Konzerthaus: Warum Naske statt Kerres kommt

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Foto: Herbert Schwingenschlögl Wiener Konzerthaus

Analyse: Bernhard Kerres verlässt nach der Jubiläumssaison 2012/’13 das Wiener Konzerthaus. Matthias Naske kehrt nach Wien zurück.

Die KURIER-Meldung war gestern das Gesprächsthema in der Musikbranche: Bernhard Kerres verlässt nach der Jubiläumssaison 2012/’13 (100-Jahr-Feier der Institution) das Wiener Konzerthaus. Das sei "ein guter Zeitpunkt, um sich zu neuen Ufern aufzumachen", begründet er diesen Schritt. Und: "Es war mir immer klar, dass ich im Konzerthaus nicht in Pension gehen werde." Das sagt er mit 45 Jahren.

Kurier Foto: Wilhelm Schraml Bernhard Kerres verlässt das Wiener Konzerthaus.

Der Hintergrund dürfte sein, dass er damit einer Ablöse zuvorkommt. Denn Kerres hatte zwar – wie auch sein Vorgänger Christoph Lieben-Seutter – mit Schulden in Millionenhöhe aus der Konzerthaus-Renovierung zu kämpfen. Vor allem aber sieht seine künstlerische Bilanz dürftig aus. Daran ändern auch gesteigerte Besucherzahlen, die in Aussendungen verkündet wurden, nichts.

Kerres gelang es nicht, das Konzerthaus, das einer der innovativsten und aufregendsten Musikbetriebe sein könnte, im Spannungsfeld mit dem Musikverein neu zu positionieren. Im Konzerthaus wären neue, kreative, kühne Projekte möglich – davon gab es viel zu wenige. Erfolge hatte Kerres vor allem mit Weltmusik, was für das Konzerthaus nicht reicht. Man hatte nie das Gefühl, dass die Vertrauensbasis zur (klassischen) Künstlerschaft wirklich gegeben sei.

Naske ante portas

Porträtfoto Foto: Wilhelm Schraml In den Startlöchern: Der Musikmanager Matthias Naske soll neuer Chef des Wiener Konzerthauses werden

Dem Vernehmen nach steht schon fest, wer Kerres nachfolgt: Matthias Naske. Erst als dieser zugesagt haben soll, wieder nach Wien zu kommen, soll die Rochade beschlossen worden sein. Naske, 1963 in Wien geboren, war lange Zeit bei der Jeunesse und bei der Camerata Salzburg, ehe er 2003 die neu gegründete Philharmonie Luxembourg übernahm (sein Vertrag läuft bis 2014). Er gilt als hoch seriös und kompetent.

Wenn es so kommt, wird jedenfalls wieder ein Musik-Job in Wien neu besetzt – von der Umsetzung eines größeren Konzeptes ist man aber weit entfernt. Selbstverständlich müsste man das Konzerthaus besser mit den Wiener Symphonikern, mit den Wiener Festwochen oder anderen Wiener Musikinstitutionen vernetzen. Früher einmal gab es sogar einen Wiener Musikintendanten.

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(kurier) Erstellt am
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