© nilskoppruch.de/Andreas Hornoff

Todesfall
10/12/2012

Liedermacher Nils Koppruch ist tot

Nils Koppruch war in aller Stille einer der ganz großen deutschen Liedermacher. Er starb mit 46 Jahren.

von Julia Karzel

Am 12. November wäre Nils Koppruch für ein Konzert nach Wien gekommen. Wäre. Denn der deutsche Liedermacher ist überraschend mit 46 Jahren verstorben. Mittwochnacht sei er "friedlich eingeschlafen", wie seine Plattenfirma bekanntgab.

Nils Koppruch war nie einer von den Lauten, Aufdringlichen. Der Hamburger hat jahrzehntelang in seiner Nische sein Ding durchgezogen, war der ewige Geheimtipp. Manche sprachen von schnörkellosem Country mit deutschen Texten oder schlichter Indiemusik oder melancholischer Folkpoesie. Wie auch immer man Nils Koppruchs Musik bezeichnen möchte, es lässt sich getrost sagen: Kein anderer produzierte so schöne, so unaufgeregte und kluge Alltagsbeobachtungen, verpackt in nonchalanten Gesang, begleitet von seiner Akustikgitarre.

Ein ruheloser Geselle

Eine gewisse Bekanntheit erlangte Nils Koppruchs Indieband Fink, die mit ihren sanften Melodien und hintergründigen Texten häufig mit den Landsmannen Element of Crime verglichen wurden. Gewandet in Bart und Karohemd – ja, bevor dieser Look von sämtlichen Schmusebarden der Gegenwartsmusik entdeckt wurde – beschwor Fink auch gerne mit Banjo und Mundharmonika Lagerfeuerromantik herauf. Von 1996 bis 2006 war Nils Koppruch Fink-Frontman, 2007 erschien sein erstes Soloalbum, "Den Teufel tun", 2010 das zweite: "Caruso". Nebenbei war Nils Koppruch unter dem Pseudonym "Sam" seit 1990 als Künstler in der Hamburger Off-Szene unterwegs und schrieb an einem Roman. Er war ein ruheloser Geselle, eine seltsame Mischung aus Hoffnung und Zynismus, zotteliger Grummeligkeit und verschmitztem Charme.

Kürzlich tat sich der Hamburger mit dem Musikerkollegen Gisbert zu Knyphausen zusammen, eine Kooperation, die in der Szene einige Aufmerksamkeit erlangte. In feinster Fusionsmanier nannte man sich: Kid Kopphausen. Am 27. Oktober sollte die Tour für das erste gemeinsame Album "I"  losgehen, die die beiden auch nach Wien geführt hätte.

Viele kannten ihn ja nicht, den Nils Koppruch. Aber die, die sich vielleicht auf sein Konzert am 12. November gefreut haben, werden sehr traurig sein, dass er nun nie mehr nach Wien kommen kann. Für sie das nun so unglaublich passende Liedzitat: "Und erzähl mir die Stille, mach, dass ich weiß, du bist immer noch da, auch wenn du schweigst." (Nils Koppruch – "In die Stille")

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