Kultur
05.12.2011

Krüger: Ein Burgschauspieler im Kino

Aus dem Schauspieler Fabian Krüger, Mitglied des Burgtheater-Ensembles, rieselt der Sand: In der Schweizer Filmkomödie "Ein Sommersandtraum".

An Wien muss sich der Deutsch-Schweizer Fabian Krüger immer noch ein bisschen gewöhnen. Aber schön langsam wird es: "Ich mag diese Stadt immer mehr", sagt der Schauspieler im KURIER-Interview animiert, wenn auch eingeklemmt im Barock-Ambiente eines klassischen Wiener Kaffeehauses: "Und ich mag die Wiener Spielstätten."
Letzteres ist entscheidend - denn Krüger ist profiliertes Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters und Stammakteur von Direktor Matthias Hartmann.

Doch erst kürzlich hat er einen ersten Ausflug ins Filmgeschäft unternommen und in der skurrilen Schweizer Komödie "Der Sommersandtraum" (derzeit im Kino) von Peter Luisi fulminant die (mäßig sympathische) Hauptrolle besetzt.
In dem leichten, kleinen Liebesfilm spielt Krüger einen griesgrämigen Briefmarken-Sammler, der plötzlich Sand verliert. Und das völlig ohne Spezialeffekte.
Gar nicht so einfach, glaubt man dem Schauspieler - denn es sei ziemlich schwierig, auf Kommando zu rieseln: "Das war eine Zusatzherausforderung wie Jonglieren", erinnert sich Krüger amüsiert an die Dreharbeiten: "Und weil es mein erster Film war, wollte ich auch alles möglichst echt machen. Deswegen habe ich mir auch den Sand richtig in die Nase gezogen. Bis alles kratzte. Irgendwann vergeht einem dann der Traum von Sandstrand."

Kein Held

Fabian Krüger ist ein unglaublich anregender Gesprächspartner. Witzig, selbstironisch - und auch ein bisschen eitel. Sein Geburtsjahr gibt er koketterweise nur ungern preis ("Eine alte Lady fragt man nicht nach dem Alter") - und das, obwohl er heuer gerade mal an seinem 40er kratzt.
Längst kann Krüger auf eine veritable Schauspielkarriere zurückblicken. Geboren in Deutschland und aufgewachsen im Appenzell, machte er laut eigener Aussage auf der Zürcher Schauspielschule zuerst keine sonderlich gute Figur: "Ich war einer von denen, wo sich jeder dachte: ,Oh Gott, ist der klemmig und dünn!' Ich selbst fand mich auch nicht besonders hübsch oder toll. Die große Helden- und Macho-Rolle hätte bei mir recht albern gewirkt." Aber schließlich habe er gelernt, mit seinem "dünnen Körper" etwas zu machen. Schließlich gebe es ja auch genug andere Leute, "die spitze Ellbogen haben".

Regisseur Matthias Hartmann sah das offensichtlich auch so, engagierte Krüger zuerst nach Bochum und nahm ihn dann von Zürich mit nach Wien.
Der scharfgesichtige Schauspieler brilliert unter anderem als hinreißender Diener Sosias in Kleists "Amphitryon", in Tschechows "Platonov" oder in Tolstois "Krieg und Frieden". Alles Rollen, die er sehr gern mag, sagt er. Wenngleich er etwa den Sosias in "Amphitryon" bereits vier Jahre lang spielt - und da sei es manchmal schwierig, etwas am Leben zu erhalten: "Weil man sich ja selbst verändert."
Und was er ganz bestimmt nicht werden wollte: "Ein Betriebsschauspieler, ein schleimiger Effekthascher, einer, der keinen Mut mehr hat, alles über den Haufen zu werfen. Man muss immer aufpassen, dass man nicht einrostet."

Mit dem Burgtheater verbindet er großen Respekt, wiewohl einige Hausbräuche für ihn gewöhnungsbedürftig waren. Nicht umsonst hieße ja das Burgtheater Burg, kichert Krüger. Dort müsse er sich nicht einmal selbst anziehen - deswegen habe er sich auch bei der ersten Anprobe versehentlich fast in seinen Garderobier verkeilt, weil dieser ihm den Mantel überziehen wollte: "Das allein war schon wie ein Theaterstück vor dem Theaterstück", erzählt Krüger quirlig: "Sehr lustig. Und wenn ich durch den Flur gehe, habe ich manchmal das Gefühl, die Leute verbeugen sich fast."
Und klar, das sei schon sehr verführerisch, "wenn einem auf diese Art gehuldigt wird. Aber ich will beweglich bleiben und Abenteuer erleben."

Während des Sommers probt Krüger nun am Akademietheater Thomas Vinterbergs Versuch der freien Liebe in "Die Kommune", danach geht's zu Hartmanns Gasttruppe "Nature Theater of Oklahoma" nach New York: "Als Schauspieler muss man am Ball bleiben, sich in Neues hineinschmeißen - auch wenn es einem um die Ohren fliegt", sagt Fabian Krüger überzeugt. Und setzt gleich noch mit einer kleinen, ketzerischen Anmerkung provokant nach: "Ab vierzig sollte man keine Klassiker mehr spielen."

Zur Person: Filmdebüt für Burg-Mimen

Theater: Fabian Krüger, geboren 1971, absolvierte eine Schauspielausbildung in Zürich. Danach war er Mitglied der Freien Theatergruppe 400asa und spielte am Maxim Gorki Theater in Berlin. Er war von 2003-2005 am Schauspielhaus Bochum, von 2005-2009 am Schauspielhaus Zürich fest engagiert. Seit 2009/10 gehört er zum Ensemble des Wiener Burgtheaters.

Film: Für "Ein Sommersandtraum", Krügers ersten großen Film, erhielt er den Schweizer Filmpreis als bester Darsteller. Weiters spielte er in dem gerade gedrehten Schweizer Film "Verliebte Feinde" den Ehemann der Feministin Iris von Roten.