Lewis war ein Slapstick-Akrobat und herausragender Stimmkünstler.

© DEUTSCHE KINEMATHEK (üBER OEFM)/Viennale

Viennale-Retrospektive
10/19/2013

Jerry Lewis: König der Komödie

Große Werkschau von Jerry Lewis im österreichischen Filmmuseum.

von Alexandra Seibel

In einem Interview mit Regisseur Peter Bogdanovich erzählt Jerry Lewis, wie er das erste Mal in seinem Leben ein Publikum zum Lachen brachte. Er war damals gerade fünf Jahre alt. Seine Eltern – russische Juden, die beide als Performer in der Showbranche arbeiteten – ließen ihn in einem schwarzen Smoking vor Publikum auftreten und das Lied „Brother, Can You Spare a Dime“ singen – der große Hit von 1931. Die Leute waren begeistert. Als sich der kleine Sänger verneigte, stieß er mit dem Fuß gegen einen Scheinwerfer, der sofort explodierte. Vor Schreck fing das Kind an zu weinen – und die Leute brüllten vor Lachen: „Da wusste ich, was ich für den Rest meines Lebens zu tun hatte: stolpern, ausrutschen, hinfallen.“

Natürlich tat Jerry Lewis, Hollywoods „King of Comedy“ und Schusselheld unzähliger halsbrecherischer Komödien, weit mehr als nur „stolpern, ausrutschen, hinfallen.“ Als Meister der grotesken Körperkomik lässt er sich locker in die Tradition großer Hollywood-Komiker wie Chaplin, Keaton, und Laurel & Hardy einreihen.

Slapstick-Akrobat

Das haben speziell die cinephilen Franzosen der Nachkriegsfilmkritik erkannt. Sie hoben Lewis – der in Amerika trotz seiner phänomenalen Publikumserfolge bei der seriösen US-Kritik wenig ernst genommen wurde – in den Olymp großer Filmkunst. Lewis galt ihnen nicht nur als Slapstick-Akrobat und herausragender Stimmkünstler, sondern auch als versierter Filmregisseur und Auteur – mal ganz abgesehen von seinen unglaublichen Fähigkeiten als Sänger und Tänzer.

Im Rahmen der großen Retrospektive der Viennale, die gemeinsam mit dem österreichischen Filmmuseum ausgerichtet wird, gibt es nun (bis 24. November) eine umfassende Werkschau der Originalformate (sprich: 35-mm-Filmkopien) zu sehen. Dazu werden als „Vorfilme“ TV-Ausschnitte aus der „Colgate Comedy Hour“ gezeigt, in der Lewis zwischen 1950 und 1955 gemeinsam mit Langzeitpartner Dean Martin auftrat.

Seine größten Kinoerfolge feierte der Mann aus New Jersey zwischen 1950 und Mitte der 60er-Jahre. Doch er und Dean Martin, mit dem er ab 1946 zehn Jahre lang ein kongeniales Sieger-Team bildete, waren bereits aufgrund ihrer Comedy-Auftritte in Nachtclubs, Radioshows und Fernseh-Gastspiele Stars – schon bevor sie nach Hollywood gingen. Ihre Selbstironie, ihre Spontaneität und ihre manisch-anarchische Komik wirkte wie ein Befreiungsschlag gegen die Benimm-Regeln einer repressiven US-Nachkriegsgesellschaft.

Entfesselt

Die Kunst von Jerry Lewis’ Komik liegt unter anderem in seiner entfesselten Körpersprache, seinem perfekten Timing und der Fähigkeit, sein Gesicht verformen zu können wie ein Stück Teig. Ein falscher Vorbiss, eine lächerliche Hornbrille vor dem Schielauge und eine unerträglich quäkende Stimme wie in seinem Regie-Meisterwerk „Der verrückte Professor“ (1963) – das zeichnet einer seiner berühmtesten Kunstfiguren aus. Ihr wird, wie auch in anderen Lewis-Filmen wie etwa Frank Tashlins „Aschenblödel“ (1960), ein Doppelgänger zur Seite gestellt. Er heißt Buddy Love und tritt immer dann auf, wenn der Professor seinen Zaubertrank trinkt. Als Buddy Love verwandelt sich Lewis vom mitleiderregenden Loser in einen feschen, aber fiesen Angeber und Frauenverführer. Lewis spielt sein zynisches Großmaul mit teuflischem Charisma und der Wendigkeit eines Chamäleons; und wenn der Zaubertrank nachlässt und plötzlich seine Quiek-Stimme wieder ertönt, bleibt einem fast das Herz stehen.

Jitterbug

Zu den Höhepunkten jedes Lewis-Films zählen seine fulminanten Tanzeinlagen. Zuerst beginnt sein Körper zu den Tönen der Musik nur zart zu zucken, als würden ihm leichte Stromschläge verpasst. Doch mehr und mehr schießt der Rhythmus in seine Gliedmaßen und macht aus den typischen Jerry-Lewis-Knick-Knien elastische Beine. Wie Lewis etwa in „Der sympathische Hochstapler“ (1954) beim Tanzwettbewerb frenetisch den Jitterbug tanzt, als hätte man seine Fußsohlen elektrisiert, ist schlichtweg umwerfend.

Werkschau: Jerry Lewis im Filmmuseum

Jerry Lewis, 1926 als Joseph Levitch in New Jersey geboren, trat von 1946 bis 1956 mit Dean Martin auf, bevor er eine Solo-Filmkarriere begann. Große Film-Hits: „Der Bürotrottel“ und „Der verrückte Professor“. Das österreichische Filmmuseum zeigt bis 24. November im Rahmen der Viennale eine große Werkschau von Jerry Lewis. Die Filme werden teilweise mit Einführungen begleitet. Zur Retro erschien auch ein Katalog.

Programm-Highlights der Viennale 2013

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