Ein Violinsolo als Teil der Handlung: Fuyu Iwaki (Solo-Violine) und Gal James (Jenůfa)

© Oper Graz/Werner Kmetitsch

Intensives Leid, viel Leidenschaft
03/30/2014

Intensives Leid, viel Leidenschaft

Kritik: Am Opernhaus Graz wurde Peter Konwitschnys Inszenierung von Janáčeks "Jenufa" bejubelt.

Mit hochgeschlossenem, schwarzen Kleid, aufrechten Ganges, hager und unerbittlich: Geradewegs zum Fürchten erscheint die Küsterin und bereitet dem ausgelassenen Fest ein jähes Ende. Iris Vermillion spielt diese Partie nicht nur zu Beginn, sondern während der gesamten Oper "Jenufa" von Leoš Janáček, einem der packendsten und genialsten Musikdramen des 20. Jahrhunderts, ungemein bühnenpräsent und atemberaubend intensiv.

Kühl und scharf wie ein Diamant wie auch hochdramatisch in ihren Ausbrüchen singt sie die strenge Frau. Von Peter Konwitschny markant und mit vielen Facetten ungemein stark gezeichnet, weiß sie auch ihr Ringen mit sich vor dem Kindsmord wie auch danach ihr ständiges Zittern am Arm und ihre Zerfahrenheit packend hervorzukehren. Auch das Finale des zweiten Aktes, wenn sie sich am Tisch stehend, expressiv singend das Kleid vom Leib reißt und sich wie zum Sterben hinlegt, während es zu schneien beginnt, blaues Licht die Bühne magisch beleuchtet und das Orchester mit wuchtigen Klängen anfährt, beschert großes Musiktheater.

Szenische Reduktion

Dabei setzen Regisseur Peter Konwitschny und sein Ausstatter Johannes Leiacker in dieser tragischen Geschichte aus dem mährischen Bauernleben des 20. Jahrhunderts auf szenische Reduktion: Ein Tisch mit Stühlen im Vordergrund, um, auf und unter dem sich alles Wesentliche abspielt. Hier versteckt man sich, hier lauscht man, hier balgt man herum wie kleine Kinder. Ein Bett im Hintergrund auf einer drehbaren Scheibe, das ist alles.

Entsprechend den Jahreszeiten bedecken den Boden einmal eine Wiese, dann Schnee oder schließlich gelbe Krokusse. Drum herum ist nichts: Unendliche Weite statt bäuerliche Enge. In diesem stimmigen Ambiente hat der Regisseur die Protagonisten psychologisch scharf gezeichnet und jeden Einzelnen präzise bis ins kleinste Detail virtuos geführt. Ohne die sonst von ihm gewohnten Verfremdungen und Brüche werden die Geschichte und die Charaktere klar und nachvollziehbar präsentiert: ein packendes psychologisches Kammerspiel.

Gesungen wird in der tschechischen Originalsprache, in der Titelpartie besticht Gal James: Sie ist eine ausdrucksstarke Jenufa, manchmal lyrisch kindlich, dann wieder als große Verzeihende zu erleben. Vor allem im Gebet und in ihrem Schlussgesang ist sie fesselnd. Aleš Briscein kann als höhensicherer und intensiver Laca, der anfänglich sehr aggressiv gezeichnet ist, mit seinem ausgesprochen schönen, lyrischen Tenor punkten. Da fällt Taylan Reinhard als Stewa doch etwas ab. Für die alte Buryia wird immerhin die immer noch sehr präsente Dunja Vejzović, die seinerzeit unter Karajan die Kundry (Parsifal) sang, aufgeboten. Tadellos singt der spielfreudige Chor. Die kleineren Partien sind auch alle ordentlich besetzt.

Gespielt wird die sogenannte originale Brünner Fassung aus 1908, die nicht die vom Prager Dirigenten Karel Kovarovic geschaffenen spätromantischen Glättungen enthält. Dirk Kaftan und die Grazer Philharmoniker liefern nach anfänglich zu wenig schwelgerischen Klängen eine Farbenpracht, einen brennenden Spannungsreichtum und feine, lyrische Bögen ab. Fabelhaft auch die Konzertmeisterin Fuyu Iwaki, die ihr Violinsolo als Erscheinung von Jenufa und eingebunden in die Handlung auf der Bühne spielt. Am Ende gab es uneingeschränkten Jubel für eine stimmige Opernproduktion.

INFO: Weitere Termine 3.4. 13.4. (15.00 Uhr), 25.4., 7.5., 17.5., 21.5., 4.6., 6.6., 15.6. (15.00 Uhr)

KURIER-Wertung:

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