Kultur
23.04.2017

Karl Ove Knausgård erhält Staatspreis für Europäische Literatur

Welttags des Buches: Wolf Haas erhält den Österreichischen Kunstpreis für Literatur.

Der diesjährige Preisträger des mit 25.000 Euro dotierten Staatspreises für Europäische Literatur heißt Karl Ove Knausgard (48). Das gab Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) am Sonntag aus Anlass des Welttags des Buches bekannt. Mit dem norwegischen Schriftsteller erhalte heuer ein Autor die Auszeichnung, dessen "Literatur gut ins Land von Sigmund Freud passt", so die Jury in ihrer Begründung.

Knausgard habe mit seinem 2009 begonnenen, monumentalen sechsbändigen Romanzyklus "Min Kamp" ("Mein Kampf") "erbarmungslos Sezierarbeit an der männlichen Seele, wie sie sich unter den Bedingungen einer europäischen Gesellschaft herausgebildet hat" geleistet, heißt es weiter. Mit "Träumen" ist der fünfte und bisher letzte Band der autobiografischen Serie 2015 auch auf Deutsch erschienen. Der Schlusspunkt der Reihe soll im Laufe des heurigen Jahres folgen.

Der in Schweden lebende Autor gilt als einer der wichtigsten Vertreter der europäischen Gegenwartsliteratur. Er wurde unter anderem 2011 mit dem norwegischen "Gyldendalpreis" oder 2015 mit dem "Welt-Literaturpreis" ausgezeichnet. Ort und Zeitpunkt der Verleihung des jährlich vom Bundeskanzleramt für das literarische Gesamtwerk eines europäischen Autors vergebenen Preises stehe noch nicht fest, wie es auf APA-Nachfrage hieß.

Wolf Haas, Anna Weidenholzer, Evelyne Polt-Heinz

Neben dem Staatspreis für Europäische Literatur gab Drozda auch drei weitere Preisträger bekannt. Den mit 15.000 Euro dotierten Österreichischen Kunstpreis für Literatur erhält Krimi-Kultautor und "Brenner"-Vater Wolf Haas (56). Keinem Vertreter der österreichischen Literatur sei es in den letzten zwei Jahrzehnten so überzeugend und nachhaltig geglückt, das Publikum und die Kritik im gleichen Ausmaß zu begeistern wie Wolf Haas, so die Jury, die den Autor als legitimen Nachfolger Ernst Jandls sieht. Auch dem im Jahr 2000 verstorbenen Jandl wäre es gelungen," Verfahren der Avantgarde und der experimentellen Literatur bei einer breiten Leserschaft populär zu machen. So gesehen lässt sich Haas' Schaffen tatsächlich als genuine Pop(ulär)-Literatur verstehen", so die Begründung.

Seine Kollegin Anna Weidenholzer darf sich über den für jüngere Autoren reservierten und mit 10.000 Euro dotierten Outstanding Artist Award für Literatur freuen. Sie habe überzeugende Prosa geschaffen, die "nach dem Wunderbaren im Alltäglichen" forsche. In ihren Sätzen "walte eine milde Ironie und ein feiner Sinn für das Surreale im Alltäglichen", so die Jury.

Der biennal vergebene Österreichische Staatspreis für Literaturkritik wird mit Evelyne Polt-Heinzl einer der produktivsten Expertinnen für österreichische Literatur zugesprochen, hieß es in der Aussendung. "Als Herausgeberin, Publizistin und Rezensentin hat sie ein umfangreiches Werk geschaffen, das ideengeschichtliche Zusammenhänge in besonderem Maße aufzuzeigen und dadurch innovativ zu wirken weiß", so die Jury in ihrer Begründung für die Zuerkennung der ebenfalls mit 10.000 Euro dotierten Auszeichnung.

Karl Ove Knausgård: Zwei Ledersessel im Wind

Man ist satt.

Kann aber trotzdem sein, dass man noch wissen will, ob ein gutes Gedicht über zwei Ledersessel im Wind möglich ist.

Kann durchaus sein, dass man nach "Sterben" und "Lieben" und "Spielen" und "Leben" auch Band fünf, "Träumen", lesen wird/lesen muss.

Ein Zwang ist das.

Diesmal kann man sich vielleicht etwas besser beherrschen, weil es nicht um Kämpfe mit dem Vater oder der Schwiegermutter geht – wo also jeder mitreden kann, so in der Art: Das kenne ich, das war bei mir genauso.

Das ist ja der große Reiz dieser insgesamt 3600 Seiten dicken autobiografischen Schriften.

Im vorletzten Teil erzählt der Norweger Karl Ove Knausgård, wie er Schriftsteller wurde.

Auge, ich rufe dich, komm ..! Das ist nicht ganz so "heimelig"

Knausgård lebte mehr als ein Jahrzehnt in der Küstenstadt Bergen (bevor er nach Schweden flüchtete), wo er erfolglos dichtete, wo er Literaturwissenschaft studierte, wo seine erste Ehe scheiterte.

Davon erzählt er, wie immer ohne Ironie und ehrlich – er wird aufs Klo masturbieren gehen und viel Bier trinken und sich wundern, dass er nicht immer zu den Braven, Guten gehört.

Ins Gesicht

In Norwegen sind längst alle sechs Bücher erschienen. Knausgård ist berühmt.

"Träumen" zeigt die Problematik der Preisgabe seiner Person deutlich: Er zieht andere Personen hinein. Eine Ex-Freundin, anonymisiert als Gunvor, hat sich sehr über die "Schläge ins Gesicht" geärgert.

Warum hat er denn so Privates geschrieben? Weil Karl Ove Knausgård frustriert war.

Enttäuscht über sein Unvermögen, Großes zu schreiben: "Ich war gefangen im Kleinen. Ich wechselte Windeln, stritt mit meiner Frau ... Das wurde der Sinn meines Schreibens: sich nichts vorzumachen. Dort zu bleiben, wo man wirklich ist."