Jonas Kaufmann mit großartigem Comeback

Oper
Foto: /Bayerische Staatsoper/Wilfried Hösl Zurück in der Oper: Jonas Kaufmann.

Giordanos "Andrea Chénier" mit Jonas Kaufmann und Anja Harteros in München.

Er ist wieder da. Nach seiner mehrmonatigen Stimmbanderkrankung bangte man doch um ihn. Aber nach seinem Lohengrin-Debüt in Paris und einem Kurzauftritt am Wiener Opernball singt Jonas Kaufmann auch wieder in München, und zwar den Titelhelden in Umberto Giordanos "Andrea Chénier", eine Verismo-Oper, die erstmalig an der Bayrischen Staatsoper zu sehen ist.

Und wie er diese Rolle, die er erst einmal in London gegeben hat, singt: Vielleicht anfänglich noch etwas steif in der Phrasierung, ist er sonst mit seinem samtigen, noch stärker baritonal klingenden Timbre, viel Schmelz und seinen einzigartigen Piani im Vollbesitz seiner stimmlichen Kräfte.

Traumpartnerin

Übertrumpft wird er diesmal aber trotzdem von Anja Harteros, seiner Münchner Dauerpartnerin. Bei ihrem Rollendebüt als Maddalena wirkt sie anfänglich sehr mädchenhaft, zeigt große Gefühle, reiche Nuancen und alle Spitzentöne. Ihre große Arie "La mamma morta" wird zum Ereignis!

Luca Salsi ist mit seinem kernigen, kräftigen Bariton der Dezibelsieger aber durchaus zu weicheren Tönen fähig und kann mitreißend die innere Zerrissenheit des Gérard darstellen.

Aus den Nebenrollen ragen J’Nai Bridges (Bersi), Elena Zilio (Madelon), Kevin Conners (Incroyable), Tim Kuypers in Joker-Maske (Mathieu) und Andrea Borghini (Roucher) heraus. Untadelig singt auch der Chor.

Omer Meir Wellber liebt den großen Sound und lässt das Bayrische Staatsorchester mit saftiger Dramatik, aggressiven und manchmal lauten, knalligen Revolutionsklängen immer extrem spannend musizieren. Es sind jedoch fallweise auch subtile Farbnuancen aus dem Graben zu vernehmen.

Regisseur Philipp Stölzl hat gemeinsam mit Heike Vollmer für die Bühne wieder ein, zumindest von den Salzburger Osterfestspielen aus 2015 ("Cavalleria/Bajazzo") schon bekanntes, mehrstöckiges Setzkastenmodell bauen lassen. Es sind mehrstöckige, kleingliedrige und aufwendige Guckkästen, die auch seitlich verschoben werden können, wo in vielen Räumen Parallelhandlungen stattfinden.

Bilderflut

Es ist eine mit Figuren in historischen, üppigen Kostümen ausgestattete, reiche Bilderflut, eine Welt im Querschnitt mit simpler Symbolik. Die hohle Welt des Adels wird mit der Armut des Pöbels gekonnt kontrastiert. Denn zuerst lebt der sehr dekadent gezeigte Adel in den oberen Etagen, während die geknechtete Dienerschaft und die Armen in katakombenartigen Kellergeschossen elendiglich eingepfercht dahinvegetieren. Nachdem sich durch die Revolution die Welt und die Herrschaftsverhältnisse gedreht haben, ist dies genau umgekehrt.

Immer wieder lässt Stölzl die Bilder einfrieren. Man merkt seiner Inszenierung an, dass er vom Film kommt, weswegen auch die Verwandlungen schnell stattfinden. Seine Personenführung ist detail- und ideenreich, auf Grund der Vielschichtigkeit ist es unmöglich, alles zu beobachten. Sie wird besonders in der Tribunalszene drastisch. Vieles wird sehr berührend gestaltet, wie etwa das Abschiednehmen zwischen den Liebenden.

Das Publikum tobte bei den Sängern, für die Regie gab es doch auch einige Buhs!

(kurier) Erstellt am
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