„Das Finale“ von Albin Egger-Lienz (1918): Das drastische Gemälde entstand zum Ende des verheerenden Weltkrieges.

© /Sammlung Leopold II

Leopold Museum
05/09/2014

Schiele im Schützengraben

Die Schau "Trotzdem Kunst!" fokussiert auf die Weltkriegsjahre 1914–’18.

von Michael Huber

Wenige Museen sind so prädestiniert für dieses Thema wie das Leopold-Museum", erklärt Franz Smola, der interimistische künstlerische Leiter des Hauses im Wiener MuseumsQuartier. Stimmt, und doch hatte man die Sammlung Leopold nie so recht mit "Kunst der Weltkriegszeit" assoziiert: Das Label "Wien um 1900" ist eben freundlicher und lässt sich leichter vermarkten, auch wenn die Aushängeschilder Egon Schiele und Gustav Klimt beide erst 1918, im Jahr des Kriegsendes, starben.

Wien nach 1914

Die neue Ausstellung "Trotzdem Kunst" ist zu nicht unwesentlichen Teilen eine Perspektivenverlagerung, die dem Museum guttut: Viele Hauptwerke der Sammlung, etwa Klimts "Tod und Leben" oder Schieles "Liegende Frau" von 1917, hängen nun auch in dieser Schau. Aber der Kontext ist ein anderer.

Nach den Bildern von Lagerräumen und Schreibstuben und den Porträts von Kriegsgefangenen, die Egon Schiele während seines Militärdiensts 1915–’16 anfertigte, wirkt sein großer Frauenakt fast wie ein Befreiungsschlag. Dass Klimt sein Werk "Tod und Leben" 1917 in einer Ausstellung in Stockholm zeigte, die die Vitalität der zerfallenden Monarchie beweisen sollte, lässt das Bild ebenso in anderem Licht erscheinen.

Bilder der Ausstellung

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PAOLA DE PIETRI geb. 1960 (I) Monte Fior (aus der…

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Zentrale Figuren

Die Kuratoren – neben "Hausherrin" Elisabeth Leopold werkten der Literaturwissenschafter Stefan Kutzenberger und der Gastkurator Ivan Ristić an der Schau – ordneten Bilder und Dokumente um drei Persönlichkeiten an – Egon Schiele, Anton Kolig und Albin Egger-Lienz. Zu jedem wird ein biografischer Auszug der Kriegsjahre geliefert. Das schafft eine neue Intimität, und fast scheint es, als könnte man Schiele, der im August 1915 Schützengräben im Lainzer Tiergarten auszuheben half, über die Schulter schauen.

Etwas unterbelichtet bleibt das schwierige Verhältnis von Kriegsbegeisterung und kritischer Haltung. Dass Künstler allesamt Pazifisten waren, die entgegen der Kriegstreiberei autonome Kunst schufen, ist eine Illusion. Ob sie – wie Anton Kolig – Jobs im propagandistischen "Kriegspressequartier" aus ideologischen Gründen anstrebten oder primär Sicherheit suchten, lässt sich kaum eindeutig sagen.

Was die Schau aber doch vermittelt, ist der Sinneswandel durch traumatische Erlebnisse: Egger-Lienz’ Gemälde "Das Finale" (1918), von Rudolf Leopold kurz nach Errichtung seiner Museumsstiftung gekauft, ist dabei ein ästhetischer Schock, ein schonungsloses, fast abstraktes Arrangement von leblosen Körpern.

Zeitgenössische Echos

Drei Räume sind, Echokammern gleich, Positionen zeitgenössischer Künstler gewidmet. Besonders überzeugend sind hier die Fotografien der Italienerin Paola die Pietri, die Schützengräben, Krater und Felsverstecke an der einstigen österreichisch-italienischen Front in großformatigen Bildern dokumentierte. Die Spuren des Gemetzels sind hier einer ansonsten malerischen Landschaft als Narben eingeschrieben, hundert Jahre später noch. KURIER.at/kunst

„Trotzdem Kunst!“

Die Ausstellung
Die Schau „Trotzdem Kunst!“ ist bis 15. September im Wiener Leopold Museum zu sehen. (www.leopoldmuseum.org). Der Katalog zur Schau (Brandstätter Verlag) kostet 29,90 €.

Rahmenprogramm
Am 15. 5. diskutieren Experten über „Die Ausstellbarkeit des Krieges“, am 16. 5. über „Krieg, Propaganda und Kunst.“ Am 15. 5. und am 12. 6. führt Schauspielerin Maxi Blaha ein Solo zu Bertha von Suttner auf.

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