Das Gesicht des Rock: Lemmy Kilmister, 69 Jahre alt

© REUTERS/DYLAN MARTINEZ

Neues Album
08/29/2015

Lemmy: Whiskey, Wodka und Aphorismen

Das kraftvolle neue Motörhead-Album "Bad Magic" wird ein Erfolg – dank Symbolfigur Kilmister

von Guido Tartarotti

Schon seit Wochen sind die Feuilletonredaktionen ganz aufgeregt: Ein neues Motörhead-Album erscheint! Motörhead machen seit 40 Jahren eine ausgesprochen rüde Mischung aus Rock ’n’ Roll, Punk, Metal und reinem Lärm – also nichts, was man üblicherweise auf den heiligen Kulturseiten der Süddeutschen suchen würde.

Der Grund dafür, dass Motörhead jetzt plötzlich unter "Kult" oder "Phänomen" schubladisiert werden, ist Sänger, Bassist und Bandgründer Lemmy Kilmister. Nur er ist Motörhead, wer gerade an seiner Seite spielt, wissen nur Eingeweihte (Schlagzeuger Mikkey Dee ist seit 1992 dabei, Gitarrist Phil Campbell seit 1984).

Kilmister ist heute DIE Symbolfigur für die subversive Kraft des Rock, der weder das Alter, noch die Unterhaltungschemie etwas anhaben können. Zuletzt musste Kilmister aber seiner angeblich seit Jahrzehnten eingehaltenen Diät – Whiskey-Cola/Marlboro/Speed – Tribut zollen. Er leidet an Diabetes und Herzkrankheiten, beim Nova-Rock-Festival wirkte er erschreckend mager.

Dass Lemmy, wie man aus seinem Umfeld hört, deshalb nur noch ab und zu ein Glas Wein trinkt, versetzte die Rock-Welt in Aufruhr: Lemmy trocken? Was kommt als nächstes? Keith Richards wird Veganer? Kilmister beeilte sich, zu versichern, er trinke nach wie vor, allerdings Wodka statt Whiskey. (Man will ja nicht schuld sein, dass die Aktien der Plattenfirma abstürzen ...)

Von solchen Ritualen abgesehen ist Kilmister, der zu Weihnachten 70 wird, ein beeindruckend gebildeter Mann, jederzeit für einen Aphorismus gut. Höflichkeit gebe es gratis, lautet einer davon, jeder dürfe zugreifen.

Das neue, 22. Motörhead-Album "Bad Magic" klingt erstaunlich kraftvoll und wütend. Nach einer Schwächeperiode in den Neunziger- und Nullerjahren veröffentlicht die Gruppe beständig starke Alben. Die Songs werden heute zum Großteil von Dee und Campbell geschrieben. "Jede Nummer ist eine Explosion", erklärt der Schlagzeuger. Lemmy selbst gibt sich (Achtung, Pointe!) nüchterner: "Es ist ein typisches Motörhead-Album, ganz einfach."

Und das ist gut so.

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