Lautes, heißes Ende beim Frequency 2011

Der Ausnahmezustand in St. Pölten ist vorbei: 140.000 Besucher wurden insgesamt gezählt. Die Foo Fighters heizten zum Festival-Finale noch kräftig ein.

Das Frequency-Festival 2011 ging Samstagnacht in St. Pölten zu Ende. Heiß war`s, schön war`s, laut war`s. Eine Bilanz in Zahlen und Tag drei in Bildern gibt es hier. ...

Zum Durchklicken. Lassen wir uns von Ting Tings-Sängerin Katie White ein paar Zahlen vorlesen: 

Insgesamt wurden 140.000 Festivalbesucher gezählt (das betrifft die verkauften Tageseintritte). ... Für die Sanitäter gab es 3100 Einsätze, deren Zahl wurde besonders durch die heißen Sommertemperaturen am Samstag in die Höhe getrieben. 91 Personen wurden ins Krankenhaus gebracht. Diese Bilder kennt man von Festivals. Bei der Behördenbesprechung am Samstag habe es aber "großes Lob" für die disziplinierten Besucher gegeben - was zumindest die Kooperation beim Dosensammelsystem betrifft. Die Veranstalter waren zuversichtlich, das Ziel von 200.000 eingesammelten und zurückgegebenen Dosen zu erreichen. Im Vorjahr waren es 150.000. Feucht wurde es nur am Freitag - am Abend sogar mit einem kurzen, heftigen Unwetter. Ansonsten herrschte ... ... wunderschönes Sommerwetter. Feucht-fröhlich wurde es trotzdem - nicht nur durch das abkühlende Spritzwasser. Die Sonne hat ihre Spuren hinterlassen: Gefühlte 85.000 Quadratmeter roter Haut wurden am Schlusstag zur Schau gestellt. Die Anzahl zufriedener Menschen bei der Massagestation ist leider nicht bekannt. Am Sonntag verließen die letzten Besucher das Gelände. Sie hatten am Samstagabend noch eine tolle Rockshow erlebt. ... The Foo Fighters legten pünktlich um 23 Uhr los. Programmgemäß mit "Bridge Burning" und "Rope". Das Areal vor der Hauptbühne, der Race Stage in St. Pölten, war zum Finale des dreitägigen Frequency-Festivals richtig voll. Man mochte sich gar nicht ausmalen, was das für die parallel auftretenden Chemical Brothers bedeutete. Insgesamt 50.000 Menschen befanden sich am Finaltag am Gelände. ...

Bild: Foo Fighters-Mastermind Dave Grohl am Frequency-Festival

Zum Durchklicken... "Hände in die Höhe", schrie Dave Grohl. "Thank you, thank you, thank you!“, und dann plötzlich ein "Shut the fuck up!" Die Menge folgte, es herrschte Ruhe. "Wollt ihr alle Songs aus 16 Jahren Bandgeschichte hören?" Erleichterter Jubel. ... In der ersten Hälfte des zweistündigen Konzerts boten die US-Rocker bereits Kracher wie "My Hero" und "Learn to Fly". Die Menge bekam, weswegen sie gekommen war - Stadionrock, der in Dave Grohls Garage geboren wurde. Dort wurden die Songs aus dem aktuellen Foo Fighters Album "Wasting Light" aufgenommen. Danach ließ Grohl auch seinen Schlagzeuger Taylor Hawkins ans Mikro. Eine Ehre, die Drummer selten hätten, meinte Grohl - wohl eine Anspielung auf seine eigenen Zeiten als Schlagzeuger der Kultband Nirvana. Nach den etwas harschen Worten im ersten Teil schlug Frontmann Grohl dann noch nachdenkliche Töne an und erinnerte an die Toten vom Pukkelpop-Festival in Belgien. Dort hätten die Foo Fighters eigentlich am Freitag spielen sollen. Nun, nachdem das Festival abgebrochen werden musste, wurde ihr Auftritt beim Frequency zur ersten Show ihrer kleinen Europa-Tour. Und was für eine! Während sich Grohl zu Beginn mit seiner Stimme nicht immer gegen den Sound durchzusetzen vermochte, sang, schrie und fauchte er sich im Lauf des Konzerts immer mehr in Form. Der gute, alte Rock`n`Roll im Alternative-Gewand kam am Schluss des Festivals noch ausgiebig zu Ehren. Nach Hits wie "Monkey Wrench", "These Days" (aus "Wasting Light") und einem zum ausladenden Rock-Monster ausgebauten "Young Man Blues" (von Mose Allison)... ... verabschiedeten die Foo Fighters das begeisterte Publikum mit "Everlong" in die Nacht. Keine Zugaben, aber dafür 2 Stunden lang eine große Rockshow, "bis sie uns von der Bühne kicken", wie Grohl scherzte. ... "Es war ein sensationelles elftes Jahr" sagt Harry Jenner über die Zahl von 140.000 Besuchern. Während die Veranstalter bereits am Samstag zufrieden Bilanz zogen, war aber noch der finale Abend des Festivals zu absolvieren - bei sensationell gutem, wolkenfreiem Wetter. ...

Bild: Die Race Stage bei einbrechender Dunkelheit bei "The Ting Tings". Die US-Punk-Hardcore Band Rise Against durfte die Menge ab 21.30 Uhr auf die Foo Fighters vorbereiten. Bekannt für ihr politisches Engagement, besonders für die Tierrechte – zwei Mitglieder der Band sind Veganer, die anderen zwei Vegetarier – vertreten sie dieses auch auf der Race Stage des Frequency Festivals. Tim McIlrath sagt zwischen den Songs das, was ihm anscheinend so sehr auf der Seele brennt - und shoutet es auch hinaus. Er und seine Kollegen von Rise Against stürmten durch ihr Agit-Punk-Programm: Drei bis fünf heruntergeschrammte Akkorde in Kombination mit wuchtigen Drums und eine enorme Lautstärke weckten die erschöpftesten Fans noch einmal auf. Mit "Give it All" beendeten sie ihr Konzert und gaben die Bühne für die Foo Fighters frei. Während Rise Against die Vollgas-Rock-Fraktion befriedigten, konnte das durchschnittlich etwas ältere Publikum auf der Green Stage ordentlich abshaken. Mit den Stereo MC`s ist eine wahre Dance-Institution von der Insel beim Frequency zu Gast gewesen. Zum Glück haben Rob Birch & Co. die orchestralen Synthie-Verirrungen von ihrer aktuellen CD "Emperor`s Nightingale" zu Hause gelassen. Auf dem Programm stand vor allem älteres Material, etwa aus dem Album "Deep Down And Dirty". Zu ihren Hits "Deep Down And Dirty" oder "Running" konnte man sich entweder vor den Foo Fighters noch einmal entspannen, oder sich für die Chemical Brothers eintanzen. Birch bediente auch die Gitarre und forderte das nicht in voller Stärke anwesende Publikum immer wieder zu "Liebe" und "positiver Energie" auf, aber auch "Lärm zu machen". Nicht immer gelang es, die Menge mitzureißen. Dafür textete der Brite: "To the left, to the right. Step it up, Frequency, it`s alright...!" Davor gab es auf der Hauptbühne einen musikalischen, äußerst poppigen Kontrapunkt vor Rise Against. Katie White, die Sängerin der Ting Tings, spricht "Scheiße deutsch", wie sie selbst bekundete. Aber das war wohl jedem vor der Race Stage sch... egal. Denn das Elektro-Pop-Duo aus Großbritannien lieferte ab 20 Uhr Gute Laune-Mucke vom Feinsten.

Bild: Katie White und Jules De Martino Bei Einbrechen der Dunkelheit wirkte auch die poppige Licht-Show der Ting Tings effektvoll, während auf der Green Stage Carl Barat sowohl Songs aus seiner Solokarriere wie auch aus seiner Zeit mit den "Libertines" zum Besten gab. Und bei ihrem abschließenden UK-Nr-1-Hit "That’s not my Name" von 2008 waren die Mädchenchöre im Publikum nicht mehr zu überhören. Tolle Show! Ab 18:30 brachten Jimmy Eat World auf der großen Race Stage ihren routinierten College Rock unters Volk. Die Festivalcrowd, ... ... die vorher noch von Panik! at the Disco mit geradlinigem, zupackenden Alternative Rock verwöhnt wurde, wirkte trotz der etwas erträglich werdenderen Temperaturen bei Jimmy Eat World etwas lustlos. ... Das lag aber auch an der etwas allzu routinierten Show von Jim Adkins & Co. Das änderte sich erst wieder bei den letzten beiden Nummern der Band aus Meza, Arizona, auf die das Publikum offenbar zuerst nur gewartet hatte. Mit ihren Hits „The Middle“ und „Sweetness“ verabschiedeten Jimmy Eat World die Menge doch noch zufrieden in den Abend. „Oh-Oh-Oh-Oouuoouo!" Davor lieferte Soul-Sängerin Nneka auf der Green Stage einen intensiven Gig. Die nigerianischstämmige Sängerin ... ... hatte von Hamburg aus mit ihrer Mischung aus Hiphop und Soul die internationalen Tanzflächen und Radiostationen erobert. In St. Pölten punktete sie mit knackigem Sound. Auch  Christina Stürmer, die auf dem Frequency-Sender FM4 eher nicht gespielt wird, mischte sich unters Festivalpublikum. Wegen welcher Band sie gekommen sei? "Natürlich wegen der Foo Fighters! Aber auch, weil mir Panic! at the Disco gefällt. Wegen denen bin ich extra früher hierher gekommen." Das Publikum nach zwei Tagen Frequency Festival noch bei Nachmittagshitze mitzureißen - das war die Aufgabe für die ersten größeren Acts am Samstag. Nach Jochen Distelmeyer durfte auf der kleineren Green Stage um 16 Uhr der selbstbewusste deutsche Rapper Samy Deluxe ran. Den Titel seiner neuen CD "SchwarzWeiss" setzte der Hamburger auch optisch um – schwarze Kappe, weißes T-Shirt und ebensolche Sonnenbrille. Und musikalisch nutzte Samy jede der 50 Minuten, die er zur Verfügung hatte. Nach neuem Material von "SchwarzWeiss" gab’s auch noch Erinnerungen aus den Dynamite Deluxe-Zeiten. "Diese Jungs haben Dynamit dabei!" Das bereits fleißig trotz Nachmittagshitze erschienene Publikum antwortete: „Eeyyoooooo!“ Auch wenn seine neue CD bei der Kritik nicht auf einhellige Zustimmung stieß- Live unterstrich er seinen Ruf, einer der schnellsten Rapper deutsche Zunge zu sein, eindrucksvoll. Der Hamburger füllte auch „die letzten zwei Minuten“ noch mit einem Song. Alle Achtung für dieses Stakkato. Zum Finale des Frequency wurde am Samstag allerorten rote Haut zur Schau gestellt. Königsdisziplin war der Sprung durch das kühlende Spritzwasser. Diese Festivalbesucherin bewahrt trotzdem einen kühlen Kopf. Auf das Wassertrinken sollte bei tropischen Temperaturen nicht vergessen werden. Nein, Bier ist keine gute Alternative. Die Sonne hatte ihre Spuren hinterlassen, der Alkohol offenbar ebenso: noch wenige Besucher vor der Race Stage... ... mit Auftritten von u.a. Anna Calvi ... ... und Hadouken! Bye, bye, Frequency. See you next Year!

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(KURIER.at / Peter Temel, mawe. moe) Erstellt am
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