Kultur
22.07.2018

Bühne frei für die Stars von morgen

Soundcloud im Pinzgau - Kost für Neugierige kredenzt das Jazzfestival von 23. bis 26. August

Forever young! Ein altbackenes Programm? Undenkbar beim Jazzfestival Saalfelden (23. bis 26. August) und für Mario Steidl, seit 14 Jahren dessen Intendant: „Die Quintessenz des Jazz ist nicht der Blick zurück, sondern der nach vorne. Außerdem kommt unser Publikum ohnedies in der Erwartung, vor allem Neues zu hören, Neues zu entdecken.“

Verzichtet wird im 39. Jahr auf die großen zugkräftigen Namen zugunsten junger Talente. Vielleicht sogar der „Stars von morgen“.

Knapp 40 Konzerte – u.a. mit Vertretern der französischen Jazz- Szene wie Helene Breschand oder Théo Ceccaldi – sind heuer geplant.

Mehr Spielorte

Jam-Sessions gibt’s, wenn das Wetter mitspielt, auf der Alm, so sind Die Strottern Sonntag mit „Waundsd Woadsd“ auf der Stöcklalm.

Bespielt werden aber neben der City Stage auf dem Rathausplatz diesmal auch die Buchhandlung Wirthmiller und – Sonntag bei „Cinema Scenes“, also Kino für die Ohren, mit dem Quartett des Akkordeonisten Klaus Paier und der Cellistin Asja Valcic – das Museum auf Schloss Ritzen.

Die frei zugänglichen „City Tracks“ als rein konzertante und leicht experimentelle Ergänzung zur City Stage am Rathausplatz, das Erobern neuer Spielräume, ist zugleich ein Testlauf für das 40-Jahr-Jubiläum des Jazzfestivals 2019.

Steidl: „Da wollen wir mehr Konzerte im Ort, aber auch die Bergwelt oder den Ritzensee mit einbinden.“

Im Kunsthaus Nexus wird heuer die Gratisreihe „Nexus Plus“ wegen der übergroßen Nachfrage im Vorjahr auf sechs Konzerte an zwei Tagen erweitert.

Knapp 60 heimische Musiker werden auf der Bühne stehen. Der Freitag auf der Main Stage im Congress beginnt traditionell mit der Uraufführung eines Auftragswerks: „Liminal Zone“ mit dem „Café Drechsler“-Frontmann und Saxofonisten Ulrich Drechsler wird irgendwo zwischen Jazz, elektronischen Beats und Worldmusic angesiedelt sein. Mit dabei sind u. v. a. die Sopranistin Özlem Bulut, die Singer-Songwriterin Clara Luzia und die Poetry Slammerin Yasmin Hafedh.

Bestens ins Konzept der Veranstalter, Überraschendes und Widerständiges, Rebellisches und Unbequemes zu präsentieren, passt der US-amerikanische Avantgarde-Gitarrist Marc Ribot: Sein Projekt „Songs of Resistance“ reflektiert die Geschichte widerständiger Musik mit den Mitteln der Improvisation und zum Teil der Dekonstruktion. Der Gitarrist Elliott Sharp und die komponierende Harfenistin Helene Breschand zeigen ihre Lust an Klangerfindungen in den „Chansons de Crépuscule“ (Lieder der Dämmerung).

Gespannt sein darf man auch auf die Performance von Chamber 4, einem französisch-portugiesischen Quartett auf Trompete, Violine, Cello und Gitarre, das auf freie Improvisationen setzt und dabei eine außerordentlich eigenständige musikalische Sprache entwickelt.

Ungewöhnliche Sounds vor der gigantischen Bergkulisse der Steinberge liefert schließlich mit ihrem Trio Baa Box die Französin Leïla Martial, die mit Gesang plus Loops und Keyboardklängen alle Konventionen brechen und die althergebrachte Ästhetik überwinden will.

Rauschhafte Reise

Ob poetisch oder berauschend: Absinth steht im Mittelpunkt von Erik Friedlanders Projekt „Artemisia“, bei dem die vielen Aspekte dieses in Literatur und Kunst häufig thematisierten Getränks durchgespielt werden. Zu erwarten ist eine musikalische Reflexion von Halluzination, Euphorie und Niedergeschlagenheit, Obsession und schwerem Erwachen.

Man assoziiert mit Absinth vielleicht die Gedichte Baudelaires oder Rimbauds, doch Friedlanders Inspirationsquelle waren Picassos Absinthglas-Skulpturen. Der Cellist komponierte einen von überraschenden Formvariationen und Stilbrüchen gezeichneten Zyklus.

Das Quartett beschreibt eine musikalisch rauschhafte Reise ins Innere eines psychischen Labyrinths, wo der Schrecken auf ein romantisches Hochgefühl trifft.

Wo Poesie entsteht.

Tickets: 6582/70660-16 od. 25 www.jazzsaalfelden.com