Kultur
05.05.2018

Jovanotti kämpft „unbeirrt für die Freiheit“

Der italienische Popstar setzt sich für eine offene Welt ein und sieht sich als Don Quijote.

Don Quijote reitet im Sonnenuntergang, schwingt eine Lanze und bekämpft einen schwarzen Drachen. Als der besiegt ist, zoomt die Kamera auf das Gesicht des Ritters: Es ist das von Jovanotti.

Diesen Cartoon hat der italienische Superstar nicht zufällig an den Beginn seiner Show gestellt. Er sieht sich tatsächlich ein bisschen wie die Romanfigur von Miguel de Cervantes. „Don Quijote ist dieser vollkommen verrückte Mann, der Sachen nie so sehen kann, wie sie sind“, erzählt er im KURIER-Interview nach einer umjubelten Show in Mailand. „Aber er kämpft unbeirrt für Freiheit und Gleichheit. Was ihn dazu antreibt, ist Liebe. Ich finde, das ist eine schöne Analogie.“

Sie passt perfekt zu der Geisteshaltung, die der als Lorenzo Cherubini geborene Rapper und Rock-Star mit seinem jüngsten Album „Oh, Vita!“ und der dazugehörigen Tour transportieren will. Am 19. Juni macht er damit auch in der Wiener Stadthalle Station, und die Fans können sich auf eine bunte, lebensbejahende Mischung aus Rap und Rock, Pop, Klavier-Balladen und sogar einem DJ-Set freuen. Mit bombastischen Kronleuchtern, Luftballons und aufblasbaren, tanzenden Figuren ist all das wie eine gigantische Party in Szene gesetzt.

„Es ist mein Job als Entertainer, den Leuten ein wunderbares Gefühl und einen Riesenspaß zu geben. Das ist doch, worum bei Rock ’n’ Roll geht: In Massen zusammenzukommen und gemeinsam zu feiern – egal von welcher Partei, aus welcher Religion und aus welcher Ideologie jemand kommt. Rock ’n’ Roll ist diese Freiheit, und deshalb ist für mich die beste Kreation des vergangenen Jahrhunderts.“

Immer schon hat sich Jovanotti, der alle musikalischen Stile zwischen Singer-Songwriter und Hip-Hop bedient, für diese Freiheit eingesetzt und sich dabei immer speziell gegen Rassismus gewandt. „Für mich ist das so natürlich wie das Atmen. Denn ich bin in einer offenen Welt aufgewachsen, wo Unterschiede als Bereicherung und nicht als Problem gesehen werden.“ Dass er trotzdem in Zeiten, in denen diese Werte in Gefahr sind, mit „Oh, Vita!“ eine Platte veröffentlicht hat, die kaum politisch ist, und stattdessen die positiven Seiten des Lebens zelebriert, haben ihm manche übel genommen.

„Dann bin ich dumm“

Damit kann der 51-Jährige aber gut leben: „Sie sagen, das ist dumm. Okay, dann bin ich halt dumm. Aber es war eine ganz bewusste Entscheidung, als ich mit dem Album begann: Ich fragte mich, was ist in dieser Situation das Beste, was ich tun kann? Und ich dachte, ich habe mehr Talent dafür, das Leben zu feiern, als das Schlimme breitzutreten. Denn all das Schlimme, das wir heute in den Medien sehen, ist ja auch nur ein Teil der Welt. Es gibt auch einen anderen, wo Menschen ein einfaches Leben führen, Träume haben und Kinder in die Welt setzen. Wenn wir heute Konzerte spielen, gehen jeden Nachmittag Spürhunde durch die Halle, die nach Sprengstoff suchen. Aber wenn wir schon so leben müssen, dann will ich auch, dass die Leute dann zwei Stunden kriegen, in denen sie all das vergessen und sich frei und vom Leben gesegnet fühlen. Wenn sie voll Freude aus meinen Shows kommen, ist in ihren Herzen kein Platz mehr für Hass. Genau das will ich erreichen.“

Auch für Wien hat sich Jovanotti diese Mission auf die Fahnen geschrieben. Denn er liebt diese Stadt. Sie ist „bellissimo, bellissimo!“ Sein Lieblingsplatz ist das Schmetterlingshaus im Burggarten. „Ich habe das meiner Tochter gezeigt, als sie noch klein war. Wir waren zwei Mal dort und fanden es beide magisch. Außerdem ist Wien das Tor zwischen Ost- und Mitteleuropa – eine Stadt, in der so viele verschiedene Elemente auf eine gute Art zusammenkommen.“