© © by PETER BOETTCHER

Kraftwerk-Ausstellung
01/10/2015

Ein Foto-Operator an der Mensch-Maschine

"Minimum-Maximum" zeigt ungewöhnliche Bandfotos aus mehr als 20 Jahren Kraftwerk.

von Karl Oberascher

Elektronik - Technik - Mechanik. Seit mehr als 40 Jahren beschäftigen sich Kraftwerk mit der Zukunft der Menschheit.

"Wir sind die Roboter. Wir funktionieren automatik. Jetzt wollen wir tanzen mechanik."

In den 70er-Jahren war das einmal gleichbedeutend mit der Zukunft der Musik.

Versatzstücke aus Liedern der Elektronikpioniere aus Düsseldorf finden sich noch heute in aktuellen Produktionen - und das nicht nur in Club-affinen. Auch die Stadionrocker Coldplay lieferten mit "Talk" eine Hommage an Kraftwerk (hier nachzuhören).

Die Prophezeiung von damals: Der Mensch, der in der Technik aufgeht. Die "Mensch-Maschine" - keine Dystopie, bei Kraftwerk war das immer eine verheißungsvolle Botschaft.

"Ich brauch ein Rendez-vous, ich brauch ein Rendez-vous", heißt es in "Computer Liebe".

Du sollst dir kein Bild von Kraftwerk machen

In der Welt abseits von Einsen und Nullen heißt das seitdem: Rare Interviews, keine öffentlichen Auftritte abseits der Bühne. Ralf Hütter und Florian Schneider waren nur Operatoren, was zählt, ist Kraftwerk, das Gesamtkunstwerk - die Persönlichkeiten dahinter sind unwichtig.

Oder: "Du sollst dir kein Bild von Kraftwerk machen." - Ein schwieriges Credo in der starfixierten Popwelt und vielleicht ein Grund, weshalb die Elektroniker nicht in einem Atemzug mit zum Beispiel einem David Bowie genannt werden.

An die Stelle von Hütter und seinen Ko-Operatoren traten - natürlich - Roboter.

Foto-Operator

Man kann also durchaus von einer unlösbaren Aufgabe sprechen, vor der Peter Boettcher Anfang der 90er-Jahre stand. Im Auftrag der Musikzeitschrift spex sollte er die Band in ihrem Düsseldorfer Kling-Klang-Studio besuchen und ihre Arbeit belichten. Der Kölner Fotograf war bereits bekannt für seine Aufnahmen von Musikern wie R.E.M., Morrissey oder Sonic Youth. Doch an klassische Bandfotografie, die die Künstler verschwitzt nach ihren Auftritten oder wartend im Backstagebereich zeigt, war bei Ralf Hütter – als sogenannter Audio-Operator zuständig für den Gesang – oder bei dem seit 2009 nicht mehr bei Kraftwerk aktiven Florian Schneider nicht zu denken.

Boettcher entschied sich, den Weg der Elektronikpioniere auch in seinen Bandfotos weiterzugehen. Anstatt intimer Einblicke lieferte er Bilder von Schaufensterpuppen – mit den entfernt verwandten Gesichtszügen Hütters, ohne Beine und mit einer verkümmerten Handprothese.

Er wurde selbst Teil des Konzepts – vom Fotografen zum Foto-Operator.

Mehr als 20 Jahre begleitet Boettcher Kraftwerk inzwischen. Unter dem Titel "Minimum Maximum" sind die Bilder nun in einer eigenen Ausstellung in der Berliner Galerie "pavlov's dog" zu sehen. Parallel zu der optisch eindrucksvollen 3D-Konzertreihe "Der Katalog - 12345678", mit der Kraftwerk vergangenen Sommer auch in Wien gastierten, zeigen die Bilder einen Querschnitt aus mehr als 20 Jahren Bandgeschichte. Der Titel der Ausstellung erinnert an das erste Live-Album aus dem Jahr 2005.

Technik dominiert die Welt - die "Mensch-Maschine" dreht im Akkord an den Synthesizer-Knöpfen.

INFO: Minimum Maximum - noch bis zum 13. Jänner. Mehr Infos unter pavlovsdog.org

Bilder der Ausstellung

HAUS DER GESCHICHTE BONN 1999┬®BOETTCHER.jpg

MUSIKFILM 1991┬®BOETTCHER.jpg

ROBOTER R1 2006┬®BOETTCHER.jpg

ROBOTER R2┬®PETER BOETTCHER.jpg

ROBOTER R3┬®BOETTCHER.jpg

Roboter R4┬®PETER BOETTCHER.jpg

WOLFSBURG 2009┬®BOETTCHER.jpg

KONZENTRATION 2009┬®BOETTCHER.jpg

RABOTNIK Moskau 2004┬®BOETTCHER.jpg

TATE ROBOT 2013┬®BOETTCHER.jpg

Autobahn London 2004┬®BOETTCHER.jpg

Paris CITE DE LA MUSIC 2002┬®BOETTCHER.jpg

KLING KLANG STUDIO 1991 ┬®BOETTCHER.jpg

THE MIX 1991┬®BOETTCHER.jpg

Detroit 1998┬®BOETTCHER.jpg

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