Alte Aufsässige mit neuem Gesicht

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Foto: Reuters/JEAN-PAUL PELISSIER Villa Méditerranée: Im von Stefano Boeri entwickelten Bau sollen u. a. Ausstellungen, Konzerte und Filmvorführungen zwischen den Ufern des Mittelmeeres stattfinden.

Europas Kulturhauptstadt 2013 setzt sich vor allem mit spektakulären Bauten in Szene.

La ville rebelle“, die aufmüpfige Metropole am Mittelmeer, zeigt sich von ihrer Schokoladenseite: Denn „Marseille empfängt die Welt“. Zur offiziellen Eröffnung am 12. 1. gehört die Inszenierung eines speziellen Moments: „Es wird einen großen Aufschrei geben, la grande clameur,“ sagt Ulrich Fuchs, der aus Deutschland stammende stellvertretende Programmleiter, der bereits 2009 Linz durch das Kulturhauptstadtjahr begleitet hat.

Lichtspektakel

„Alles, was in Marseille an Lärm zu bewegen ist, ob Schiffssirenen oder Kirchenglocken, ob Chöre oder Musikinstrumente, ertönt fünf Minuten lang – und taucht Marseille mit diesem Schrei in vollkommene Dunkelheit. Alle Lichter gehen aus. Um dann, wie Phönix aus der Asche, mit einem großen Feuer- und Lichtspektakel das Fest zu eröffnen.“

Am Alten Hafen ist eine architektonisch glänzende Museumsmeile entstanden. Im Glaswürfel des „Museums für mediterrane und europäische Kulturen“ (MuCEM) und in der raumschiffartigen Villa Méditerrannée nebenan soll künftig der multikulturelle Dialog gepflegt werden. Und in einem restaurierten Hafen-Gebäude bekommt Kunst aus Südfrankreich ein neues Domizil.

Um mehr als 660 Mio. € für 60 Kulturbauten hat sich Marseille mit 80 umliegenden Orten ein neues Gesicht verpasst. Promi-Architekten wie Jean Nouvel, Frank Gehry, Kengo Kuma und Stefano Boeri wurden engagiert. Das ganze Gebiet zwischen dem alten Industriehafen und der früher verruchten Bahnhofsregion wurde beim größten Stadtentwicklungsprojekt Westeuropas völlig umgekrempelt.

Programm

Fast 100 Mio. Euro wurden in 400 Veranstaltungen investiert, eingeteilt in vier Kapitel – eines für jede Jahreszeit: „Marseille empfängt die Welt“, „die strahlende Stadt“, „die Kunst kommt an die Luft“ und „Enthüllungen“: Musik-, Literatur und Lyrikfestivals, Straßen- und Open-Air-Events sowie viele Ausstellungen.

Die erste Episode (Jänner bis Mai) ist geprägt von der Eröffnung einiger kultureller Hotspots. Im Rampenlicht steht die darstellende Kunst: Zirkus-Vorstellungen in der Region, Straßenkunst-Events in sechs Städten oder das Festival „This is (not) Music“ im 40.000 großen Komplex der ehemaligen Tabakfabrik „Friche de la Belle de Mai“ (ab 3. 5.) laden zum Staunen ein.

Und als „Land der tausend Gesichter“ präsentiert sich die Region im Herbst, wenn die Episode der „Freundschaft, des Teilens und des Miteinanderlebens“ beginnt: mit kulinarischen Projekten wie der „Cuisines en Friche“ (11. und 15. 9.) und vielen Ausstellungen.

www.marseille-provence2013.fr www.mp2013.fr  www.marseille2013.com

Die Highlights in Marseille

Die Highlights in Marseille: Der alte Hafen (Vieux-Port). Notre-Dame de la Garde. La Canebière. Das Palais Longchamp. Die alte Kathedrale La Major. Das Palais du Pharo. Château Borély. Château d’If.

Košice: Erwachen vom Dornröschenschlaf

Der Charme der Habsburger Monarchie: Im ostslowakischen Košice an der ungarischen Grenze, das früher einmal Kaschau hieß, ist er noch zu spüren – in den großen Kaffeehäusern, auf dem Hauptplatz mit den barocken Bürgerhäusern und in den engen Arkadengängen.

Der deutsch-ungarische Schriftsteller Sándor Márai – im Sozialismus verfemt und jetzt mit einer Dauerausstellung in seinem Geburtshaus geehrt – stammt aus der alten Handelsstadt. Hier lebten als Teil des multi-ethnischen k. u. k. Reichs einst Ungarn, Deutsche und natürlich Slowaken und auch Juden friedlich zusammen. Aber multikulturell ist Košice heute nicht mehr. Manchmal hört man noch Ungarisch auf der Straße. Die Nachkommen der Karpatendeutschen bekennen sich nur selten zu ihrer Vergangenheit. Und Juden leben kaum noch in der Stadt. Nur viele Synagogen im maurisch-modernistischen Stil erinnern an vergangene Zeiten.

2013 macht die 240.000- Einwohner-Stadt vor allem mit Bürgerbeteiligungsprojekten wie „Spots“ auf sich aufmerksam: Eine alte Fabrik wurde zum Kulturzentrum, ein marodes Schwimmbad an der Straße zum Bahnhof zur Kunsthalle umgebaut.

Bei der Eröffnungsfeier am 20. Jänner wird die britische Band Jamiroquai auftreten. Kulturelles Zentrum ist das seit 2009 bestehende „Europäische Haus der Poesie Košice“ mit Ausstellungen von slowakischer Gegenwartskunst bis zum Projekt „Rückkehr des Wassers in die Stadt“ über den Fluss Hornad, der bis 1970 durch die Stadt floss.

Der jüdischen Vergangenheit der Kulturhauptstadt 2013 trägt das „Festival of Jewish Culture“ im Juli Rechnung. Im Juli präsentieren auch 16 slowakische und 15 tschechische Autoren in Brno, Ostrava und Košice ihre Texte. Und der Herbst steht ganz im Zeichen des Jazz. Für Nachtschwärmer gibt’s übrigens – Ironie am Rande – in Košice den Club „Marseille“.

www.kosice2013.sk

Das Beste in Košice

Das Beste in Kosice: Der gotische St.-Elisabeth-Dom prägt das architektonische Ensemble in der restaurierten Altstadt von Košice. 2013 wird die Metropole der Ostslowakei Kultur-Hauptstadt Europas. Im Keller der Maciks lagern alte Schätze der Sorte Tokaj, ... ... Bardejov mit wunderbar restaurierten Häusern. In Bardejovské Kúpele badete auch Sisi. Warhols Erbe in der Mihal Gallery des Hotel Múza in Košice. Schloss Betliar entpuppt sich als wahre Schatztruhe. Freilichtmuseum in Bardejovské Kúpele.

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