Kaiser Chiefs mit runderneuertem Sound

Ricky Wilson beim Bilbao-Live-Festival: Der Sänger der Kaiser Chiefs half diesmal beim Songwriting mit und schrieb den Text zu "Heard It Break", einem zynischen Liebeslied.
Foto: epa

Interview: Vor ihrem Auftritt beim FM4-Frequency (18. August) haben sich die Kaiser Chiefs für die neue CD von Psychedelic inspirieren lassen.

In der Musiker-Lounge backstage beim Bilbao-Live-Festival ist die Stimmung prächtig: Gestern haben Coldplay ein fantastisches Konzert gespielt, gerade eben Kasabian und in einer Ecke feiert ein Crewmitglied von Suede Geburtstag. Nick Hodgson, Schlagzeuger und Songwriter der Kaiser Chiefs, hat trotzdem plötzlich traurige Augen. Im KURIER-Interview ist das Gespräch auf "If You Will Have Me" gekommen, auf jenen Song der neuen Kaiser-Chiefs-CD "The Future Is Medieval", in dem er sich an seinen todkranken Vater wendet. "Es sieht nicht gut aus. Ich habe ihm den Song vorgespielt, aber ich weiß nicht, was er noch mitkriegt. Ich hoffe, er hat ihn verstanden, aber sicher bin ich nicht."

Mittelalter und Folter-Museum

Nicht nur in diesem Song sind Tod und Vergänglichkeit ein Thema. Hodgson philosophiert anderorts darüber, was man tun würde, wenn man wüsste, dass man nur mehr 24 Stunden zu leben hat. Und darüber, wie man mit nichts auf die Welt kommt und genau so wieder geht. "Die Krankheit meines Vaters war immer in meinem Kopf, während ich diese Songs geschrieben habe", erklärt er. "Aber oft beschäftige ich mich auch ironisch mit dem Tod und den dunklen Seiten der Menschheit. Denn ich liebe Folter-Museen und Romane über Verbrechen."

So ist der Song "Coming Up For Air" nach einer Novelle von George Orwell benannt und "Child Of The Jago" nach einem Buch aus dem Viktorianischen Zeitalter: "Ich habe mir in Shoreditch in London ein Studio gebaut, und dieser Roman spielt genau dort - vor 100 oder 150 Jahren, als der Stadtteil voll mit Verbrechern war. Ich fand das sehr passend."

Den Album-Titel "The Future Is Medieval" - eine Phrase aus einem Gedicht von Dean Wilson - nahm Hodgson als Album-Titel, weil er einerseits auf die Themen hinweist, andererseits mit dem Wort Zukunft auch andeutet, dass die Kaiser Chiefs ihren Sound jetzt runderneuert haben.

Dankbar für "Ruby"

Ricky Wilson beim Bilbao-Live-Festival: Der Sänger der Kaiser Chiefs half diesmal beim Songwriting mit und schrieb den Text zu "Heard It Break", einem zynischen Liebeslied. Foto: epa Ricky Wilson beim Bilbao-Live-Festival: Der Sänger der Kaiser Chiefs half diesmal beim Songwriting mit und schrieb den Text zu "Heard It Break", einem zynischen Liebeslied.

Zu den gewohnten markanten Gitarrenriffs gesellen sich auf dem vierten Album der Briten Keyboard-Geblubber, Synthesizer und hie und da Streicher. "Wir haben drei Alben im Stil von ,I Predict A Riot' gemacht", erklärt Hodgson. "Das ist genug."
Dass der Wunsch nach Veränderungen mit dem Superhit "Ruby" zu tun hat, der die Alternative-Band 2006 in den Mainstream katapultierte, das Stammpublikum aber verärgerte, verneint Hodgson: "Wir sind nach wie vor dankbar für ,Ruby'. Wie die Leute abgehen, wenn wir das live bringen, ist fantastisch. Trotzdem darf man nicht stehen bleiben. Wenn sich eine Band nicht weiterentwickelt, kann sie nicht überleben."

FM4 Frequency: Kaiser Chiefs eröffnen

Das FM4-Frequency findet heuer von 18. bis 20. August im Green Park von St. Pölten statt.

Line Up:
Donnerstag

u. a. The National, Beady Eye, Seeed, Jamie Woon, The Vaccines, Kaiser Chiefs, Hurts und The Kooks.

Freitag
u. a. The View, The Kills, Elbow, Kasabian, Deichkind, Feeder, Dropkick Murphys.

Samstag
u. a. Foo Fighters, Anna Calvi, Panic! At The Disco, Friendly Fires und Chemical Brothers.

(kurier / Brigitte Schokarth, Bilbao) Erstellt am
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