Kultur 23.01.2012

Kunstforum zeigt Werke von Herbert Brandl

Das Wiener Bank Austria Kunstforum zeigt Werke von Herbert Brandl seit 1982 – und verankert sie in der Tradition großer Meister.

Ich habe mir für meine Bilder einen Zeitrahmen von 20 Minuten gesteckt", sagt Herbert Brandl beim Gang durch seine Ausstellung im Wiener Bank Austria Kunstforum. Gerade die neuen Werke, in einem Saal links vom Eingang gehängt, offenbaren die Spuren eines rasanten Malprozesses: Die Bilder sind aus wuchtigen Strichen gebaut, zugleich ist die Farbe relativ dünn, immer wieder sind Rinnsale von verflossenem Blau, Grün, Braun zu entdecken.  Brandl, der beim KURIER-Besuch eine schwarze, mit einem japanischen Porträt verzierte Jacke trägt, wird später sagen, dass die Sache mit den 20 Minuten nicht ganz ernst gemeint war. Die Schau im Kunstforum, die einen in dieser Breite kaum gesehenen Rückblick auf Brandls Werk seit 1982 erlaubt, streicht auch dezidiert das Langfristige hervor: Der gebürtige Grazer mag ein Bild rasch malen, doch in Wirklichkeit hat er ein Leben lang dafür geübt.

Zen-Meister

Dass Brandl sich, wie er im Gespräch betont, intensiv mit der Zen-Tradition auseinandersetzt, überrascht daher nicht. Doch die von Florian Steininger und Ingried Brugger kuratierte Schau macht deutlich, dass der Weg des international geschätzten Malers keineswegs nur von mönchischer Einkehr geprägt war. Gerade die Werke aus Brandls Frühzeit zeigen eine heftige Auseinandersetzung mit seinen Zeitgenossen und der Kunstgeschichte, die aber bald in eine zweischneidige Lässigkeit umschlug: Leidenschaftslos gegenüber den Trends der Szene, aber umso leidenschaftlicher für dauerhafte Werte der Kunst.

Zu sehen sind etwa von van Gogh inspirierte, mit dick aufgetragenen Farben gemalte Sonnenblumen, mit denen der Student Brandl 1982 den Professor und Medienkunst-Guru Peter Weibel brüskierte. Die wenig später entstandenen "Wasserfall-Bilder" lassen schon den für Brandl typischen Kippeffekt zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit, Naturvorbild und "reiner Malerei" erkennen: Die Farb-Kaskaden, noch mit dichtem Farbauftrag gemalt, wurden laut dem Künstler einerseits von Naturerlebnissen, andererseits von einem Kruzifix des Diego Velázquez angeregt.

Alte Meister

Kurator Steininger leistete ganze Arbeit, um die Bezüge zwischen Brandls Werk und der Malereigeschichte zu untermauern. Tatsächlich wirken einige Brandl-Bilder wie herangezoomte Fragmente aus Altmeister-Gemälden: Der feurige Hintergrund eines Rubens-Porträts von Erzherzog Albrecht VII aus dem KHM, der bewegte Himmel bei El Greco haben es dem Österreicher angetan, ebenso die atmosphärischen Bilder des "Schnellmalers" Tintoretto. Klar gegenständlich sind bei Brandl nur die seit 2000 entstandenen "Berg-Bilder", dachte man. Doch dann starrt einen auf der letzten Wand der Kunstforum-Schau ein Rudel Hyänen an (gemalt 1994/’98): Ein Meister im Hakenschlagen ist der Künstler also auch noch.

Zur Person

Herbert Brandl wurde 1959 in Graz geboren. Er studierte an der Hochschule für angewandte Kunst bei Herbert Tasquil und Peter Weibel.  In den 1980er-Jahren erlebte er einen raschen Karrierestart, als Teil der damals hoch im Kurs stehenden "Neuen Wilden" sah er sich jedoch nie. Brandl gilt als einer der international angesehensten Maler Österreichs, er vertrat Österreich bei der Biennale in Venedig 2007 und stellt in renommierten Galerien im In- und Ausland aus. 2009 musste Brandl aufgrund eines akuten Aneurysmas notoperiert werden; diese Zäsur schlug sich auch in Werken der jüngsten Zeit nieder.

Ausstellung:
Die Werkschau "Herbert Brandl" ist von 26. Jänner bis 15. April im Bank Austria Kunstforum, Freyung 8, 1010 Wien, zu sehen (täglich 10–19 Uhr, Fr. 10–21 Uhr). Ein Katalog, herausgegeben von Ingried Brugger und Florian Steininger, ist bei Hatje Cantz erschienen (29 €).

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( Kurier ) Erstellt am 23.01.2012