Die interimistische wurde die fixe Direktorin: Karin Bergmann, 61, leitet bis 2010 das Burgtheater. Ensemble und Minister stehen hinter ihr

© REUTERS/LEONHARD FOEGER

Karin Bergmann
10/14/2014

Erste Herrin im schwankenden Turm

Karin Bergmann vertraut auf Ensemble und große Stoffe und hofft auf mehr Geld.

von Guido Tartarotti

Karin Bergmann auf der Zielgeraden" titelte der KURIER, von sich verdichtenden Informationen ausgehend, am Dienstag. Die letzten Meter dieser Zielgeraden führten sie am selben Tag dann vom Bühnenraum des Burgtheaters, wo das Ensemble informiert wurde, ins Pausenfoyer, wo schon die Journalisten und Kulturminister Josef Ostermayer warteten.

Dieser inszenierte die Verkündung wie eine große Show. "Willkommen zur Pressekonferenz zum Thema Spekulation und Wahrheit!" Dann deutete er mit großer Geste auf eine Türe: "Ich darf jetzt die betreffende Person auf die Bühne bitten."

Auftritt Karin Bergmann, demonstrativer Jubel von den Vertretern der Burg-Belegschaft. Bergmann erhalte einen Fünfjahresvertrag bis 2019, in dem die beiden interimistischen Jahre enthalten sind, erklärt der Minister.

Ostermayer über das Auswahlverfahren: 29 Personen standen zur Diskussion, 21 davon Männer, vier Bewerbungen kamen aus Österreich. Mit zwölf Bewerbern wurden Gespräche durchgeführt, fünf zu Hearings geladen, zwei wurden von der Findungskommission vorgeschlagen. Den Ausschlag für Bergmann hätten ihre ökonomischen Vorstellungen für die Burg gegeben, "aber natürlich auch ihre künstlerischen Vorstellungen".

(Es ist bemerkenswert und sagt viel über die Situation der Burg aus, dass der Kulturminister zuerst das Geld erwähnt und danach erst "natürlich auch" die Kunst.)

Bergmann habe in kurzer Zeit Ruhe ins Haus gebracht, ohne dass es künstlerisch ruhig geworden sei. Ostermayer: In zwei Jahren beginne dann die "Suche nach der Nachfolge von Bergmann". Eine Verlängerung über 2019 sei grundsätzlich möglich, aber nicht wahrscheinlich, sagte Bergmann selbst: Sie sei dann immerhin 66, "auch wenn wir ja alle länger arbeiten sollen".

Leidenschaft

Bergmann betonte, ihre Arbeit ruhe auf vier Säulen, nämlich Ensemble, Regisseure, Stoffe und Projekte. "Das Haus hat Mitarbeiter, die ausgestattet sind mit Begabung, Talent, Kompetenz und Leidenschaft", pries Bergmann ihre Leute. Die – in Gestalt von prominenten Ensemble-Vertretern wie Elisabeth Orth, Peter Simonischek oder Roland Koch – revanchierten sich und priesen ihrerseits gegenüber Journalisten ihre Chefin.

Bergmann erklärte, sie wolle sich vor allem "an große Stoffe herantrauen" – und nannte als Beispiele die "Göttliche Komödie", die Orestie, die Nibelungen "oder einen neuen ,Jedermann‘". Bergmann, sich an der Sprache der Werbung versuchend: "Das Burgtheater ist der Turm, auf den alle schauen, auch wenn es kurz danach ausgesehen hat, dass er schwankt."

Beim Thema Geld gab sich Bergmann sehr diplomatisch: Sie würde "derzeit nicht formulieren", dass das Burgtheater mehr Geld brauche – habe aber die klare Bitte nach einer Abgeltung der Valorisierung von Löhnen und Gehältern geäußert. Der Kulturminister beeilte sich, zu beteuern, diese Bitte decke sich mit seinem Ziel. Wann dieses Ziel erreicht werden könne, hänge aber von der Wirtschaftslage ab.

Vergangenheit

Ostermayer rechnet offenbar mit neuen Angriffen von Seiten des gefeuerten Burgdirektors Matthias Hartmann gegen Bergmann. "Sie hat mir aber glaubwürdig versichert, dass es nichts in der Vergangenheit gibt, das ein Problem sein könnte."

Die Namen anderer Bewerber für die Burg-Direktion wurden naturgemäß nicht genannt. Als chancenreich galten der Theatermanager Wilfried Schulz, der aus Kärnten stammende Münchner Intendant Martin Kušej und der Regisseur Michael Thalheimer. Kušej und Thalheimer sollen übrigens bald wieder an der Burg inszenieren, kündigte Bergmann an.

Weitere Namen, die Bergmann als Wunschpartner nannte: Die Regisseure Alvis Hermanis, Arpad Schilling und Andreas Kriegenburg sowie die Autorin Maja Haderlap, die sie als Kuratorin für Projekte gewinnen will.

Aus Politik und Kultur kamen nahezu ausschließlich positive Reaktionen auf Bergmanns Bestellung.

Ein Leben für das Theater

Die richtige Lösung

Es gibt Lösungen, die vielleicht spektakulärer gewesen wären: Große Namen, radikale Regisseure, klare Zeichen für einen Neustart, nichts bleibt so, wie es war.

Das Spektakuläre ist aber nicht automatisch immer das Richtige. Dafür, für letzteres nämlich, hat sich nun Kulturminister Josef Ostermayer entschieden. Er macht die interimistische Direktorin des Burgtheaters, Karin Bergmann, auch zur offiziellen.

Richtig ist das aus mehreren Gründen:

Bergmann kennt das Haus und all seine Probleme.

Bergmann ist in die finanzielle Sanierung voll involviert.

Bergmann hat die denkbar größte Rückendeckung im Ensemble.

Und Bergmann hat schon mit ihrem ersten Spielplan bewiesen, dass sie vermag, das Burgtheater auch künstlerisch attraktiv aufzustellen.

In schwierigen Zeiten wie diesen hätte jede andere Wahl vermutlich mehr Probleme geschaffen als gelöst.

Karin Bergmann sollte es gelingen, das Burgtheater auch in der Öffentlichkeit wieder dorthin zu bringen, wo es stehen muss: an die Spitze.

Ein komplettes Reset kann es dann in einigen Jahren geben, wenn andere Theatermacher wieder frei sind und die ökonomischen Verhältnisse an der Burg geklärt.

Was nicht bedeuten soll, dass Bergmann nach wie vor eine Übergangslösung ist: Sie ist die richtige Frau zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Irgendwann wird ja dann hoffentlich die Erregung wieder auf der Bühne stattfinden und nicht in Gerichtssälen.

Direktoren seit 1945

Direktor

Antritt

Abgang

Karin Bergmann

2014 (vorerst interimist.) bzw. 2016

Matthias Hartmann

2009

2014

Klaus Bachler

1999

2009

Claus Peymann

1986

1999

Achim Benning

1976

1986

Gerhard Klingenberg

1971

1976

Paul Hoffmann

1968

1971

Ernst Haeusserman

1959

1968

Adolf Rott

1954

1959

Josef Gielen

1948

1954

Erhard Buschbeck (prov. Leiter)

1948

1948

Raoul Aslan

1945

1948

Starke Frauen in Kulturbetrieb

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