Steffi Krautz und Jan Thümer in "Klytaimnestra" am Grazer Schauspielhaus.

© (c) Lupi Spuma

"Klytaimnestra" als wahnsinnige Serienkillerin
03/16/2013

"Klytaimnestra" als wahnsinnige Serienkillerin

Schauspielhaus-Intendantin Anna Badora stellt in ihrer Version der "Orestie" die Frauen in den Mittelpunkt. Klischees werden jedoch keine gebrochen.

Klytaimnestra" im Grazer Schauspielhaus erzählt Aischylos' "Orestie", die bekannteste aller griechischer Tragödien, gemeinsam mit dem wunderbaren Geschichtenerzähler Michael Köhlmeier neu. Im Zentrum stehen die Frauen, wie schon die namengebende Titelheldin verrät. Sie sind schließlich nicht nur Leidtragende und Opfer, sondern auch Auslöser des zehn Jahre andauernden Krieges zwischen Griechenland und Troja.

In der Inszenierung von Hausherrin Anna Badora vermisst man jedoch schmerzlich das vermutete starke Frauenbild. Die Hauptfiguren sind hauptsächlich hysterisch oder geben sich wie Rindviecher vor der Schlachtbank ihrem Schicksal hin. Gefangen in ihrer Höhle, wirken die Troerinnen in der ersten Hälfte völlig abwesend, fast als ob man ihnen verboten hätte, auch nur ansatzweise Theater zu spielen. Schade.

Währenddessen vertreiben sich die zu Hause gebliebenen Griechen mit Backgammon, Coffee to go und Sirtaki die Zeit. Die moderne Inszenierung lockert den schweren Stoff auf und sorgt gelegentlich für Lacher.

Futuristische Betonstadt

Nach der Pause kommt "Klytaimnestra" etwas in Fahrt und die Bühne von Raimund Orfeo Voigt zeigt endlich, was sie kann. Agamemnon kehrt siegreich nach Hause zurück, worüber seine Frau alles andere als glücklich ist. Klytaimnestra ist immer noch sauer, weil er ihre Tochter Iphigenie geopfert hat. Außerdem wärmt ihr mittlerweile ein anderer das Bett.

So kalt wie die Begrüßung ist auch die futuristische Betonstadt Mykene, eine Mischung aus Bunker und Atomkraftwerk. "Sieh zu, dass sie sich selbst vernichten" - das ist die Taktik der Griechen. Das klingt zeitgemäß.

In prachtvollen Gaultier-artigen Kleidern wirken die Troerinnen bei Ankunft in dieser Geisterstadt fast wie Heldinnen aus Star Wars. Doch sofort müssen sie sich wieder in den Hintergrund verziehen, um Platz für Steffi Krautz (Klytaimnestra), Stefan Suske (Agamemnon) und Jan Thümer (Ägist) zu machen. Doch beeindrucken die Verwandlungskünste der Schauspieler mit Doppelrollen mehr als das Spiel selbst.

Steffi Krautz' Auftritt als wie aus einem "Serial Killer"-Film gesprungene, wahnsinnige Axtmörderin wird dennoch im Gedächtnis bleiben. Der Auftritt der Götter im weißen Businesskostüm ist ein weiterer Höhepunkt kurz vor Schluss.

Klytaimnestras Kinder sind zwischen Leichen aufgewachsen. Ihr stummes Spiel zwischen den leblosen Körpern erzählt an diesem Abend, neben Köhlmeiers Videoeinspielungen, am Allermeisten. Mit Kindern und Tieren sollte man nicht auf die Bühne gehen, heißt es unter Schauspielern, da verliert man immer.

KURIER-Wertung: *** von *****

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