Kultur
20.08.2017

Jerry Lewis im Alter von 91 Jahren gestorben

Die Filmlegende starb friedlich in seinem Haus in Las Vegas im Beisein seiner Familie.

Der US-Komiker Jerry Lewis ist im Alter von 91 Jahren gestorben.

Lewis starb am Sonntag im Alter von 91 Jahren in Las Vegas, berichtete die Lokalzeitung "Las Vegas-Review-Journal" sowie "Variety". "Der berühmte Komiker, Schauspieler und legendäre Entertainer Jerry Lewis ist heute friedlich im Alter von 91 in seinem Haus in Las Vegas im Beisein seiner Familie gestorben", hieß es in der Mitteilung. Laut seiner Sprecherin, Candi Cazau, war der Todeszeitpunkt 09.30 Ortszeit (18.30 MESZ).

Lewis & Dean Martin

Lewis wurde am 16. März 1926 als Joseph Levitch in Newark, New Jersey geboren. Berühmt wurde er durch seine Filme, die er gemeinsam mit Dean Martin drehte. Bis 1956 entstanden 16 Spielfilme, dann folgte die Trennung. Sie sprachen dann 20 Jahre kein Wort mehr miteinander. Nach der Versöhnung schrieb Lewis das Buch "Dean and Me - A Love Story". Martin sei für ihn "der große Bruder, den ich nie hatte" gewesen, erzählte Lewis einst dem Magazin "GQ". Sie waren das perfekte Duo: Der gut aussehende Martin in der Rolle des seriösen Charmeurs, Lewis als blödelnder Kindskopf und tollpatschiger Clown. "Sie waren wie Rockstars, bevor es Rockstars gab", schrieb die "New York Times". Und landeten damit im Olymp des Unterhaltungsgeschäfts: Von Charlie Chaplin holte sich Lewis Tipps für das Schneiden seiner Filme, und der alternde Stan Laurel erzählte ihm viele Abende lang von seinen Frauengeschichten.

Lewis widmete sich danach dem Drehbuchschreiben und führte auch Regie. Von 1957 bis 1959 hatte er im Fernsehen seine eigene „The Jerry Lewis Show“. Im Film feierte er Soloerfolge wie z.B. in "Der verrückte Professor". Lewis spielte in mehr als 80 Kino- und Fernsehfilmen und führte Regie in über einem Dutzend anderer. Doch nicht auf all seine Arbeit war er stolz.

Sein Film über einen deutschen Zirkusclown, der nach einem abfälligen Kommentar über Adolf Hitler ins Konzentrationslager kommt, wo er jüdische Kinder erst zum Lachen bringt und sie dann in die Gaskammern führen soll, kam nie an die Öffentlichkeit. Der 1972 gedrehte „The Day The Clown Cried“ galt lange als Kino-Mythos und Film-Phantom. In einem Dokumentarfilm des deutsch-australischen Grimme-Preisträgers Eric Friedler, der 2016 zu Lewis' 90. Geburtstag ausgestrahlt wurde, äußerte er sich erstmals ausführlich dazu. Er sei mit dem Filmprojekt gescheitert. „Ich habe schlechte Arbeit abgeliefert, als Autor, als Regisseur, als Schauspieler, als Produzent. Bei meinem Versuch, dieses große Menschheitsverbrechen von der Realität in die Fiktion hinüberzubringen, besetzten die Gräuel mein ganzes Denken und Fühlen.“ Der Misserfolg beschäftigte Lewis so sehr, dass er mehr als zehn Jahre lang keinen Film mehr drehte. Am Ende hat er seinem Ruf aber kaum geschadet.

Seine Karriere fasste der Künstler einst so zusammen: "Ich hatte großen Erfolg damit, ein totaler Idiot zu sein." Sein Schlüssel sei seine Kindlichkeit gewesen. "Ich schaue durch Kinderaugen auf die Welt, weil ich neun bin", sagte Lewis der Nachrichtenagentur Reuters in einem Interview im Jahr 2002. "Ich blieb so. Ich machte Karriere damit."

Lewis war zweimal verheiratet und adoptierte, nach sechs Söhnen mit seiner ersten Frau, 1992 mit seiner zweiten Frau eine Tochter.

Ehren-Oscar

Für seinen Einsatz im Kampf gegen Armut und Krankheiten bekam Lewis 2009 einen Ehren-Oscar, der Medienberichten zufolge in seinem Haus in Las Vegas auf einer Plattform oberhalb eines Fernsehers stand. Auf Knopfdruck rotierte er.

Bis heute sei Lewis seiner Zeit voraus, lobte ihn einmal Regie-Star Martin Scorsese, und Komiker-Kollege Jerry Seinfeld feierte ihn als die „Essenz aller Comedy“. „Wenn man Jerry Lewis nicht versteht, versteht man Comedy nicht.“

Der letzte Film, in dem er zu sehen war, war der englische Thriller The Thrust aus dem Jahr 2016.