Kultur
24.03.2017

"La Wally": Lieber echter Liebestod statt falscher Lawinen

Aron Stiehl inszeniert "La Wally"

Vorsicht: Kitschgefahr! Das mag sich so mancher denken, wenn die Rede auf Alfredo Catalanis Oper "La Wally" kommt. Immerhin basiert das 1892 an der Mailänder Scala uraufgeführte Werk auf dem oft auch parodierten Roman "Die Geier-Wally" von Wilhelmine von Hillern. Und bei ihr geht es in den Tiroler Bergen ordentlich zur Sache. So liebt Wally den stolzen Hagenbach, sollte jedoch Gellner, den Verwalter ihres Vaters heiraten, worauf sie in eine Berghütte flieht. Später wird sie aus gekränkter Ehre diesen Gellner bitten, Hagenbach zu töten, was jedoch misslingt. Hagenbach aber verzeiht ihr. Gemeinsam wollen sie die Berge verlassen, ehe eine Lawine abgeht und Hagenbach in den Tod reißt, woraufhin sich auch Wally in den Abgrund stürzt . . .

Kein Geier

Eine nicht ganz unproblematische Handlung, wie auch Regisseur Aron Stiehl findet, der Catalanis "La Wally" an der Volksoper (Premiere ist am Samstag) inszeniert hat. "Immerhin hat man uns in der Oper den Geier erspart, der im Roman wichtig ist", lacht Stiehl im KURIER-Gespräch. Nachsatz: "Naturalistisch aber kann man das dennoch kaum inszenieren", so der gebürtige Deutsche. "Ein Lawinenabgang am Theater – wie soll man das zeigen?"

Und wie zeigt der in Oper, Operette und Musical gleichermaßen beheimatete Regisseur diese "Wally"? "Ich habe mich gefragt, wofür die Lawine steht, um welche Gefühle es in diesem Werk eigentlich geht. Für mich ist Wallys Selbstmord eine Art Befreiung, ein Liebestod wie in ,Tristan und Isolde’. Erst im Tod, in der völligen Einheit mit der Natur ist diese Liebe zwischen Wally und Hagenbach möglich. Das wollen wir auf der Bühne anhand bestimmter Chiffren zeigen."

Doch was schätzt Stiehl an dieser Oper? "Die Musik ist unglaublich. Der große Arturo Toscanini hat das Werk so sehr geliebt, dass er seine Tochter Wally genannt hat. Und für Gustav Mahler war ,La Wally’ nach eigenen Worten ,die beste italienische Oper überhaupt’. Das Stück hat also enorme Qualitäten, ist aber für die Sänger eine unglaubliche Herausforderung. Gleiches gilt für Dirigent und Orchester. Und für mich als Regisseur."

Stiehl, der eigentlich Sänger werden wollte ("Dafür hat es stimmlich leider nicht gereicht."), weiter: "Wenn es uns allen gelingt, dem Publikum eine packende, glaubhafte Geschichte über die Liebe zu erzählen, dann haben wir viel erreicht." Doch was kommt für Stiehl nach der Liebe samt Liebestod? Lachend: "Irrsinn. Als nächstes inszeniere ich nämlich ,Salome’ in Leipzig.