Gluck, gluck: Schluckspechte Elizabeth Banks und ihr One-Night-Stand, James Marsden, ahnen nicht, was die Nacht  noch alles bringen wird.

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Verwechselt mit Lindsay Lohan
06/25/2014

Verwechselt mit Lindsay Lohan

Elizabeth Banks verausgabt sich in der unterbelichteten Post-coitum-Komödie "Mädelsabend".

von Alexandra Seibel

Walk of Shame" heißt auf gut Deutsch: Der (schamvolle) Gang nach Hause nach einem One-Night-Stand.

Dass man gerade Sex hatte, ist für andere unschwer zu erkennen, weil man a) wahlweise das Gewand vom Vorabend trägt (knappes Mini-Kleid, hohe Schuhe) oder b) in einem sichtlich geborgten weiten T-Shirt daherkommt.

So weiß es zumindest der Eintrag im "Urbanen Wörterbuch".

"Walk of Shame" lautet auch der englische Originaltitel von "Mädelsabend", einer absolut unlustigen Barbie-Puppen-Version des Sauf-Knüllers "Hangover". Selbst so eine veritable Comedienne wie Elizabeth Banks ("Jungfrau (40), männlich, sucht...") verausgabt sich vergeblich in Steven Brills unterbelichteter Post-coitum-Komödie.

Als Nachrichtensprecherin Meghan Miles – jung, schön, blond – hat Banks eine Menge zu schlucken. Zuerst verlässt sie der Freund, dann verpasst sie einen neuen Job. Ihre beiden besten Freundinnen wollen sie aufmuntern und laden zum Ballermann ("Sei keine Bumsbremse") mit fatalen Folgen.

Meghan presst sich in ein Kanari-gelbes Mini-Kleid (angeblich von Marc Jacobs) und wirft sich ins Nachtleben. Nach einer Menge Tequila landet sie in den Armen eines Barkeepers (als belanglose Nebenfigur: James Marsden) und in dessen Downtown-Wohnung. Dort erhält sie im Verlauf der Nacht die Nachricht, sich am nächsten Tag nochmals für den neuen Job in Stellung zu bringen. Verkatert schleicht sich Meghan aus der Wohnung des (schon schlafenden) Lovers, sperrt sich dabei versehentlich aus und findet ihr Auto nicht mehr. Eine Odyssee durch das nächtliche South Central L. A. beginnt.

Running Gag

Für den Rest seiner ungelenken Scherzkiste hat sich Brill exakt einen, dafür wahnsinnig witzigen Running Gag ausgedacht: Alle Menschen, auf die Meghan während ihres "Walk of Shame" durch L. A. trifft, halten sie entweder für eine Hure. Oder für eine drogensüchtige Hure. Oder für Lindsay Lohan.

Besonders Afroamerikaner (Dealer), Emigranten (perverse Taxifahrer) und devastierte Unterschichtsmenschen (freakige Parkplatz-Angestellte) kühlen ihr Mütchen an der bürgerlichen Blondine. Als diese schließlich doch noch beim Bewerbungsgespräch einlangt, wird sie mit Seitenblick auf schwarze Kollegen gefragt, ob sie eh Toni Morrisons "Menschenkind" gelesen habe. Offensichtlich versteht sich Regisseur Brill als kühner und geistreicher Provokateur von Political Correctness. Tatsächlich aber landet er bloß im humoristischen Hinterland.

KURIER-Wertung:

INFO: " Mädelsabend". USA 2014. 95 Min. Von Steven Brill. Mit Elizabeth Banks, James Marsden.

Mit bayerischem Schmäh nach Indien

Auch junge Menschen aus Bayern fahren nach Indien, um sich selbst zu finden. Marcus H. Rosenmüller beschließt seine Heimat-Trilogie über das Erwachsenwerden nach "Beste Zeit" und "Beste Gegend" mit der optimistischen Aussicht auf "Beste Chance". Der bayerische Erfolgsregisseur von "Wer früher stirbt ist länger tot" beweist erneut sein gutes Händchen für frische Jugendlichkeit in provinzieller Einschicht. In seiner bewährt reschen Mischung aus unsentimentalem Heimatfilm und lakonischer "Coming of Age"-Komödie konzentriert sich Rosenmüller wieder auf die Freundinnen Kati (Anna Maria Sturm) und Jo (Rosalie Thomass) – beide mittlerweile Anfang zwanzig.

Ein mysteriöse Nachricht von Jo auf Katis Anrufbeantworter veranlasst diese, ihr Studium abzubrechen und Hals über Kopf nach Indien zu fahren, um dort die Freundin zu suchen. Alarmiert vom Verschwinden ihrer Töchter, reisen auch die beiden Väter hinterher. Als Konsequenz springt die Erzählung holprig zwischen Oberbayern und Ashram hin und her und hat alle Mühe, ihren Verlauf in einem halbwegs plausiblen Rahmen zu halten. Während Kati nämlich durch indische Dörfer stolpert und kleine Straßenmädchen aufliest, befindet sich ihre Freundin längst wieder in Oberbayern.

Stromausfall

Am besten funktioniert Rosenmüllers bayerischer Schmäh, wenn er sich auf das Erzählen von Alltagssituationen beschränkt. Wenn die Burschen aus der ehemaligen Clique (u. a. Volker Bruch) eine Band-Probe machen und andauernd der Strom ausfällt. Oder Katis alter Freund Rocky im Schlamm versinkt. Knackiger Wortwitz in breitem Dialekt sorgt für fein beobachtete Situationskomik. Weniger gelungen hingegen die zwei bayerischen Väter in Indien: Wenn sie über Om-singende Yogis stolpern, schrammt das Witzniveau scharf am Klamauk vorbei. Überhaupt Indien: Sobald Rosenmüller seine bayerische Scholle verlässt, verflacht seine Erzählkraft zu schalen Tourismusklischees aus dem Reiseladen.

Nicht jeder findet sich in Indien selbst.

KURIER-Wertung:

INFO: Tragikomödie. "Beste Chance". D 2014. 102 Min. Von Marcus H. Rosenmüller. Mit Anna Maria Sturm, Rosalie Thomass.

Im intellektuellen Nachkriegs-Frankreich der 50er-Jahre schreibt Violette Leduc provokante Prosa über Abtreibung, Abhängigkeit und lesbische Liebe. Die Schriftstellerin Simone de Beauvoir wird ihre Mentorin und fördert ihre Karriere. Emmanuelle Devos brilliert als exzentrische Violette in Martin Provosts gediegenem, atmosphärisch etwas zu wenig nuanciertem Bio-Pic.

KURIER-Wertung:

Hier geht's zum Interview mit Regisseur Martin Prevosts.

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