FILE - In this Sept. 1, 2012 file photo, Jay-Z performs at the "Made In America" music festival in Philadelphia. Jay-Z will perform the first of eight shows at the newly built Barclays Center in Brooklyn, N.Y., on Friday night, Sept. 28, 2012. The rapper is the co-owner of the Brooklyn Nets, who will play the new arena this year. (Photo by Charles Sykes/Invision/AP, File)

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Plattenverkäufe
06/27/2013

Mit Tricks zum Charterfolg

Nachdem Samsung sich bereits vor der Veröffentlichung des neuen Jay-Z Albums mit einer Million Stück der digitalen Version des Longplayers eingedeckt hat, stellt sich nun die Frage, ob der HipHop-Musiker schon jetzt eine Platin-Schallplatte verliehen bekommt.

von Julia Gschmeidler

Seit dem 24. Juni gibt es eine Android-App für Samsung Galaxy S3, S4 und Note 2 Benutzer, über die man sich für eines der kostenlosen Exemplare des neuen Albums von Jay-Z anmelden kann. Die schnellste Million der Downloader bekommt "Magna Carta Holy Grail" somit bereits 72 Stunden vor der offiziellen Veröffentlichung - kostenlos.

Schon Platin?

Damit "Magna Carta Holy Grail" aber auch wirklich eine Platinauszeichnung erhält, muss die Plattenfirma erst einmal einen Antrag beim Verband der Musikindustrie in den USA stellen. Doch Jay-Z hat bereits andere Bedenken. Über Twitter machte er sich darüber lustig, dass die amerikanischen Billboard-Charts nicht über das Ergebnis des 5-Millionen-Dollar Deals mit Samsung berichtet haben.

Finanzielle Sorgen muss sich der HipHop-Mogul jedenfalls keine mehr machen. Immerhin ist er mit einem Jahreseinkommen von 475 Millionen Dollar hinter P. Diddy der zweitreichste Rapper der Welt. Zudem schafften es bereits neun seiner Alben auf die Spitze der amerikanischen Billboard-Charts.

Weitere Tricks

Aber auch andere Musiker haben schon die ein oder andere Hilfe in Anspruch genommen, um an eine Goldene oder Platin-Schallplatte zu gelangen. 2010 kaufte Activision eine Million Alben von der amerikanischen Rockband Soundgarden. Der Track "Black Rain" aus "Telephantasm" wurde für "Guitar Hero: Warriors of Rock" verwendet, die restlichen elf Nummern des Albums wurden als Download zur Verfügung gestellt.

Auch Madonna hat sich für ihr letztes Album "MDNA" etwas sehr Gefinkeltes ausgedacht: Nach der Veröffentlichung ihres Studiowerkes stieg die Sängerin mit 359.000 "verkauften" Stück sofort auf Platz eins der Billboard Charts ein. Der Grund war der, dass das Unternehmen Live Nation den Konzert-Tickets jeweils eine kostenlose CD bzw. einen Downloadcode beigelegt hatte.

Diesen Branchentrick kannten auch schon 2007 Bon Jovi bei "Lost Highway" und Tom Petty 2010 bei "Mojo". Für Madonna hagelte es jedoch heftige Kritik von Medien wie der Huffington Post, die diese Aktion als "Epic Fail!" bezeichnete. Auch MTV meldete sich zu Wort und titelte den darauffolgenden Fall in den Charts als "Biggest Drop Ever".

Genaue Zahlen kann man bei Popikone Lady Gaga nennen. Auch bei ihr soll die Plattenfirma mit einer Promotionaktion nachgeholfen haben, bei der man das Album "Born This Way" um 99 US-Cent (75 Euro-Cent) über Amazon erstehen konnte.

Altes Gewerbe

Den Plattenverkäufen mit solchen Aktionen ein wenig unter die Arme zu greifen, ist nicht neu. Bereits in den 30er-Jahren gab es ähnliche Geschäftsmodelle. Wenn man damals eine Jukebox mit Platten befüllen wollte, musste man den Lokalbesitzer meist bestechen. Aber auch beim Radio gibt es eine lange Korruptionsgeschichte. Hört man ein Lied im landesweiten Rundfunk öfter, werden dadurch auch automatisch die Plattenverkäufe gesteigert. Im "Payola"-Skandal Ende der 50er Jahre wurden in den USA schlussendlich sogar Aussagen der Sendungsverantwortlichen einem Lügendetektor unterzogen, um das Ausmaß der Manipulation herauszufinden. Doch auch in jüngerer Vergangenheit kam es zu weiteren Fällen. Sony BMG und die Warner Music Group zahlten 2005 Millionen, um ein Gerichtsverfahren wegen "Payola" abzuwenden.

Auch in Deutschland kam es zu gezielten Plattenkäufen wie bei der deutschen Sängerin Gracia, die 2005 deshalb fast vom Songcontest-Finale in Kiew ausgeschlossen worden wäre. Um Chartbetrug weiter vorzubeugen, arbeitet Media Control, das Unternehmen, welches wöchentlich die deutschen Charts neu berechnet, mit der Hochschule Heidelberg zusammen. Laut Pressesprecher des Konzerns wird gemeinsam ein "Chart-Fraud-Protection-System" entwickelt. Dabei kann man die Musikindustrie auch viel innovativer von seinen musikalischen Qualitäten überzeugen, wie zum Beispiel Kontor Records das mit ihrem "Büroplattenspieler" macht.

Bleibt nur abzuwarten, wie sich die Geschichte rund um den voreiligen Rapper und den spendablen asiatischen Handyhersteller weiterentwickeln wird. Hier ein erster Einblick in die Arbeit an Jay-Z's neuestem Album "Magna Carta Holy Grail", welches schon jetzt als Meilenstein in der HipHop-Geschichte gehandelt wird.

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