen des Hauses im Mittelpunkt standen. "Ich möchte den personellen Wechsel nicht in Zusammenhang mit der finanziellen Situation der Konzerthausgesellschaft sehen", sagte die Präsidentin der Wiener Konzerthausgesellschaft heute zur APA.

Der laufende Konzertbetrieb stelle zwar "eine große Herausforderung für die Budgetierung" dar und das operative Geschäft sei angesichts eines Eigendeckungsanteils von rund 86 Prozent "eine ganz, ganz schwierige Managementaufgabe", doch sei es nicht zuletzt dank Hauptsponsor Kapsch immer wieder gelungen, "um die Nulllinie herum" abzuschließen. Viel schwerer wiege jedoch eine Altlast.

"Wir schleppen noch immer aus der Zeit vor mir den Rucksack des Umbaus mit uns mit", so Theresa Jordis. Ein aushaftender Kredit von über sechs Millionen Euro belaste das Konzerthaus weiterhin. "Ich habe aber die Hoffnung, dass wir anlässlich unseres 100-Jahr-Jubiläums etwas vereinbaren können." Konkret hoffe sie auf eine Drittel-Lösung zwischen Bund, Stadt Wien und der Konzerthausgesellschaft nach Vorbild der ursprünglichen Umbau-Finanzierungsplanung.

Dank an Bernhard Kerres

Dem scheidenden Intendanten Kerres dankte Jordis sehr: "Wir waren in den sechs Jahren sehr zufrieden, hatten viele große Höhepunkte und auch steigende Besucherzahlen." Mit Naske übernehme der Wunschkandidat, ein hoch qualifizierter international gefragter Konzertmanager mit Wiener Wurzeln, das Haus. "Er hat die Direktion vollends überzeugt."

"Für das Wiener Konzerthaus im Verbund mit dem bewährten Team dieser traditionsreichen und dennoch so lebendigen Institution zu arbeiten ist eine Perspektive, über die ich mich sehr freue", meinte Naske in einer ersten Stellungnahme. Er wird mit Ende Juni 2013 seine derzeitige Funktion als Generaldirektor des Etablissement public Salle de Concerts Grande-Duchesse Josephine-Charlotte und Leiter der Philharmonie du Luxembourg beenden. "Vieles von dem, woran ich den vergangenen zehn Jahren im Aufbau der Philharmonie Luxembourg maßgeschneidert für diesen Ort und für diese Gesellschaft arbeiten konnte, hat seine Wurzeln in dem kulturellen Selbstverständnis der einzigartigen Musiktradition in der Stadt Wien", so Naske.

"Ich freue mich, Matthias Naske als zukünftigen Intendanten zu begrüßen", wird Bernhard Kerres in einer Aussendung des Wiener Konzerthauses zitiert. "Ich glaube, Matthias Naske wird die Programmbreite und die Offenheit des Hauses, die wir in den letzten Jahren erfolgreich entwickeln konnten, fortsetzen. Mit der 100. Saison und den Feierlichkeiten im Oktober 2013 kann ich ein Haus übergeben, das am bisherigen Höhepunkt seiner künstlerischen Qualität steht.

Zur Person: Matthias Naske

Matthias Naske wurde 1963 in Wien geboren. Er studierte zunächst Rechtswissenschaften an der Universität Wien und arbeitete im Generalsekretariat der Jeunesses Musicales Österreich. Im Jahr 1988 übernahm er die Leitung des künstlerischen Betriebsbüros des Gustav Mahler Jugendorchesters unter Claudio Abbado. Zeitgleich fungierte er als Generalsekretär der Fritz Kreisler Gesellschaft Wien und leitete das Projekt "Webern Ensemble" im Rahmen von Wien Modern. 1991 bis 1996 übernahm er unter der künstlerischen Leitung von Sandor Vegh das Generalsekretariat der Camerata Academica Salzburg.

1996 wechselte er ebenfalls als Generalsekretär bis 2003 zurück zur Jeunesses Musicales Österreich, ehe ihn im Jänner 2003 der Ruf nach Luxemburg ereilte, wo er Generaldirektor der sich zu dieser Zeit noch im Bau befindlichen neuen Philharmonie wurde. Im neuen Konzerthaus Salle de Concerts Grande-Duchesse Josephine-Charlotte gestaltete er ein abwechslungsreiches Programm von Lorin Maazel und Riccardo Muti bis zum New Yorker Remix-Master DJ Spooky. Dort konnte er Erfahrungen im Aufbau eines Konzerthauses sowie mit der Übernahme eines Orchesters sammeln. 2010 wurde sein Vertrag um fünf Jahre verlängert.

Naske galt bereits 2007, als Christoph Lieben-Seutter das Konzerthaus in Richtung Hamburger Elbphilharmonie verließ, als einer der Favoriten für die Intendanz im Wiener Konzerthaus. Mit 1. Juli 2013 wird Naske die Leitung des Hauses für vorerst viereinhalb Jahre übernehmen, bereits ab Jänner kommenden Jahres soll ein "gleitender Übergang" vollzogen werden, so Konzerthaus-Präsidentin Teresa Jordis im APA-Gespräch. "Das Wiener Konzerthaus und auch viele der anderen der kulturellen Institutionen Wiens waren für mich seit früher Jugend privilegierte Lebensräume, die wesentlich dazu beitragen eine Stadt lebens- und liebenswert zu machen", erklärte Naske in einer ersten Stellungnahme. Auf die Arbeit "mit dem bewährten Team dieser traditionsreichen und dennoch so lebendigen Institution" freue er sich sehr.

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