Kultur
28.04.2017

Mateschitz' Wahrheitsstiftung: Fleischhacker wehrt sich gegen Kritik

Die Rechercheplattform soll laut Michael Fleischhacker eine Faktenbasis für die gesellschaftliche Debatte herstellen.

Journalist Michael Fleischhacker (früher Die Presse, nzz.at), derzeit am Aufbau einer Rechercheplattform für Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz, wehrt sich gegen Medienkritik, das Projekt "Quo Vadis Veritas" sei ein Meinungsportal à la Breitbart News. Stimmt nicht, erklärte Fleischhacker am Freitag, es gehe um die Wiederherstellung einer Faktenbasis für eine gesellschaftliche Debatte.

"Fest steht bisher nur, dass die Ressourcen der Stiftung und die Energien der Mitarbeiter ausschließlich in die Recherche fließen werden, um so zur Wiederherstellung einer soliden Faktenbasis als Grundlage für eine qualifizierte, ruhig auch kontroversielle politische und gesellschaftliche Debatte beizutragen", umriss Fleischhacker in einer Aussendung die Zielsetzung. Für Details sei es aber noch zu früh, die Arbeit sei erst im April aufgenommen worden.

"Wohin gehst du, Wahrheit"

Mateschitz und die Servus Medien GmbH richteten für das Projekt die Quo Vadis Veritas Privatstiftung ein. Die lateinische Redewendung "Quo Vadis Veritas" heißt auf Deutsch "Wohin gehst du, Wahrheit". Mateschitz, laut Forbes mit geschätzten 14,6 Mrd. Euro reichster Österreicher stiftete 990.000 Euro, die Servus Medien GmbH 10.000 Euro. Wie Fleischhacker mitteilte, sei diese Woche die gemeinnützige Quo Vadis Veritas Redaktions GmbH gegründet worden. Geschäftsführer sind laut "FirmenCompass" Fleischhacker und der ehemalige NEOS-Nationalratsabgeordnete Nikolaus Alm.

Die Medienberichterstattung über die Stiftungsgründung bezeichnete Fleischhacker in der Aussendung als "einigermaßen bizarr". Ohne jede faktische Grundlage und ohne erkennbare Recherche sei national und international darüber spekuliert worden, dass im Auftrag von Mateschitz an einem ideologisch motivierten Meinungsportal im Sinne einer Gegenöffentlichkeit gearbeitet würde - "ein deutlicher Hinweis darauf, dass es einen erheblichen Bedarf an faktenbasiertem Journalismus gibt", so Fleischhacker.

Breitbart

Mehrere internationalen Medien hatten in den vergangenen Tagen das Thema aufgegriffen und das Mateschitz-Projekt in die Nähe des amerikanischen rechtsnationalen Nachrichtenportals Breitbart News gestellt. Die französische Tageszeitung Libération schrieb, Mateschitz starte ein österreichisches Breitbart, zuvor stellte bereits das deutsche Handelsblatt diesen Vergleich her. Die deutschsprachige Ausgabe der Huffington Post schrieb, Mateschitz wolle Wutbürgern Flügel verleihen.

Dass das Medienprojekt als rechtes Meinungsportal interpretiert worden war, lag zum Teil auch an Mateschitz selbst. Er stellte die Rechercheplattform Anfang April im Zuge eines großen Interviews in der Kleinen Zeitung vor. Im Interview sprach Mateschitz von einer "Meinungsdiktatur" und "dass sich niemand mehr die Wahrheit zu sagen traut, auch wenn jeder weiß, dass es die Wahrheit ist". Scharfe Kritik übte er an den offenen Grenzen während der Flüchtlingskrise, die Mateschitz als "Auswanderungswelle" bezeichnete.