Lana Del Rey: Amüsant, aber unsicher

KONZERT "LANA DEL REY"
Foto: APA/HERBERT PFARRHOFER

Lana Del Rey zeigte im Wiener Gasometer David-Lynch-Flair und verhaltenes Talent.

Zuerst war der Hype. Dann kam der Backlash. Zuerst war Lana Del Rey mit dem Clip zu „Video Games“ - Ende 2011 auf YouTube gestellt - ein viraler Instant-Hit, ihr Album „Born To Die“ ein Millionen-Seller. Dann hatte sie erste TV-Auftritte, eine lahme, unsichere Performance von „Video Games“ bei Saturday Night Live, ein paar unbedachte Wort in Interviews, und plötzlich hagelte es brutale Kritik: Sie sei nur ein Plattenfirmenfabrikat, von findigen Marktkennern umgemodelt, weil sie als Lizzie Grant, als die sie geboren worden war, zwei Jahre davor keiner hören wollte. Zu wulstig und plakativ waren die Lippen aufgespritzt, zu verdächtig der Background als Millionärstöchterchen, dem Papa mit der Karriere nur ein nettes Spielzeug geschenkt haben könnte.

"Mulholland Drive"- Flair

Jetzt ist Lana Del Rey auf Tour. Mittlerweile gibt es wieder bessere Kritiken und auch der Fanzuspruch ist zurück. In Österreich steht die 28-Jährige mit „Born To Die“ kurz vor Doppel-Platin und das Konzert Freitag im Wiener Gasometer war seit Dezember ausverkauft. Nicht zu Unrecht. Denn es ist eine durchaus clever gemachte Show, die Frau Grant bietet. Als glühende David-Lynch-Verehrerin hat sie (oder ein findiger Marktkenner) sich und die Band in eine klassizistische Lounge mit Vorhängen, Palmen, Kerzen und „Mulholland Drive“- Flair gesetzt, lässt sich von zwei steinernen Löwen an den Bühneseiten bewachen. Doch dass sie unsicher ist, ist auch gleich klar. Nach einem Streicher-Intro stackst sie in Minirock und Kurzbluse auf die Bühne, steht zuerst steif da, während sie „Cola“ singt, geht dann gleich ins begeistert kreischende Publikum runter, um Hände zu schütteln.

Bilder vom Konzert

„Heart Shaped Box“

Es dauert ein paar Songs, scheint es, bis sie warm geworden ist, weniger unsicher wirkt und auch stimmlich besser präsent ist. Dann kommen auch schon die ersten Höhepunkte: Erst der Hit „Born To Die“, dann das Nirvana-Cover „Heart Shaped Box“. Eine schlaue (und weil sie Nirvana-Fan ist, bestimmt ihre) Wahl: Das ist ein Song den jeder kennt, für den sie mit ihrer Stimme perfekt ist. Denn die hat, das zeigen Songs wie „American“, klare Grenzen. Wenn Del Rey in die Höhe geht und sich anstatt zu hauchen wie Marilyn Monroe in Whitney-Houston-Verzierungen versteigt, sitzen immer ein paar Töne schief. Dazu kommt, dass die Dynamik der Show nur aus ihrem geschickten Aufbau kommt, dass sie den Traumwandler-Sound auf den Spuren von „Video Games", dem einige ihrer Songs zu ähnlich sind, immer wieder Kontrapunkte wie das jazzige "Million Dollar Man" entgegensetzt. Aber Del Rey selbst wirkt nie engagiert oder mit Leidenschaft bei der Sache. Ihre Bewegungen sind - sagen wir -  minimalistisch. Wenn sie bedächtig von einem Bühneneck ins andere geht ist das schon Action. Aber meist steht sie nur bei der Mikrostange und bewegt eine Hand auf und ab. Aber selbst das wirkt geziert und manieriert. Und wenn dann doch angedeutete Tanzbewegungen kommen, sind sie entweder linkisch oder nah am Lap-Dance.

Kraft der Songs

Okay, all das kann Pose sein, notwendig um das kühle Lolita-Image zu pflegen. Es tut aber nichts dazu, bei einer Live-Show die anfängliche euphorische Stimmung voranzutreiben. Del Rey will – oder muss – sich einzig und alleine auf die Kraft ihrer Songs verlassen. Und das reicht, die sind gut, im Falle von „Video Games“ sogar herausragend. Es reicht für einen vergnüglichen Abend, nicht aber für ein unvergessliches Konzert-Erlebnis.

KURIER-Wertung: **** von *****

(KURIER) Erstellt am
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