Kultur
30.08.2017

Kreditkarten mit großen Ohren

Bilanz der Salzburger Festspiele: 1,6 Millionen Euro über dem Budgetansatz, neuer Auslastungsrekord mit 97 Prozent.

Helga Rabl-Stadler, die Präsidentin der Salzburger Festspiele, hatte Markus Hinterhäuser, ihrem Lieblingsintendanten, vieles zugetraut. Und trotzdem vermochte er mit seinem Team die hoch gesteckten Erwartungen gleich um Längen zu übertreffen. Auch in ökonomischer Hinsicht: Die Karteneinnahmen betrugen 29,9 Millionen Euro – und lagen daher um 1,6 Millionen höher als kalkuliert. Dies gab Lukas Crepaz, der neue kaufmännische Direktor, bei der Abschluss-Pressekonferenz am Montag, drei Tage vor Ende des Festivals (30. August), bekannt.

Der Auslastungsrekord des Jahres 2016 mit 96 Prozent wurde daher nochmals um einen Prozentpunkt verbessert. Insgesamt gaben die Festspiele 261.500 Eintrittskarten aus (etwa 221.500 für die regulären Veranstaltungen, 40.000 für Generalproben und kostenlose Sonderveranstaltungen). Völlig ausverkauft war natürlich die "Aida" mit Anna Netrebko, nahezu ausverkauft "La clemenza di Tito" von Mozart.

Gleich drei Produktionen mit Opern des 20. Jahrhunderts, darunter "Lady Macbeth von Mzensk" und "Wozzeck": Das barg ein gewisses Risiko. Doch "Risiko ist die Bugwelle des Erfolges" (so Rabl-Stadler, Carl Amery zitierend): Selbst "Lear" von Aribert Reimann wird "jenseits der 90 Prozent" ausgelastet sein (die letzte Vorstellung findet heute, Dienstag, statt).

Sterben am Domplatz

Nicht ganz so hervorragend lief es im Schauspiel: "Rose Bernd" rief im Vorfeld kaum Interesse hervor; erst aufgrund der positiven Kritiken zog der Verkauf an: Die Tragödie von Gerhart Hauptmann kam dann doch auf eine Auslastung von 88 Prozent. Wedekinds "Lulu" war zu 94 Prozent ausgelastet.

Insgesamt die meisten Besucher, nämlich 35.000, hatte der "Jedermann" mit Tobias Moretti. Nach einem wetterbedingt verpatzten Start – drei Vorstellungen hinterein-ander fanden im Großen Festspielhaus statt – gab es zehn Vorstellungen hintereinander auf dem Domplatz: Eine solche Serie habe sie, sagte Rabl-Stadler, im Laufe ihrer Präsidentschaft, also seit 1995, noch nie erlebt. Auf den Plätzen folgten die Konzertreihe "Zeit mit Schostakowitsch" (26.250 Besucher), die Konzerte der Wiener Philharmoniker (24.000) sowie die Opern "Aida" und "Titus" (mit je 15.000).

Hinterhäuser zeigte sich beeindruckt – nicht nur vom Zuspruch des Publikums, sondern auch von dessen Hingabe und Konzentration. Und er verneigte sich förmlich vor ihm, da es den Generationenwechsel hin zu Teodor Currentzis, Asmik Grigorian, Daniil Trifonov und Igor Levit mitgetragen habe: "Das Publikum ist wesentlich mehr als eine Kreditkarte auf zwei Beinen."

Geld braucht es trotzdem: Im Durchschnitt gab der Besucher pro Karte rund 120 Euro aus, die teuersten "Aida"-Plätze kosteten 450 Euro.

Über 2018 wollte Hinterhäuser noch nichts verraten. "Aida" wird wieder aufgenommen (wohl mit Netrebko), als Neuproduktion ist u.a. die "Zauberflöte" geplant. Schauspielchefin Bettina Hering kündigte an, dass Stefanie Reinsperger entgegen Gerüchten erneut Jedermanns Buhlschaft spielen werde.

100 Jahre

Langsam wirft auch das 100-Jahr-Jubiläum seinen Schatten voraus: "Das Programm 2020 soll sich unterscheiden – durch Bezüge zur Vergangenheit und auch zur Zukunft", so Rabl-Stadler zum KURIER. "Um zu zeigen, dass es Festspiele auch in den nächsten 100 Jahren braucht." Die öffentliche Hand habe bereits signalisiert, mehr Mittel zur Verfügung stellen zu wollen. Allerdings sei es notwendig, die ohnedies erstaunlich hohen Sponsoringeinnahmen (heuer 9,5 Millionen Euro) nochmals zu steigern – auf über zehn Millionen. Zum Glück seien die Festspiele wie die Großsponsoren (Rolex, Siemens u.a.) "Global Player".

Die diesjährigen Mehreinnahmen machen vieles leichter. Denn bis 2021 wird das Große Festspielhaus, 1960 eröffnet, um etwa 25 bis 30 Millionen Euro generalsaniert. Die öffentliche Hand steuert lediglich 10,8 Millionen Euro bei – für Brandschutzmaßnahmen.