Kultur
01/21/2015

Zum Tod von Waldemar Kmentt: Ein Wiener "Haustenor" von Weltgeltung

Der Tenor und Kammersänger Waldemar Kmentt ist im Alter von 85 Jahren verstorben.

Eigentlich wollte er ja Pianist werden. Doch seine Stimme kam ihm im wahrsten Sinne des Wortes dazwischen und machte ihn rasch zu einem der führenden Sänger an der Wiener Staatsoper.

79 Rollen hat Waldemar Kmentt im Haus am Ring verkörpert; an 1480 Abenden stand er auf der Bühne "seines" Hauses. Er, der gebürtige Wiener, der sein Operndebüt 1951 als Prinz in Prokofjews "Die Liebe zu den drei Orangen" gab. In der Volksoper versteht sich, dem Ausweichquartier der zerstörten Wiener Staatsoper. Doch bereits am 5. November 1955 war der lyrische Tenor erstmals am Ring zu hören: Als Jaquino in Beethovens "Fidelio" neben Irmgard Seefried und unter der Leitung von Karl Böhm – die Wiederöffnung der "neuen" Staatsoper.

An diesem Haus wurde Kmentt Mitglied des legendären Mozart-Ensembles, allein 89 Mal sollte er den Tamino ("Zauberflöte") singen.

Aber auch Rollen wie Belmonte ("Entführung"), Ferrando ("Così"), später auch Lenski ("Eugen Onegin"), Hans ("Die verkaufte Braut") oder die Titelpartien in "Hoffmanns Erzählungen" oder Strawinskys "Ödipus Rex" zählten zu Kmentts Repertoire. Und natürlich – gegen Ende einer langen Karriere – der Haushofmeister in "Ariadne auf Naxos" von Strauss.

Diese Partie sang Kmentt auch an der New Yorker MET, mit dieser Partie nahm er am 25. November 2005 Abschied von "seiner" Staatsoper. Dass der langjährige Leiter der Opernschule des Konservatoriums der Stadt Wien auch an der Volksoper, der Mailänder Scala oder bei den Bayreuther Festspielen gern gesehener Gast war, versteht sich. Dass der Kammersänger Kmentt sein Können an Schüler weitergab ebenso.

Am 21. Jänner ist Waldemar Kmentt in seiner Geburtsstadt Wien für immer verstummt.

Die heimische Kulturpolitik hat sich am Mittwoch betroffen vom Tod des Opernsängers Waldemar Kmentt gezeigt. "Seine gesanglichen und schauspielerischen Darbietungen haben Generationen für diese Kunst vereinnahmt und durch seine einprägsame Stimme eröffnete er für viele den Weg zur Musik", beschied Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) in einer Aussendung.

Isabella Leeb, Kultursprecherin der Wiener ÖVP, konstatierte: "Mit dem Tode von Waldemar Kmentt ist eine große Künstlerpersönlichkeit diese Stadt für immer verstummt." Waldemar Kmentt sei als Ensemblemitglied der Staatsoper einer der treuesten Tenöre dieses Landes gewesen.

Auch der ORF gedenkt des Kammersängers: Am Sonntag (25. Jänner) ist ihm im Rahmen der "matinee" gegen 10.35 Uhr auf ORF 2 der Beitrag "Der Kmentt gab stets sein Bestes. Waldemar Kmentt zum Gedenken" gewidmet. Ö1 stellt bereits am Donnerstag die Ausgabe der Sendereihe "Apropos Musik" ab 15.05 Uhr ins Zeichen des im Alter von 85 Jahren verstorbenen Sängers.