Kate Beckinsale und Tom Bennett in "Love & Friendship"

© /Polyfilm

"Love & Friendship": Brillante Hexe auf Männerfang
12/29/2016

"Love & Friendship": Brillante Hexe auf Männerfang

Kate Beckinsale ist Jane Austens "Lady Susan" in einer witzigen Kostümkomödie von Whit Stilman.

von Alexandra Seibel

Jane Austen war kein Happy End vergönnt.

Sie hatte gerade einmal sechs große Romane geschrieben, als sie im Alter von nur 41 Jahren verarmt starb. Ihr Briefroman "Lady Susan" zählt zu den "kleineren" Werken und wurde bisher noch nicht verfilmt – ein kleines Wunder, nachdem das literarische Werk bis heute mehr als 60 Filme inspirierte. Einen letzten Tiefpunkt in der modernen Jane-Austen-Industrie erreichte der Horror-Mix "Stolz und Vorurteil und Zombies".

Doch der formidable Whit Stillman adaptierte "Lady Susan" nun erstmals für die Leinwand und schaffte eine Dialog-beflügelte Preziose.

Stillman ist ein Regisseur mit schmalem Film-Ouevre (insgesamt fünf) und langen Schaffenspausen (zwischen seinem dritten Film "Last Days of Disco" und seinem vierten, "Damsels in Distress" vergingen 13 Jahre). "Comedies of manner" zählen zu seinen Stärken, und mit "Love & Friendship" entwarf er eine schnörkellose Kostümkomödie, in der sich Jane Austens scharfer Witz funkelnd kristallisiert. Ätzende Dialoge schneiden durch die behagliche Häuslichkeit wohlhabender Familien, beschauliche Landsitze verwandeln sich in Schauplätze amouröser Strategiespiele.

Die Generalin an der Heiratsfront heißt Lady Susan und wird von Kate Beckinsale – zuletzt steile Vampirin in "Underworld: Bloodwars" – mit heiterer Bösartigkeit gespielt. Denn "Love & Friendship" handelt praktisch von allem, nur nicht von Liebe und Freundschaft – es sei denn, man lässt den Titel als höheren Witz gelten.

Liebe ist nur ein Wort

Beckinsale gibt ihre verwitwete Lebedame Susan als ruchlos-gewitzte Geschäftsfrau, für die Liebe nur ein Wort ist, das es kokett zu verpacken gilt. Einzig ihre amerikanische Busenfreundin Alicia (eine blasse Cloë Sevigny) weiß ihren Scharfsinn zu schätzen ("Du bist eine brillante Hexe!" – "Danke.").

Susan entwickelt eine wahre Meisterschaft darin, zwischenmenschliche Beziehungen in die höchste Form der Intrige zu überführen. Um ihr Schicksal als mittellose Verwandte in den Triumph verschwenderischer Skrupellosigkeit umzuwandeln, bedarf sie zweier reicher Ehemänner: einen für sich, einen für ihre Tochter Frederica.

"Wir wohnen hier nicht, wir besuchen nur", belehrt sie Frederica, und beschreibt damit akkurat den prekären Status gesellschaftlich höher gestellter, aber mittelloser Frauen des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Wer gut leben will, muss reich zu heiraten.

Für Frederica hat Susan einen schwerreichen Hohlkopf vorgesehen, dessen infantiles Gemüt ("Wie heißen die Kügelchen? Erbsen?") den anderen Erwachsenen die Spucke wegbleiben lässt.

Der lustige Tom Bennett liefert als adeliger Depp mit seinen originellen Bibelauslegungen der "zwölf Gebote" zweifellos die besten Sager. Für Frederica kommt er als Ehemann jedoch nicht infrage und provoziert erbitterten Widerstand gegen ihrer Mutter. Diese hat für sich selbst eine romantische Schlaftablette – den melancholischen Bruder ihrer Schwägerin – ins Auge gefasst. Seinen angeblich so brillanten Verstand hat sie mit Charme und geschliffener Rede binnen weniger Minuten ausgeknipst.

Bei aller kaltblütigen Frechheit, die Lady Susan befeuert, lässt Whit Stillman jedoch eine gehörige Portion Restsympathie für sie übrig. Umsichtig arbeitet sie sich durch eine beschränkte Männerwelt, deren unbeschränkten Reichtum sie dank eloquenter Schönheit und materiellem Weitblick teilt.

INFO: IRL/F/ NL 2016. 93 Min. Von Whit Stillman. Mit Kate Beckinsale, Cloë Sevigny.

KURIER-Wertung:

Der gestohlene Paradiesapfel

Der verurteilte Mörder Lynch wird durch eine geheimnisvolle Organisation, hinter der die Templer stecken, vor der Hinrichtung bewahrt, weil er eine Frucht ausfindig machen soll: Den bekannten Apfel aus dem Garten Eden, mit dessen Hilfe man die Weltherrschaft erringen kann. Ein Vorfahre von ihm, der dem Geheimbund der Assassinen angehörte, wüsste zwar, wo man das Paradiesobst findet, bloß hat dieser im Spanien des 15. Jahrhunderts gelebt.

Kein Problem für die Templer! Sie verkoppeln Lynch mit einer Maschine namens Animus, die es ihm ermöglicht, seinen Geist mit dem Aguilars zu verbinden.

Michael Fassbender erscheint fast als neuer Wolverine, nachdem er bei seinem Vorfahren einen genetischen Lehrgang in Sachen Kampfkunst absolviert hat.

Das Computerspiel der Marke "Ubisoft" wurde nun also endlich auf einen nächsten Level gehoben und kinotauglich gemacht. Eine visuelle Besonderheit des Spiels wurde beibehalten. Auch hier versetzt uns Regisseur Justin Kurzel immer wieder in die Raubvogelperspektive: Durch Wolkenfelder stoßen wir herab, und vor uns tun sich gewaltige Landschafts- und Städtepanoramen auf.

Optisch ist der Film somit absolut überwältigend, doch die Erzählweise lässt oft mit überhasteten Aneinanderreihung von Szenen zu wünschen übrig. Stars wie Marion Cotillard oder Charlotte Rampling sind meist auf verlorenen Posten.

Text: Franco Schedl

INFO: GB/F/HK/USA 2016. 115 Min. Von Justin Kurzel. Mit Michael Fassbender, Marion Cotillard.

KURIER-Wertung: