© Festspiele Reichenau, Foto: Carlos de Mello

Festspiele Reichenau
07/07/2013

Die Pilcher muss draußen bleiben

Flauberts "Madame Bovary" in der Bearbeitung von Nicolaus Hagg bei den Festspielen Reichenau.

von Peter Jarolin

Ein sehr starker Ibsen („Stützen der Gesellschaft“), ein gewohnt exzellenter Schnitzler („Der einsame Weg“), ein leider nicht allzu geglückter Nestroy („Einen Jux will er sich machen“) und ein großes Frauenschicksal – die Festspiele Reichenau dürfen auch nach der Premiere von Gustave FlaubertsMadame Bovary“ mit einem sehr zufriedenen Publikum rechnen.

Große Schauspieler

Denn Flauberts epischer Roman „Madame Bovary“ überzeugt im Neuen Spielraum in der komprimierten Fassung von Nicolaus Hagg und betont einmal mehr eine spezielle Tugend der Festspiele: Hier wird ganz großes Schauspieler-Theater geboten, hier sind die Besten am Werk. Auch bei „Madame Bovary“, die luxuriös besetzt ist.

Wie leicht könnte dieser Stoff – irrlichterndes Provinzmadamchen träumt von der weiten Welt, gibt sich den falschen Männern hin und geht letztlich an ihren eigenen Ansprüchen zugrunde – in eine Rosamunde-Pilcher-Kitschorgie ausarten!

Szenenfotos des Stückes

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Schönster Narzissmus

Nicht in Reichenau, denn Regisseur Michael Gampe und Bühnenbildner Peter Loidolt (mit klug-spartanischer Ausstattung) vertrauen auf das hohe Können ihrer Akteure.

Mit Recht. Denn Stefanie Dvorak ist eine hinreißend überhöhte, zu tiefen (sexuellen) Gefühlen und noch mehr zu einem unbändigen Narzissmus fähige Emma Bovary, deren Schicksal berührt.

André Pohl gibt Emmas laschen, harmlos-liebevollen Ehemann Charles mit der Virtuosität eines ganz bescheidenen, stets fabelhaften Bühnenkünstlers. Mit ihm möchte man fast mitweinen. Toll.

Michael Dangl ist als routinierter Liebhaber und Verführer Rodolphe Boulanger das männliche Kraftzentrum dieser Produktion – er verkörpert als Projektion perfekt alle Sehnsüchte Emmas. Ausgezeichnet auch die „Provinz-Bevölkerung“: Peter Matić als gar nicht so honoriger Apotheker Homais ist nicht nur stimmlich ein Genuss. Marianne Nentwich veredelt die kleine Rolle seiner Gattin.

Elisabeth Augustin gibt eine kantige Bovary-Mutter, Hans Dieter Knebel einen trefflichen Wucherer. Ausbaufähig: Mario Klischies als zu braver Lover Léon. Fabelhaft: Günter Franzmeier als Pfarrer, Rainer Friedrichsen und Wanda Worch. Sensationell und berührend: Michael Pöllmann als geschundener Hausbursch. Sehr, sehr fein.

KURIER-Wertung: **** von *****

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