Kultur 10.03.2012

Kunsthaus: Bilder als Mittel zur Macht

Die Schau "Head 2 Head – Politik und Image" gibt Einblick in die Bildsprache politischer Werbung im 20. Jahrhundert.

Was haben Alfred Gusenbauer und Jörg Haider mit Mao Tse-Tung und Josef Stalin gemeinsam? Jeder ließ sich auf Wahlplakaten als "Freund der Kinder" darstellen: nett, nahbar, verständnisvoll. Dass politische Propaganda immer wieder auf die gleichen Bildformeln zurückgreift, ist die große, nicht allzu überraschende Erkenntnis aus der Ausstellung "Head 2 Head. Politik und Image" im KunstHausWien (bis 3. Juni).

Auf Basis der Plakatsammlung des Museums für Gestaltung Zürich – einer der größten weltweit – destilliert die Ausstellung Strategien der visuellen Überzeugungskunst: Da erscheint der Kandidat, die Kandidatin als „Erleuchteter“ (Che Guevara), als Teil einer Ahnenreihe (Marx/Lenin/Stalin), als „Freund des Volkes“.

Frappant ist, wie ähnlich John F. Kennedy und Barack Obama inszeniert wurden: Beide ließen sich im Wahlkampf vor blau-rotem Hintergrund im Profil ablichten und stellten sich so in die Tradition von Herrscherporträts auf antiken Münzen, wie Christian Brändle, Direktor des Museums für Gestaltung, erklärt. Solche Verbindungen zwischen politischer Bildsprache und der Kultur- und Zeitgeschichte gäbe es viele, ausgeleuchtet werden in der Schau nur wenige: So ist etwa Arnold Schwarzenegger nur mit Filmplakaten präsent, die Parallelen der Terminator-Posen zu seiner Inszenierung als politischer „Saubermacher“ mit Besen („clean house“) muss man sich dazudenken.

Fallstudien

Die Strategie, neben Bildformeln auch einzelne Politiker als „Fallstudien“ hervorzustreichen, geht andernorts jedoch gut auf – etwa bei Julia Timoschenko, die sich in einer Flut an Werbebildern als rustikale Kalenderheilige ebenso wie als Actionheldin zu inszenieren wusste. Sehenswert auch die Fotoserie von Herlinde Koelbl, die zwischen 1991 und 2008 in jährlichen Foto-Sitzungen den äußerlichen Wandel von Angela Merkel dokumentierte.

KunstHaus-Kurator Andreas Hirsch hat die Schau um österreichische Facetten, konkret um Bundespräsidenten-Porträts und Fotografien von Bruno Kreisky, erweitert. Dass die formelhaften Polit-Bilder immer schon dankbares Futter für Satiriker waren, zeigt die Schau mit Collagen von John Heartfield oder Klaus Staeck.

Der Sprung in die Gegenwart, wiewohl im Eingangstext angekündigt, bleibt hier aus: Die Verballhornung von Politikerbildern geht im Zeitalter von Photoshop und Facebook so rasant, dass ihr mit einer historisch orientierten Ausstellung offenbar schwer beizukommen ist.

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( Kurier ) Erstellt am 10.03.2012