Düsteres Finale: Hugh Jackmanhält Dafne Keen auf den Armen

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"Logan – The Wolverine": Melancholische Metallkralle
03/02/2017

"Logan – The Wolverine": Melancholische Metallkralle

Hugh Jackman fährt zum letzten Mal seine Scherenhände aus.

von Alexandra Seibel

Seit 17 Jahren spielt Hugh Jackman nun den Marvel-Helden "Wolverine", doch jetzt ist Schluss. Man konnte ihm förmlich beim Altern zusehen – und in "Logan", dem Finale der Trilogie, sieht er definitiv alt aus.

Sein Gesicht ist mit einem grauen, struppigen Bart verhangen, sein Körper zerschrammt wie eine alte Schallplatte. Mit zittrigen Händen greift er eindeutig zu oft zur Schnapsflasche.

Hey Wolvie, du siehst ja aus wie Freddy Krueger, sagt einer seiner Gegner spöttisch zu ihm: "Aber ich bin ein Fan."

Von denen gibt es im dritten Teil der "Wolverine"-Serie aus dem Dunstfeld des "X-Men"-Universums allerdings nicht mehr viele. Die Solo-Saga rund um den Superhelden mit den Metallkrallen geht seinem Ende entgegen, düster, freudlos und final.

Depression

James Mangold, bereits für den zweiten Teil der Trilogie, "The Wolverine", verantwortlich, hat sich offenbar vorgenommen, sein Publikum mit dem bedeutungsvollen Schwergewicht seines Mutanten-Dramas zu bestrafen. So gesehen passt sein grimmiges, in die blaubraunen Standardfarben des post-apokalyptischen Blockbusters getauchtes Superhelden-Martyrium vielleicht gut zur Depressionsstimmung von Trump-Amerika. Aber Spaß macht es keinen.

Angesiedelt im Jahr 2029, nahe der mexikanischen Grenze, sind die Mutanten verfolgt und vom Aussterben bedroht. Logan, besser bekannt als Wolverine, betreibt eine Art Limo-Service und betreut nebenbei "X-Men"-Chef Charles Xavier (unverwüstlich: Patrick Stewart), der in einem umgekippten Wasserspeicher residiert und an einer Art Hirnschaden leidet. Wenn Professor X seine Pillen nicht schluckt, gehen seine Superhelden-Kräfte mit ihm durch und erzeugen hohlraumsausende Kraftfelder.

Der eigentliche Kern der Geschichte aber betrifft ein kleines Mädchens namens Laura. Laura, so stellt sich heraus, kann sich binnen Sekunden in eine unglaubliche Kampfhummel verwandeln.

Mit gezückten Eisenkrallen zerschnetzelt das Kind ihren Feinden das Gesicht, was zugegebenermaßen schon allein aufgrund des Alters- und Größenunterschiedes unterhaltsam aussieht. Ähnlichkeiten mit Logan sind übrigens nicht zufällig.

James Mangold beweist ein gutes Händchen mit dem dezenten Einsatz seiner Musik und verzichtet auf dröhnenden Orchester-Müll auf der Tonebene. Gleichzeitig hat er die Daumenschrauben entschieden angezogen. Die Kampfszenen sind brutaler als noch im Vorgängerfilm. Wenn die Männer – meist Logan und Xavier – keine melancholischen Gespräche über den Zustand der Welt oder ihrer Freundschaft führen, wird brutal massakriert. Logans Scherenhände bohren sich eindrucksvoll durch die Köpfe der Verfolger, doch auch sein eigener Superhelden-Körper gerät schwer in die Maskulinitätskrise und muss spektakuläre Stich- und Risswunden hinnehmen.

Migration

Gemeinsam mit Laura unternehmen Logan und Xavier eine Art Western-Roadtrip zu einem Ort namens Eden, wo andere Mutanten-Kinder wohnhaft sein sollen.

Engagierte Themen wie Außenseitertum und Migration (an den unterschiedlichen Hautfarben der verfolgten Mutanten-Kinder unschwer abzulesen) und eine dezidiert anti-rassistische Botschaft scheint in die DNA der "X-Men"-Blockbuster geradezu eingeschrieben. Ausgesprochen lobenswert, keine Frage. Doch gerade "Logan" tendiert dazu, seine weltkritische Gravitas eindeutig zu wichtig zu nehmen und sich gänzlich der Humorlosigkeit zu verschreiben.

Und ganz ehrlich: Trotz aller dystopischer Selbstverliebtheiten, richtige Abgründe tun sich keine auf.

INFO: USA 2017. 137 Min. Von James Mangold. Mit Hugh Jackman, Patrick Stewart, Dafne Keen.

KURIER-Wertung:

Missionare und Märtyrer

Ein kleiner Fußtritt auf das Jesus-Bild genügt, schon ist das Leben gerettet.

Die Versuchung ist groß. Rundherum hängen Menschen mit Kopf nach unten in eine Grube. Eine Ritze am Hals lässt sie langsam verbluten. Schreien und Stöhnen. Der japanische Inquisitor lächelt freundlich: Steigen Sie auf das Bild. Ist doch nur eine Formalität. Mir ist es egal, was Sie wirklich denken.

Für den gequälten Jesuiten-Pater ist es jedoch nicht egal: Soll er seinem Glauben – zumindest nach außen hin – abschwören? Soll er damit das Leben der anderen retten? Oder verrät er Gott? Solche Fragen stellt sich ein portugiesischer Missionar, der im Japan des 17. Jahrhunderts von der Obrigkeit gefoltert wird.

Jahrzehntelang hat Martin Scorsese sein Priester-Drama im Herzen getragen, ehe er es verwirklichen konnte. Vielleicht hat es auch deswegen so lange gedauert, weil viele Produzenten seinen Jesus-Skandal um "Die letzte Versuchung Christi" in Erinnerung hatten.

In "Silence", basierend auf Shūsaku Endōs Roman von 1966, reisen Andrew Garfield ("Spider-Man") und Adam Driver ("Star Wars") als Missionare in die japanischen Sümpfe, um dort verfolgte Christen zu stärken und einen verschollenen Pater (Liam Neeson) zu suchen. Scorsese erzählt im eleganten, klassischen Hollywood-Stil ohne seine signifikant langen Kamerafahrten. Gekonnt verankert er die Glaubenskämpfe in der nebelverhangenen Landschaft Japans, deren gleichgültige Schönheit die Grausamkeiten der Folter noch verstärkt.

Wann grenzt tiefer Glaube an Fundamentalismus? Wie verzahnt sich Missionierung mit kolonialem Machtstreben? Ist der Tod der größte Beweis seiner Liebe zu Gott oder bloß sinnloses Opfer?

Scorsese stellt diese Fragen mit großer Aufrichtigkeit. Seine Antworten bleiben profund ambivalent.

INFO: USA/TW/MX 2016. 161 Min. Von Martin Scorsese. Mit Andrew Garfield, Adam Driver.

KURIER-Wertung:

Vater und Tochter auf Tourismus-Trip an die IS-Front

Bislang hat die Video-Künstlerin Kurdwin Ayub ihre Filme meist von ihrem Bett aus gedreht. Doch in ihrem famosem Reise-Home-Movie "Paradies! Paradies!" tritt sie mit ihrem Vater einen Urlaub der anderen Art an.

1990 als Kurdin im Irak geboren, floh Ayub kurz darauf mit ihrer Familie nach Österreich und wuchs zwischen Handy und Popkultur auf. Als nunmehr erwachsene, junge Frau begleitet sie ihren Vater Omar auf eine Reise in die Heimat, wo dieser euphorisch nach den Wurzeln seines glorifizierten Kurdistan sucht. Alles hier sei besser, sogar das Wetter. "Aber es regnet doch", wirft die Tochter ein, die die Begeisterung für das "Paradies" nicht teilen kann. Ein Tourismus-Trip in militärische Kampfgebiete der IS stellt den bizarren Höhepunkt einer Familienreise dar, in der sich die Generationen mit ihren Fantasien von Heimat aneinander reiben.

INFO: Österreich 2016. 78 Minuten. Von und mit Kurdwin Ayub. Mit Omar Ayub.

KURIER-Wertung:

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