Kultur 27.12.2012

Johann Strauß live von Bhutan bis Tonga

Die Wiener Philarmoniker spielen unter Franz-Wesler Möst elf neue Werke - auch von Verdi und Wagner.

Bhutan. Kuba. Panama. Tonga. Das sind nur einige der neuen Partner der Wiener Philharmoniker, die das Neujahrskonzert aus dem Wiener Musikverein live übertragen. Insgesamt zeigen 81 Länder den musikalischen Jahresauftakt aus Wien – doppelt so viele wie vor zehn Jahren. Erstmals überträgt auch das chinesische Staatsradio live und in Korea wird das Konzert in Kinosälen gezeigt. Der ORF sendet am 1. Jänner live um 11.15 Uhr in ORF 2 und Ö1, ORF III wiederholt das Konzert um 20.15 Uhr.

Botschaften von „Freundschaft und Frieden“ sollen damit übermittelt werden, betonte Clemens Hellsberg, Vorstand der Wiener Philharmoniker, bei der Pressekonferenz zum Neujahrskonzert am Donnerstag. Auf dem Programm stehen heuer elf neue Werke, darunter Richard Wagners Vorspiel zum Dritten Aufzug des „Lohengrin“ und Giuseppe Verdis Ballettmusik aus dem „Don Carlo“. Der Grund ist neben dem 200. Geburtstag der Komponisten auch deren besondere Beziehung zur Strauß-Dynastie, erläuterte Hellsberg. Man habe einander „bewundert und verehrt“.

Vorurteile

Das Programm beinhaltet außerdem sieben in diesem Rahmen noch nicht gespielte Strauß-Werke, darunter das Spätwerk „Hesperusbahnen“. Man wolle „zeigen, welchen Rang die Strauß-Familie in der Musikgeschichte einnimmt“, denn: „Man hört über keinen anderen Komponisten soviel Blödsinn!“

Mit dem Vorurteil, Strauß sei „leicht“, muss sich auch Franz Welser-Möst, Dirigent des Neujahrskonzerts, oft auseinandersetzen. 2013 wird das Konzert zum zweiten Mal nach 2011 von Welser-Möst, Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper und Music Director des Cleveland Orchestra, geleitet. Oft werde er gefragt, ob er das Neujahrskonzert überhaupt proben müsse, sagte Welser-Möst, und er brachte einen Vergleich: Ein „normales“ Symphoniekonzert beinhalte rund 20 verschiedene Melodien und ebenso viele Tempi, das Neujahrskonzert dagegen 200 verschiedene Melodien und 200 verschiedene Tempi: „Das bedeutet: alle 20 Sekunden kann etwas schiefgehen! Die Leute glauben immer, das sei so einfach. Es soll leicht und natürlich klingen – aber genau das ist so schwer.“ Warum er sich dennoch entschieden habe, so viel Neues zu spielen? „Ich bin ein neugieriger Mensch.“

Vorwürfe

Zu den vom Grünen-Bildungssprecher Harald Walser erhobenen Vorwürfen, die Philharmoniker würden sich nicht genügend mit ihrer Vergangenheit im Nationalsozialismus auseinandersetzen, vermutete Hellberg, es gehe um „politisches Kleingeld.“ Es liege „im Wesen der Wissenschaft, immer Neues zu finden“. Im Zuge der bis zum Sommernachtskonzert (30. Mai) laufenden Neugestaltung der Philharmoniker-Website werde man dem Thema mehr Platz einräumen, schon am 12. März werde es eine Online-Veröffentlichung geben. Zudem gebe es 2014 „in diesem Zusammenhang etwas Gemeinsames“ mit der Staatsoper.

( Kurier ) Erstellt am 27.12.2012