Kultur
05.12.2011

Künstler Vann Nath ist tot

Der bekannte Kambodschanische Künstler Vann Nath ist mit 66 Jahren gestorben. Er war einer von sieben Überlebenden des Foltergefängnisses der Roten Khmer.

Der bekannte kambodschanische Künstler Vann Nath, der einer der wenigen Überlebenden des Foltergefängnisses von Tuol Sleng der Roten Khmer war, ist am Montag im Alter von 66 Jahren gestorben. "Er ist tot, es ist ein großer Verlust für die Geschichte Kambodschas", sagte sein Schwiegersohn Lon Nara. Vann Nath habe schon lange unter Gesundheitsproblemen gelitten und habe seit einer Herzattacke am 26. August im Koma gelegen. Lon Nara verwies auch auf die Verdienste seines Schwiegervaters für die Aufarbeitung der Herrschaft der maoistischen Roten Khmer von 1975 bis 1979.

Vann Nath war einer der wenigen Überlebenden des Gefängnisses von Tuol Sleng, in dem die Roten Khmer etwa 15.000 Menschen ermordeten. Das Leben des Künstlers wurde nur verschont, weil er eingesetzt wurde, um Porträts von Pol Pot zu malen. Nach der Befreiung der Hauptstadt Phnom Penh durch vietnamesische Truppen gelangte er zu Bekanntheit mit seinen Bildern, auf denen er seine Erlebnisse im Gefängnis aufarbeitete.

Davon geträumt, Menschenfleisch zu essen

Tuol Sleng, das auch als S-21 bekannt ist, ist inzwischen eine Gedenkstätte für den Völkermord. An den Wänden hängen zahlreiche Werke Vann Naths, die Foltermethoden und den Gefängnisalltag zeigen. Vann Nath war auch ein wichtiger Unterstützer des UN-Sondertribunals für die Aufarbeitung der Verbrechen der Roten Khmer. Im Juni 2009 war er einer der ersten Überlebenden, der im Prozess gegen den Leiter von Tuol Sleng, Kaing Guek Eav alias "Duch", aussagte. "Duch" war im vergangenen Jahr zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. In einem Berufungsverfahren wird noch in diesem Jahr ein Urteil erwartet.

Vor Gericht beschrieb Vann Nath, wie die Gefangenen aus Hunger selbst Insekten aßen. Er habe sogar davon geträumt, Menschenfleisch zu essen. Gerichtssprecher Lars Olsen sagte am Montag, das Gericht sei traurig über den Tod von Vann Nath, der mit seinen Zeugenaussagen und seiner Arbeit im Museum von Tuol Sleng den Opfern eine Stimme gegeben habe.