Albertina: Blick ins Zeitfenster

Albrecht Altdorfer<br />
Der Wagen des Kaisers<br />
aus dem Triumphzug Kaiser Maximilians I., um 1512-1515
Foto: Albertina, Wien

Die Albertina-Schau "Kaiser Maximilian I. und die Kunst der Dürer-Zeit" läuft noch bis 6. Jänner.

Aquarelle und Grafiken sind sensibles Museumsmaterial: Nach einer gewissen Ausstellungszeit müssen sie ins Depot, denn zu viel Licht würde die Werke für spätere Generationen ruinieren. Nicht zuletzt deshalb sollte die bis zum 6. Jänner bestehende Gelegenheit, die Schau "Maximilian I. und die Kunst der Dürerzeit" in der Albertina zu sehen, nicht ungenutzt bleiben: Die Hauptwerke, allen voran den auf Pergament gemalten „Triumphzug Kaiser Maximilians I.“ und die als Riesenholzschnitt ausgeführte „Ehrenpforte“, wird man so bald wohl nicht wieder zu Gesicht bekommen. Und ganz bestimmt wird man lange auf eine so hochwertige wie lehrreiche Zusammenschau von Kunst und Geschichte warten müssen. Dass für die Werke teils neue, konservatorisch ausgeklügelte Schachteln angefertigt wurden, ist da ein eher schwacher Trost.

Ein Triumphzug in der Albertina: Die Schau "Kaiser Maximilian I. und die Kunst der Dürerzeit" trägt zwar Dürer im Titel, im Zentrum steht aber ein anderes Werk - Albrecht Altdorfers Triumphzug. Egal ob verloren oder gewonnen - Kaiser Maximilian ließ alle seine Schlachten als Siege malen. Und sich, wie hier, von Albrecht Dürer porträtieren. Ein Triumphzug, der nie stattgefunden hat, in einem Wagen, den es nie gab. Ein Detail aus Albrecht Altdorfers Triumphzug, der im Zentrum der Albertina-Schau steht: nach dreijähriger Restaurierung ist erstmals der ursprünglich 100 Meter lange Pergament-Fries im verbliebenen Ganzen zu sehen, also jene 54 Meter, die nicht verschollen sind. Hier zu sehen: "Die deutschen Fürsten", ebenfalls als dem Altdorfer-Triumphzug. An einem roten Vorhang entlanggezogen, ist das Werk der optische Höhepunkt der Schau. Zur Selbstinzenierung gehören natürlich auch Familienporträts, hier eines von Bernhard Strigel. Dürer ist - selbstredend - mit zahlreichen Werken in der Ausstellung vertreten, darunter ein Reiter... ... und ein Helmvisier-Entwurf für einen Silberharnisch Kaiser Maximilians I. Von Hans Burgkmair d. Ä. wird der "Verkünder des Triumphes aus dem Triumphzug Kaiser Maximilians I." gezeigt. Im Tod dann eine letzte mediale Inszenierung Maximilians als Büßer: Er verfügte, dass sein Leichnam - nach dem Reißen aller Zähne - ausgepeitscht werden solle, um Gott als einfacher Mensch entgegentreten zu können.

500 Jahre

„Maximilian I. und die Kunst der Dürerzeit“ öffnet nämlich auch in anderer Hinsicht ein Zeitfenster: Selten gelingt es einer historischen Ausstellung so gut, neben den künstlerischen Hervorbringungen einer Epoche auch einen Sinn für deren Alltagsleben und deren politische Kultur zu vermitteln.

Die Zeit des Kaisers Maximilian I. (1459–1519) bietet hier wohl unschlagbares Ausgangsmaterial: Der Regent verstand es deutlich besser als all seine Vorgänger, Bilder und Bildgeschichten zur Imagepflege, zur Mehrung seines Ruhms und zur Sicherstellung seines Andenkens zu nutzen. Dass er dabei einerseits Vervielfältigungsmethoden wie den Holzschnitt vorfand und andererseits hervorragende Künstler wie Albrecht Dürer, Albrecht Altdorfer und Hans Burgkmair engagieren konnte, führte zu jener Konstellation, die die Epoche bis heute so faszinierend macht.

Die vom Hof Maximilians I. beauftragten Künstler brachten eine außergewöhnliche Lebendigkeit und unglaublichen Einfallsreichtum in die Bilder, die freilich nie als naturgetreue Abbildungen von historischen Ereignissen gedacht waren: In den dargestellten Schlachten und Ahnenreihen, in den Trachten der Adligen und Krieger sowie in den prunkvollen Triumphwägen mischte sich tatsächliches Kriegsgeschehen mit höfischem Zeremoniell und dem Stoff von Rittersagen.

Echte Ritter

Gerade heute, wo wir es gewohnt sind, Bilder von Rittern, Kaisern und Kriegsherren durch filmische Kostümschinken und Fantasy-Epen oft in übersteigerter Weise präsentiert zu bekommen, lohnt sich ein Blick auf jene 500 Jahre alten, enorm detailreich gearbeiteten Kunstwerke: Sie sind so etwas wie das elementare Vokabelheft, aus der die fantasievolle Imagination junger und alter Ritter bis heute zehrt. Nicht zuletzt deshalb ist die Schau auch eine Empfehlung für die ganze Familie.

(KURIER) Erstellt am
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