Liebes-Meditationen

Die schönen Tage von Aranjuez / Wiener Festwochen
Foto: Wiener Festwochen

Wie tief die Freundschaft zwischen Luc Bondy und
Peter Handke liegt, konnte man beim vergangenen
Nestroy spüren.

Da packte der sonst so spröde wirkende Peter Handke Luc Bondy, nach dessen Laudatio auf den Dichter, zärtlich am Kopf und machte so sichtbar, dass sie einander nicht nur in künstlerischer Hinsicht Weggefährten sind. Zwei Jahre nach ihrem letzten Pas-de-deux für die Festwochen, Helena, ziehen sich Handke und Bondy zurück ins Private, auf die Insel der zwischenmenschlichen Intimitäten, und untersuchen die Rätselhaftigkeiten, die der Liebe, aber auch ihrem Zerbrechen immanent sind.

 

Die schönen Tage von Aranjuez sind ein theatralisches Poem.

In Die schönen Tage von Aranjuez lässt Handke „den Mann“ und „die Frau“ an einem „schönen Sommertag“ an einem Gartentisch zusammen treffen. Sie sind frei schwebend, außerhalb jeder Zeit, jedes sozialen Rahmens und begeben sich unter dem Zauber dieses gesichtslosen Orts auf eine verbale Tanzfläche, auf der sie sich auf eine Choreographie von Anziehung und Abstoßung einlassen. Dörte Lyssewski trifft in Handkes fragil-poetischem Konstrukt auf Jens Harzer, den tiefgründigen Textforscher und Bruno Ganz seiner Generation. Für Bondys magische Fähigkeit, Texte zum Schweben zu bringen und sie in eine inszenatorische Leichtigkeit zu überführen, scheint diese Theater-Meditation seines Freundes wie maßgemacht.

„Ich inszeniere gegen das Liebesgefühl an“, erklärte Bondy einmal in einem Interview, „denn zwei Menschen, die sich verzückt anstarren, drücken kein Gefühl aus.“ Die Faszination für das Scheitern der Gefühle prägt den Abend. Die schönen Tage von Aranjuez sind ein theatralisches Poem, in dem zwei Künstlerfreunde, die beide im Spätnachmittag ihres Lebens angekommen sind und viel voneinander wissen, von der Unüberwindlichkeit der Nähe und den damit verbundenen Schmerzen erzählen.

(Wiener Festwochen / Angelika Hager) Erstellt am
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