Kultur
08.01.2013

Viele Viren als Spielverderber

Rossinis „L’ italiana in Algeri“ mit Agnes Baltsa an der Staatsoper.

Wenn ein Direktor vor Beginn einer Aufführung vor den Vorhang tritt, verheißt das meist nichts Gutes. Genau das aber geschah zu Beginn der aktuellen Spielserie (Reprisen: 10., 12., 16. Jänner) von Gioachino Rossinis Meisterwerk „L’ italiana in Algeri“ an der Wiener Staatsoper.

Gleich drei Krankheitsfälle hatte Dominique Meyer zu verkünden. Ferruccio Furlanetto etwa, der seine Paraderolle des Mustafà hätte singen sollen, musste aufgrund einer Infektion absagen. Agnes Baltsa – sie sang die Titelpartie der Isabella – war gesundheitlich ebenfalls angeschlagen. Und auch der Tenor Antonino Siragusa (Lindoro) musste sich krankheitsbedingt ansagen lassen.

Keine guten Vorzeichen also; dennoch machte das Haus am Ring das Beste aus dieser Situation. So sprang Adam Plachetka ohne einer einzigen Orchesterprobe für Furlanetto ein und gab einen witzigen, stimmlich tadellosen Mustafà. Eine zu Recht umjubelte, tolle Talentprobe des jungen Bassbaritons.

Heroischer Kampf

Schwerer hatte es da die sonst so wunderbare Agnes Baltsa. Sie kämpfte sich sehr wacker durch die Partie, gab darstellerisch alles, konnte aber ihre Erkrankung nicht ganz verbergen. Dennoch eine mehr als beachtliche Leistung dieser Ausnahmekünstlerin. Antonino Siragusa blieb hingegen in jeder Hinsicht blass. Doch ist auch ihm kein Vorwurf zu machen, denn Dirigent Jesús López-Cobos erwies sich am Pult des matten Orchesters nicht gerade als großer Sängerfreund. Konturlos, lautstark und allzu unmotiviert plätscherte Rossini vor sich hin. Bleibt zu hoffen, dass sich der Maestro bis zur Premiere von Rossinis „La Cenerentola“ (26. Jänner) deutlich steigern kann.

Erfreulich wie immer: Alfred Sramek als köstlicher Taddeo; gut Alessio Arduini, Ileana Tonca und Rachel Frenkel in den kleineren Rollen. Sie alle fühlten sich in Jean-Pierre Ponnelles brillant-zeitloser Inszenierung wohl und blieben von Viren verschont.

KURIER-Wertung: *** von *****