Jazzfestival Saalfelden mit Elliot Sharp

Elliot Sharp (links) dekonstruiert beim "Electric Willie"-Projekt den Blues von Willie Dixon; und David S. Ware (rechts) reflektiert bei "Planetary Unknown" 100 Jazzgeschichte
Foto: Jazzfest Saalfelden

"Bühne frei" heißt es wieder am nächsten Wochenende im Pinzgau für die Freigeister der Jazz-Improvisation und Neugierigen, die das Unerhörte erwarten.

Didl Dum Didl Dey. Humorvoll und selbstironisch ist die schräge typografische Darstellung musikalischer Lautmalereien auf den Plakaten für das 32. Jazzfestival Saalfelden (25. bis 28. August) gemeint: "Humba Humba Tätarä" und "Holadiria holadioh" sollen daran erinnern, dass die experimentierfreudige Veranstaltung am Anfang von den Einheimischen oft als "Tsching-bummm" abgekanzelt wurde.

Aber die Zeiten haben sich geändert. Intendant Mario Steidl erwartet heuer 15.000 Besucher, setzt beim Programm, für das ein Budget von knapp 700.000 Euro zur Verfügung steht, wieder auf Kontraste und Acts, die Respektlosigkeit im Umgang mit der Jazz-Geschichte erkennen lassen: "Jazz war ja immer schon der Versuch, Genre-Grenzen zu sprengen und etwas Neues hinzuzufügen", so Steidl. "Es geht darum, sich der vielen verschiedenen Stilen - nicht nur aus dem Jazz - zu bedienen und daraus etwas Innovatives zu schaffen."

Eröffnungskonzert mit Max Nagl

Elliot Sharp (links) dekonstruiert beim "Electric Willie"-Projekt den Blues von Willie Dixon; und David S. Ware (rechts) reflektiert bei "Planetary Unknown" 100 Jazzgeschichte Foto: Jazzfest Saalfelden Elliot Sharp (links) dekonstruiert beim "Electric Willie"-Projekt den Blues von Willie Dixon; und David S. Ware (rechts) reflektiert bei "Planetary Unknown" 100 Jazzgeschichte

Max Nagl spielt das Eröffnungskonzert "Eight in one" , das traditionell als Kompositionsauftrag an einen Österreicher vergeben wird. Der innovative Saxofonist aus Oberösterreich erweitert dabei seine Band Big Four mit Steve Bernstein, Noel Akchote und Brad Jones zum Octet, wobei bis zum Schluss ungewiss bleibt, wohin die Reise u.a. mit dem Posaunisten Nils Wogram und dem Akkordeonisten Otto Lechner gehen wird.

Ein Wiederhören gibt es mit dem Trompeter Lorenz Raab und seinem neuen Quartett. Cuong Vu und sein mit gleich zwei E-Bässen besetztes 4-tet nimmt sich bei seinem "Leaps of Faith" -Projekt neben Standards wie "Body And Soul" auch Pop-Songs vor.

Für akustische Überraschungen könnten auch das Chicago Sextett des Norwegers Ingebrigt Haker Flaten und die US-amerikanisch-türkische Kombination KonstruKt & Marshall Allen mit " Vibrations of the Day" sorgen.

Erstaunlich freigeistig setzt sich auch das Quartett mit dem eigenwilligen Namen Trank Zappa Grappa in Varese? beim Projekt "More Light" mit der Ideen- und Klangwelt von Frank Zappa auseinander.

Der Act "Electric Willie" mit Elliott Sharps Terraplane war in Europa live noch nicht zu hören, widmet sich dem Blues-Veteranen Willie Dixon , dekonstruiert die Standard-Formeln dieses Genres und fügt sie zu einer Art Industrial Blues der Neuzeit wieder zusammen.

Der Schlusstag beginnt kammermusikalisch mit dem Schlagzeuger Jim Black , in dessen Trio der junge Salzburger Elias Stemeseder das Piano spielt. Auf Jessica Pavone's Army of Strangers folgt ein kämpferisches Trio: Das Kapital.

Es widmet sich Hanns Eisler und seinen heute wieder sehr aktuell gewordenen politischen Songs wie "Ohne Kapitalisten geht es besser". Fürs Festival-Finale wurde das Trio The Bad Plus - bekannt für jazzige Interpretationen von Songs von Nirvana, Aphex Twin, Queen oder den Bee Gees - engagiert.

Special Guest ist Joshua Redman, der sein Saxofonspiel mit zwei Begriffen beschreibt: Lyrische Qualität und harmonische Klarheit.

Insgesamt gibt es an den vier Festivaltagen 31 Konzerte, davon 15 auf der Hauptbühne im Kongresshaus, sechs in der traditionellen, kammermusikalischen Reihe Shortcuts im Nexus, sechs auf dem Rathausplatz, und vier auf Almen und in Wirtshäusern.

Saalfelden: Musik aus allen Richtungen

Festival: Seit mehr als 30 Jahren locken am letzten Augustwochenende der zeitgenössische Jazz und die Bergwelt tausende Musik-Fans nach Saalfelden.
Das Genre wird vom 25. bis 28. August bei 31 Konzerten in den verschiedensten Stilrichtungen präsentiert. Und Saalfelden versteht sich wie eh und je als Bühne für das Experiment, für das Neue und Ungewöhnliche.

Programm:
Kantige und raue Klänge versprechen heuer u.a. das Trio Dead Kenny G's und das Trio des Pianisten Matthew Shipp. Ein Festival-Höhepunkt: The Bad Plus mit Saxofon-Großmeister Joshua Redman.

Karten Tages-Tickets 27 bis 82 €, Drei-Tagespässe 88 bis 199 €; Tel. 06582/706 60 bzw. www.jazzsaalfelden.com (siehe Link unten)

Mehr zum Thema

(KURIER / Werner Rosenberger) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?