Kultur 05.12.2011

Jill Scott: Eine Detektivin mit R&B

R&B-Sängerin Jill Scott ist die Heldin der Serie "Eine Detektivin für Botswana" (Donnerstag, 11. August, 20.15 Uhr, ARTE).

Sie ist: "Sexy. Aggressiv. Smart. Schwach. Böse. Eine Person, eben." Einführende Worte von und über Jill Scott auf ihrem jüngsten Album "The Light Of The Sun".

Sie ist nicht: Das, was man sich unter einer Kommissarin vorstellt. Die R&B-Sängerin Jill Scott sieht in ihrer Rolle Precious Ramotswe eher aus wie eine afrikanische Mama. Sie ist "Eine Detektivin für Botswana", in der von BBC und dem US-Abosender HBO koproduzierte gleichnamigen Serie, die nun auf ARTE zu sehen ist. Romanvorlage sind die Krimis von Alexander Mc Call ("Das verhängnisvolle Bett") .

Erste Privatdetektivin in Botswana

Detektivin Precious Ramotswe ist eine ungewöhnliche Figur. Die Tochter eines Rinderzüchters fasst nach dem Tod ihres Vaters und nach der traumatischen Erfahrung ihrer Ehe mit einem gewalttätigen Mann den Entschluss, nach Gaborone, der Hauptstadt Botswanas, zu ziehen und dort eine Detektei zu eröffnen: Die "No.1 Ladies' Detective Agency" (so auch der Originaltitel) - weil sie der einzige weibliche Privatdetektiv in Botswana ist. Precious Ramotswe ist eine auffällige Erscheinung - bei der Eröffnung ihrer Detektei muss sie sich den Kommentar einer Passantin anhören, dass ein Elefant es leichter hätte, sich zu tarnen.

Dafür bringt sie andere Qualitäten mit, die für den Detektivberuf unverzichtbar sind: Beobachtungsgabe, Intelligenz, Sinn für Gerechtigkeit - und geradezu unermüdliche Hartnäckigkeit.

Aufgewachsen im Ghetto von Philadelphia

Eine Detektivin für Botswana: Precious Ramotswe (Jill Scott) und ihr Freund und Ratgeber JLB Matekoni (Lucian Msamati) diskutieren einen Fall
© Bild: ARTE / HBO

Letzteres dürfte Darstellerin Jill Scott wahrscheinlich mit ihrer Figur Precious Ramotswe gemeinsam haben. Denn die Karriere wurde der Enddreißigerin nicht in die Wiege gelegt.
Scott wuchs bei ihrer Großmutter in den Gettos von Philadelphia auf. Ihre Künstlerkarriere begann, als sie mit 14 eigene Gedichte schrieb. Ermuntert durch den Zuspruch ihrer Lehrerin, trat sie bei Lesungen auf. Questlove, der Drummer der Hip-Hop-Band "Roots", hörte sie bei einer ihrer Spoken-Word-Veranstaltungen und ermutigte sie, ihre Poesie in Liedtextform zu bringen. Gemeinsam schrieben sie den Song "You Got Me".

Der Song, von The Roots und Erykah Badu vorgetragen, avancierte zum Welthit und bekam 1999 den Grammy für die beste Rap-Performance des Jahres. Kurz darauf erschien ihr mit Platin ausgezeichnetes Debüt "Who is Jill Scott?" Der programmatische Titel hält, was er verspricht - gleich im ersten Lied, erfährt man, was es mit Jill Scott auf sich hat: Liebe, Poesie, Inspiration. Musikalisch ist sie irgendwo zwischen dem Neosoul einer Eryka Badu und Lauryn Hill daheim, ihr Stil mäandert zwischen zwischen Jazz, Soul und R&B, gemischt mit langsamem, sexy Hip-Hop.

Mehr als zehn Jahre, etliche Alben und einen Gedichteband ("Jill's Book of Poetry: The Moments, the Minutes, the Hours") später ist Scott dreifache Grammy-Preisträgerin.
Am 30. August erscheint Jill Scotts neues Album "From the Vault". Unter anderem mit einer Coverversion von Bill Withers' Welthit "Lovely Day".

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011