Kultur 05.12.2011

Magnifico: Hellers Pferde laufen nicht mehr

Die Betreiber der "Magnifico"-Show meldeten Insolvenz an. André Hellers Management zeigt sich davon "vollkommen überrascht".

Zu hohe Produktionskosten, zu wenig Publikumsinteresse" lassen André Hellers große Pferdeshow "Magnifico" straucheln: Am Dienstag stellte die Betreibergesellschaft der Show, die im November auch nach Wien hätte kommen sollen, in München einen Insolvenzantrag.

"Nach einem hoffnungsvollen Auftakt im Februar 2011 in München hat sich gezeigt, dass die Kosten dieser gigantischen Produktion sowohl im Vorfeld als auch während des laufenden Betriebs Dimensionen erreicht haben, die nicht mehr durch Einnahmen gedeckt werden können", hieß es.

Zu wenig Publikumsinteresse

Trotz hoher Investitionen sei für die Show kein ausreichendes Publikumsinteresse vorhanden und eine weitere Vermarktung führe zu keinem wirtschaftlich tragbaren Resultat. "Zu diesem Ergebnis kamen auch potenzielle Investoren, mit denen intensiv über eine Beteiligung verhandelt wurde."

André Heller hatte das Spektakel auf Basis von Kindheitsträumen konzipiert, in denen Pferde-Fabelwesen eine tragende Rolle spielen. 150 Menschen sind für die Umsetzung, 255 für Auf- und Abbau nötig. Schon im Vorfeld verschlang die Produktion 14 Millionen Euro. Als Heller dann Zelte nicht passten, wurden Termine verschoben. Die Show in Wien, die zuerst am 3., dann am 24. November hätte starten sollen, kommt nun nicht zustande.

Hellers Management "vollkommen überrascht"

André Heller und sein Management sind vom Insolvenzantrag des Showproduzenten Magnifico Circus GmbH & Co. KG "vollkommen überrascht" worden. Das sagte Robert Hofferer, Geschäftsführer von Hellers Firma Artevent GmbH, am Mittwoch auf Anfrage der Austria Presse Agentur (APA). "Außer einem dürren E-Mail aus Deutschland haben wir keine Infos", so Hofferer, "auch von der Pressemeldung wussten wir nichts." Das Vorgehen des Veranstalters, der die Pferdeshow "Magnifico" organisiert und durchgeführt hat, bezeichnete er als "merkwürdig" und "für uns auch irrsinnig ärgerlich".

Noch vor einer Woche habe man den neuen Probenbeginn besprochen, so Hellers Manager, nun müsse man "mit großem Bedauern und großem Erstaunen" die Nachricht vom Aus der Show zur Kenntnis nehmen. Ob die Produktion, möglicherweise mit einer anderen Firma, fortgesetzt werden kann, bezweifelt Hofferer: "Ich wüsste nicht, wie die Tournee weiterzuführen wäre." Konkretere Angaben, etwa zu den November-Terminen in Österreich, könne er aber nicht machen, "da wir derzeit einfach noch nichts wissen. Das ist für uns natürlich schrecklich."

Gleichzeitig legt Hofferer Wert darauf, dass klargestellt werde, dass Andre Heller "weder Eigentümer dieser Firma ist noch Produzent oder Veranstalter der Magnifico-Zirkusshow und zu keinem Zeitpunkt in die Geschäftsgebarung involviert war". Vielmehr habe sich Heller nur um die künstlerische Leitung der Show gekümmert, die noch im Februar "hymnische Kritiken" erhalten habe und allein in München bisher von 80.000 Personen gesehen wurde. Heller selbst sei traurig, dass "dieses Projekt nun nicht mehr Menschen erstaunen und erfreuen" könne.

Rückgabemodalitäten bei Tickets unklar

Was mit den bereits verkauften Tickets passiert, wollten die Veranstalter noch nicht bekanntgeben. Auf der Magnifico-Website ist lediglich zu lesen: "Hinsichtlich gekaufter Karten können wir derzeit keine Auskunft geben, da wir zunächst die Bestellung des vorläufigen Insolvenzverwalters abwarten müssen".

Der Ticketvertrieb oeticket.com, der die Kartenverkäufe in Österreich durchgeführt hat, will sich laut Aussendung "um eine optimale Lösung für alle betroffenen Kunden" bemühen. Derzeit sei noch offen, ob und wie viel Geld an die Kunden refundiert werden könne. Im Fall der Zahlungsunfähigkeit des Veranstalters gehen die Kartengelder in die Masse, eine etwaige Refundierung laufe dann nur über den Insolvenzverwalter. Der Ticketvertrieb selbst werde aber all jene Kunden entschädigen, die sich mit der "Sorgenfrei-Garantie" von oeticket.com versichert hätten.

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( KURIER , apa , red. ) Erstellt am 05.12.2011