Den damals schon bekannten Otto Waalkes sei er zu großem Dank verpflichtet, so der Komiker in einem Interview. Waalkes habe ihn wichtigen Personen vorgestellt und ihn in die Comedy-Szene eingeführt, so Kerkeling.

© ZDF/Christiane von Boehm

Kultur
12/05/2011

Kerkeling reist durch die Weltgeschichte

Der Komiker als Globetrotter: Das ZDF zeigt "Terra X: Unterwegs in der Weltgeschichte - mit Hape Kerkeling." (Sonntag, 19.30 Uhr, ZDF)

von Michaela Mottinger

Den Vorschlag des ZDF , "Wetten, dass..?" zu moderieren, hat Hape Kerkeling abgelehnt. 1992 war das, da machte Gottschalk 14 Monate Pause und Wolfgang Lippert sprang ein. "Ich mache lieber Dinge, die mit mir zu tun haben, und an deren Konzeption ich beteiligt bin. Deshalb fallen bestimmte Sendungen für mich einfach flach", sagte Kerkeling dazu in einem früheren KURIER-Gespräch.

Nun steht fest: Er übernimmt von Gottschalk. Und zwar "Menschen 2011", den ZDF -Jahresrückblick. Über alles Weitere wolle man erst nach dessen letzter Wett-Show am 3. Dezember reden.

Bis dahin ist der Unterhaltungs- und Verwandlungskünstler in einer neuen Rolle zu sehen. Das heißt, eigentlich in vielen. In sechs Folgen der Dokureihe "Terra X" (sonntags, 19.30, ZDF ) kann man mit ihm "Unterwegs in der Weltgeschichte" sein.
5000 Jahre Menschheit in insgesamt 270 Minuten.
Das ist knapp und knackig.

Passionierter Laie Oder wie Kerkling sagt "fast vermessen". Er will aber auch nicht als Historiker, sondern als passionierter Laie "den Blick auf die Quantensprünge der Geschichte schärfen". Und das nicht schenkelklopfend, aber "mit einem Augenzwinkern." Kerkeling, der gesteht, "als Schüler nicht so wahnsinniges Interesse am Geschichtsunterricht" gehabt zu haben, meint: "Ein bisschen Spaß schafft Abstand und schafft somit Perspektive." Wenn er in einer Folge von den Opfern des 30-jährigen Kriegs spricht, ohne Pathos, ohne Chichi, geht das trotzdem tief unter die Haut.

32 Orte hat der Humorist für die sechs Episoden besucht. Von der Akropolis über den Londoner Tower und Ludwig des XIV. Schlafgemach bis zur Azteken-Stadt Teotihuacan in Mexiko. So, "von jetzt auf gleich" durch Zeit und Raum zu reisen, hat Kerkeling schon beeindruckt: "Ich hoffe, es hat meinen Horizont erweitert und meinen Geist geöffnet. Meine persönliche Erkenntnis aus all diesen Reisen ist, dass man vor keiner Kultur Angst haben muss. Jedes Volk hat Mutterwitz."

Der Schöpfer von Chefredakteur Horst Schlämmer oder Schlagerdiva Uschi Blum wäre nicht er selbst, würde er ausschließlich als Moderator fungieren. Kerkeling erzählt Historie nicht nur, er spielt sie auch, besser gesagt: Zwanzig der Großen.

Psychische Probleme

"Ich durfte Napoleon sein, Kaiser Nero, Kleopatra, Karl Marx ... Und je mehr ich in diese Figuren schlüpfte, umso mehr beschlich mich das Gefühl, dass die Wichtigen der Geschichte allesamt ein Problem hatten. Meistens ein psychisches. Die waren nicht ohne!" Nachsatz: "Ich bin froh, dass ich nach dem Dreh nicht zu dem Psychiater musste, den die alle gebraucht hätten."

Seine schönste Erfahrung? "In einem Park in Peking habe ich mit jungen und alten Chinesen getanzt - zur Hitparade aus dem Kofferradio. Wir lachten und waren happy. Ich habe wohl gemerkt, was im Land im Argen liegt. Aber ich habe China nicht mehr als eher bedrohlich erlebt, wie es manchmal dargestellt wird."

Sein anstrengendstes Erlebnis? "Der Dreh auf dem Panzerkreuzer Aurora vor St. Petersburg bei minus 25 Grad. Da nützten Wärmepacks in Manteltaschen und Schuhen nicht viel. Weil die Lippen eingefroren waren."

Und das Lustigste?
"Man steht vor der Djoser-Pyramide, da kommt ein Ägypter und stellt uns auf Deutsch seinen Esel vor. Und der Esel heißt Bismarck. So schließt sich der Kreis der Geschichte."

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