Kultur
02.11.2015

Josef Hader und die "Wilde Maus"

Der Schauspieler und Kabarettist dreht im und um den Wiener Prater sein Regiedebüt. Fotos vom Set.

Der Wiener Praterstern am Freitagmorgen: Vor einer dröhnenden Kulisse an Verkehrslärm drischt ein junger Japaner lautlos mit einer Küchenrolle auf ein geparktes Auto ein, immer und immer wieder. Nach mehreren Probe-Durchgängen wechselt er zur Bratpfanne, und es wird laut. Die skurrile Szene ist Teil von Josef Haders Regiedebüt "Wilde Maus", das seit vier Wochen in und um den Prater gedreht wird.

"Das ist eine alte Rechnung, die da gerade beglichen wird", erläutert Hader im APA-Gespräch in einer kurzen Drehpause. In der von ihm geschriebenen und inszenierten Tragikomödie verkörpert der Kabarettist und Schauspieler den Musikkritiker Georg, der nach seiner Entlassung aus Wut "kleine Terrorakte gegenüber seinem Chefredakteur" verübt, mit einem alten Schulfreund eine alte Achterbahn renoviert und "in eine gnadenlose Abwärtsspirale" gerät. "Rache ist ein gewisses Grundmotiv in dem Film", so Hader. "Und Georg ist einer, der auf recht unbeholfene Weise versucht, Rache zu üben. Aber schlussendlich wird auch er zum Racheopfer."

Denn der Renault, dessen Scheiben da gerade vom wutentbrannten Sushikoch eingeschlagen werden, gehört Georg. Und der schaut aus der Ferne recht gefasst zu, holt dann seine Habseligkeiten aus dem demolierten Kofferraum und zieht von dannen. Sobald die Kamera läuft, ist die Anspannung am Set: Es ist das einzig verfügbare Auto und damit auch die einzige Chance, die Szene in den Kasten zu bekommen. Der 22-jährige Komparse Taro Morikawa war davor dementsprechend nervös, wie er der APA erzählt - und mittendrin überrascht, als die Scheiben wegen einer nicht bedachten Sicherheitsfolie nicht wie geplant zersprungen sind. "Ich habe erst jetzt gemerkt, wie schwierig es ist, ein Auto zu zerstören."

Bilder von den Dreharbeiten

Bilder vom Dreh "Wilde Maus"

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Josef Hader

SETBESUCH ANL. DREHARBEITEN "WILDE MAUS": JOSEF HA

Josef Hader

SETBESUCH ANL. DREHARBEITEN "WILDE MAUS": JOSEF HA

Josef Hader

Josef Hader

Josef Hader

Josef Hader

Josef Hader

Hader ist keine erhöhte Anspannung anzumerken, wenn er auch für "Wilde Maus" erstmals die Doppelfunktion von Hauptdarsteller und Regisseur übernimmt. "Ich habe mir das im Vorfeld sehr schwierig vorgestellt, während des Drehs ist es aber gar nicht so schwer", sagt Hader im APA-Gespräch. Der Neo-Regisseur arbeitet kollektiv, berät laufend mit seinen Mitarbeitern und Co-Darstellern - darunter neben Georg Friedrich als Schulfreund auch Pia Hierzegger als unwissende Ehefrau, Maria Hofstätter, Jörg Hartmann oder Denis Moschitto.

"Es gilt eigentlich für alle Abteilungen, dass ich in der luxuriösen Lage bin, mir von sehr talentierten Menschen Vorschläge machen zu lassen und eigentlich nur mehr entscheiden muss, was für den gesamten Film besser sein könnte", so Hader. "Ich bin das Gegenteil von einem Kontrollfreak. Mir geht's nicht darum, das Drehbuch, das ich geschrieben habe, möglichst so zu verfilmen wie ich mir es in meinem Kopf vorstelle, sondern ich versuche, loszulassen und zu schauen, was in der Zusammenarbeit mit den Schauspielern und allen anderen entsteht. In der tiefen Überzeugung, dass das besser ist als die Ideen, die ich mir in meinem Kammerl gemacht habe."

Noch bis 21. November wird in Wien und Niederösterreich gedreht, der Kinostart wird für Februar 2017 angepeilt. Als Racheverüber hat Hader alias Georg bisher bereits "ein Cabrio aufgeschnitten und zerkratzt und eine Fensterscheibe eingehauen - sehr harmlose Sachen eigentlich". Die "Wilde Maus" im Film ist dann auch die tatsächliche "Wilde Maus" im Prater. "Das ist sehr praktisch, dass es die gibt, sonst hätten wir uns den Film wahrscheinlich nicht leisten können", lacht Hader. Auch bei den zerstörten Autos wird gespart, "so Renaults bekommt man für 3.000 Euro, und nachdem wir vier Wochen damit gedreht haben, sage ich auch: Zurecht."

Steht Hader gerade selbst vor der Kamera, hört man seinen Regieassistenten und Vertrauensmann Hanus Polak Regieanweisungen geben. Der gebürtige Tscheche arbeitet regelmäßig mit Wolfgang Murnberger, kennt Hader daher von den legendären Brenner-Verfilmungen und hat nun in "Wilde Maus" selbst einen kurzen Auftritt. Bei der Szene am Praterstern spielt er einen Taxifahrer, der die Szene mit seinem Handy aufnimmt. "Das sind die schwersten Rollen", versichert Hader seinem Kollegen mit Augenzwinkern. Mehr als 20 Crewmitglieder wuseln an diesem Tag um ihn herum, lotsen Sightseeing-Busse durch die teils mit Filmequipment blockierte Nebenfahrbahn und halten Schaulustige fern. "Jö schau, der Herr Hader!", hört man nämlich immer wieder. So oft, dass selbst Herr Hader zwischendurch schon mal Ruhe einmahnt.