APA13690746-2 - 13072013 - SALZBURG - ÖSTERREICH: ZU APA-TEXT KI - "Buhlschaft" Brigitte Hobmeier und Cornelius Obonya als "Jedermann" während der Fotoprobe des Schauspiels "Jedermann" von Hugo von Hofmannsthal am Samstag, 13. Juli, am Salzburger Domplatz. Premiere am 20.7.2013. APA-FOTO: BARBARA GINDL

© APA/BARBARA GINDL

Interview
07/14/2013

Jedermann: "Wir haben Menschen gefunden"

Salzburgs neuer "Jedermann" Cornelius Obonya und die neue "Buhlschaft" Brigitte Hobmeier im Interview.

von Guido Tartarotti

Cornelius Obonya, 44, entstammt einer berühmten Schauspielerfamilie. Sein Vater war Hanns Obonya, seine Mutter ist Elisabeth Orth, Attila Hörbiger und Paula Wessely waren seine Großeltern. Er brillierte im Burgtheater, aber auch in der Ein-Mann-Satire „Cordoba“ im Rabenhof.

Brigitte Hobmeier, 37, stammt aus München. Sie spielte in Peter Steins berühmtem „Faust“-Projekt, arbeitete mit dem ehemaligen „Jedermann“-Regisseur Christian Stückl zusammen, spielt in den Münchner Kammerspielen Rollen von Tschechow, Jelinek oder Horvath und wird dafür regelmäßig hoch gelobt. Wie auch Obonya tritt sie häufig auch in Filmen und Fernsehproduktionen auf.

Ein – per eMail geführtes – Doppelinterview über die Zumutungen von Tod und Leben, über den Druck in der Kehle und die Angst vor dem Alleine-gehen-Müssen, über berühmte Vorgänger und das öffentlichen Interesse, über die Farbe des Kleides und Gemeinsamkeiten mit dem Papst.

KURIER: Frau Hobmeier hat den Probenprozess unlängst so beschrieben: „Wir sind auf der Suche. Wir arbeiten sehr körperlich. Und es wird auch Gesang geben.“ Was haben Sie inzwischen gefunden? Inwiefern ist das Spiel besonders „körperlich“? Und wie passt Gesang in die Handlung?

Cornelius Obonya: Ich denke, wir haben Menschen gefunden. Jedermann stirbt und das sehr schnell. Er hat noch eine Stunde. Diese Angst des Alleine-gehen-Müssens, die hab’ ich entdeckt. Was den Gesang betrifft, so ist er in die Handlung eingebunden und unterstützt so diese. Und körperliches Spiel gehört auf dieser Bühne dazu.

Wie würden Sie die Arbeit mit Julian Crouch und Brian Mertes beschreiben? Inwiefern ist sie anders als mit anderen Regisseuren?

Obonya: Nun, es werden zuerst Bilder erzeugt, die die beiden bereits fertig haben. Das ist ungewöhnlich, da ich es eigentlich gewohnt bin, von innen heraus zu erfinden während der Proben. Aber so geht es auch. Und dann ist man sehr aufgehoben bei den beiden, sich innerhalb dieser Bilder zu entfalten.

Brigitte Hobmeier: Wir haben seit Ende Mai ein Repertoire an Tänzen und Liedern erarbeitet, und nun auf dem Domplatz picken sich die beiden Regisseure aus einem großen Pool an Möglichkeiten das heraus, was ihrer Meinung nach das Beste für den Verlauf des Stück ist. Diese prozessorientierte Arbeitsweise ist sehr spannend für mich. Aber wenn Sie mich im Allgemeinen fragen, mir ist noch nie ein Regisseur begegnet, der einem anderen gleicht, weder in seiner Arbeit noch in seinem Wesen.

Sven-Eric Bechtolf kündigte an, der Jedermann werde mehr zu seinen mittelalterlichen Wurzeln zurückgeführt, weniger katholisches Weihespiel sein. Ist das so? Wie sieht das konkret auf der Bühne aus?

Obonya: Das möchte ich nicht genau sagen – ein wenig Überraschung wäre doch gut. Katholisch ist da sowieso wenig dran, eher christlich. Wir versuchen zu zeigen, wie es ist, wenn eine Schauspielertruppe in die Stadt kommt, um eine Geschichte zu erzählen. Es ist wie eine Warnung, was passieren könnte, nicht, wie es sein muss.

Was macht dieses sehr einfache, kurze Stück über die Generationen hinweg so erfolgreich? Weil es zur größten Frage, zur größten Zumutung des Lebens hinführt – zum Tod? Oder doch, weil es ein sommerliches Ritual ist und zu Salzburg gehört wie die Nockerln? Oder beides?

Obonya: Es ist beides. Wenn wir es schaffen, die Gewichtung zugunsten dieser größten Zumutung zu verschieben, dann ist es gut.

Hobmeier: Es gibt Philosophen, die sagen, die größte Zumutung ist nicht der Tod, sondern das Leben. Ich freue mich auf den Augenblick, wenn die Rufer auf den Türmen den Jedermann ausrufen und die Festspiele beginnen!

Darsteller des Jedermann und auch der Buhlschaft werden üblicherweise stets zu religiösen und spirituellen Fragen interviewt und sogar in Talkshows eingeladen, als Experten für Theologie. Das ist doch ungewöhnlich für Schauspieler. Wie erleben Sie das?

Obonya: Das ist ein wenig so, als würde man den Darsteller eines Arztes in einer Serie zu einer OP bitten. Nein, im Ernst, wenn ich zu einer theologischen Debatte gebeten würde, könnte ich immer nur aus meiner Erfahrung oder Situation agieren und reden.

Hobmeier: Ich würde gerne zu einer theologischen Diskussion eingeladen werden, da war ich noch nie! Gerne fahre ich auch nach Rom, unser neuer Papst und ich haben auch Gemeinsamkeiten, wir tanzen beide Tango.

Als Buhlschaft wird man in der öffentlichen Wahrnehmung leicht auf die Farbe des Kleides reduziert, also auf Äußerliches. Wie gehen Sie damit um?

Hobmeier: Ich habe mir eine Perücke gekauft, ich werde Ihnen eher die Farbe meines Buhlschaftskleides verraten als die Farbe meiner Perücke.

Wenn wir schon beim „damit Umgehen“ sind: Wie gehen Sie mit dem enormen öffentlichen Interesse und Druck um? Besteht die Gefahr, dass man zu einem Ausstellungsstück wird?

Hobmeier: Ich erlebe die Menschen nicht als aufdringlich und unangenehm. Wenn wir erkannt werden, dann wird uns ein Lächeln geschenkt, das ist doch etwas Schönes!

Herr Obonya, Sie werden in jedem Interview auf Ihren berühmten Großvater Attila Hörbiger angesprochen, der ebenfalls den Jedermann spielte. War Ihnen das bewusst, als Sie die Rolle angenommen haben? Hatte das Auswirkungen auf Ihre Entscheidung, Jedermann zu spielen?

Obonya: Auswirkungen auf die Entscheidung um Himmels Willen nicht, das wäre fatal. Eine Minute des Gedankens an ihn und ein kurzer Druck in der Kehle. Vor Freude und Respekt.

Darf ich Sie bitten, den anderen kurz zu charakterisieren?

Hobmeier: Es berührt mich jedes Mal wieder, Cornelius zu sehen, wie er mit und um den Jedermann kämpft. Cornelius ist sympathisch, intelligent, präsent und warmherzig!

Obonya: Brigitte ist eine feine, intelligente Kollegin. Lust und Freude pur. Wir spielen nicht miteinander, wir sind miteinander.

Und welche Farbe hat jetzt das Kleid? (Pardon, ein Scherz)

Hobmeier: Wieso nur eins? Ach so, entschuldigen Sie, Sie haben ja nach der Farbe gefragt: kariert!

Erste Eindrücke aus der neuen Inszenierung

"Jedermanns Leben muss reich sein“

Die Neuinszenierung des „Jedermann“ – die erste nach Christian Stückl, der den Stoff ab 2002 überarbeitete – wird von einem Regie-Team verantwortet: Julian Crouch und Brian Mertes.

Der Engländer Crouch kommt vom Kostüm- und Bühnen-Design, bekannt wurde er für seine Puppen. Seine Inszenierungen und Gestaltungen liefen in London und New York mit großem Erfolg. International bekannt machte ihn „Shockheaded Peter“, die Struwwelpeter-Bearbeitung mit Musik von den Tiger Lillies.

Mertes wurde in Texas geboren und wuchs in Kansas auf. Er machte sich einen Namen mit Uraufführungen zeitgenössischer Dramatiker in New York – aber auch als Regisseur von qualitativ wertvollen TV-Serien, etwa „Law And Order“.

Crouch und Mertes wollen den „Jedermann“ auf seine mittelalterlichen Wurzeln zurückführen: „Es ist uns sehr wichtig, den Marktplatz-Charakter des Stücks nicht zu vergessen und uns davon inspirieren zu lassen. Jedermanns Leben muss reich sein, freudvoll, überströmend – auch für das Publikum. Auf dem Weg zu seiner Bekehrung begegnet ihm eine Reihe von sehr kraftvollen theatralischen Figuren. Wir wollen – einer mittelalterlichen Schauspieltruppe gleich – unsere Zuseher mithilfe von Spektakel und Humor in den Bann ziehen.“

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