Kultur
05.12.2011

Komarek erhielt Ehrenpreis

Der Krimiautor und Erfinder vom Gendarmen Simon Polt, Alfred Komarek, wurde am Freitag mit dem Ehrenpreis des Buchhandels ausgezeichnet.

Alfred Komarek ist am Freitag im Wiener Rathaus mit dem 10.000 Euro dotierten Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln ausgezeichnet worden. Der heimische Autor und Essayist, der vor allem mit seiner im niederösterreichischen Weinviertel angesiedelten Krimireihe rund um den Gendarmen Simon Polt einem breiteren Lesepublikum bekannt wurde, beklagte in seiner Dankesrede, "wie schändlich mit dem Lebensmittel Toleranz umgegangen wird" und warnte zugleich vor "berechnenden Verhetzern" und "gnadenlos taktierenden Hinweglächlern".

"Tolerant zu sein ist für Polt wie für mich eine Möglichkeit, einigermaßen mit der Welt und den Menschen zurechtzukommen", gestand der am 5. Oktober 1945 in Bad Aussee geborene Schriftsteller. Diese Eigenschaft sei ihm von seinem Vater gewissermaßen beigebracht worden. Dieser sei auch während der Nazi-Diktatur als Lehrer tätig und nach Kriegsende "Kindern der alten Machthaber nicht minder zugewandt als anderen" gewesen, erinnerte sich der Preisträger. Bei seinem Laudator, Ex-ÖVP-Vizekanzler Erhard Busek, bedankte sich Komarek dafür, "dass in Deinem großen Denkgebäude einige Gästezimmer für mich reserviert sind. Ich fühle mich sehr wohl dort."

"Anstiftung zum Innehalten"

Busek beschrieb den "lieben Fredl" als literarischen "Pointillisten", der nicht großflächig den gesellschaftlichen Herausforderungen nachspüre, sondern das Kleine sichtbar mache und dadurch - "wenn man es richtig liest" - veranschauliche, was die Menschen bewege. Gerade die Figur Polt sei ein Kontrastprogramm zu Fernsehware a la "CSI", da hier die Auseinandersetzung mit Menschlichkeit im Vordergrund stehe. Der Laudator würdigte den zu Lobenden mit Verweis auf zahlreiche, zum Teil bereits vergriffene Publikationen über diverse Regionen Österreichs zudem als "großen Landschaftsbeschreiber".

"Du bist in der Lage, die Stille, das Innehalten zu beschreiben", spielte Busek auf die im Vorjahr erschienene "Anstiftung zum Innehalten" an. Die Komarek'sche Lektüre ermögliche es, "die Zeit etwas zu verlangsamen". Gerade danach gebe es derzeit eine große Sehnsucht.

Gerald Schantin, Präsident des Hauptverbands des österreichischen Buchhandels, ortete besonders in den Krimis des Autors ein "Plädoyer für Toleranz, ohne dabei das Verbrechen zu beschönigen oder gar gutzuheißen, aber mit dem Hinweis darauf, dass ein eindimensionaler, bloß am Buchstaben des Gesetzes ausgerichteter Blick auf das Verbrechen nicht ausreichend ist". In den Polt-Romanen gelinge es Komarek "meisterhaft", den Konflikt zwischen dem juridischen und dem menschlichen Gesetzesverständnis einzufangen. Am Ende der rund einstündigen Verleihungszeremonie wurden Komarek die Urkunde und der obligatorische Blumenstrauß überreicht.

Von Glossen und Reportagen zu Krimiliteratur

Alfred Komarek, der im Weinviertel und in Bad Aussee lebt, startete seine schreiberische Karriere mit Glossen und Reportagen für Printmedien. Danach folgten Texte fürs Radio und TV-Drehbücher etwa für die "Universum"-Reihe. Nach ersten Erzählbänden mit Titeln wie "Der verliebte Osterhase Eberhard" oder "Otto, der Weihnachtsrabe" und Beiträgen für Sachbücher betrat er 1998 mit dem ersten Polt-Roman das Feld der Kriminalliteratur.

Bücher wie "Blumen für Polt" oder "Polt muss weinen" brachten ihm großen Erfolg ein, alle vier Krimis rund um den Weinviertler Gendarmeriebeamten wurden verfilmt. Das Salzkammergut rückte Komarek in der darauffolgenden Käfer-Tetralogie in den Mittelpunkt, die sich um den frisch entlassenen Chefredakteur Daniel Käfer, der den Spuren seiner Kindheit nachspürt, dreht. In diesem Frühjahr ließ der Schriftsteller mit dem Kurzgeschichtenband "Zwölf mal Polt", dem bis dato letzten erschienenen Buch, seinen wahrscheinlich erfolgreichsten Helden noch einmal auf die literarische Bühne zurückkehren.

Der Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels wird seit 1990 jährlich vergeben. Unter den bisherigen Preisträgern finden sich unter anderen Milo Dor, Simon Wiesenthal, H. C. Artmann, Ilse Aichinger und Klaus Wagenbach. Im Vorjahr wurde "Falter"-Chef Armin Thurnher mit der Auszeichnung bedacht.