Kultur
28.03.2017

Ein Nostalgie-Trip nach Hollywood

Jarvis Cocker und Chilly Gonzales haben dem berühmten Hotel Chateau Marmont ein Album gewidmet.

In einer lauten wie konfusen Welt lernt der Weltreisende die kleinen wie großen Dinge des Lebens zu schätzen. Ein ruhiges Zimmer, funktionierendes W-Lan, das tolle Angebot der Mini-Bar sowie Raum und Zeit zur Erholung. Ums Zeitnehmen, ums Träumen geht es dann auch bei "Room 29" (Deutsche Grammophon), einem Album, das aus einem Gemeinschaftsprojekt zwischen zwei Freunden, zwischen zwei Exzentrikern im Pop-Business entstanden ist.

Der eine heißt Jarvis Cocker, erlangte als hornbebrillter Front-Sänger der Britpop-Band Pulp Weltberühmtheit und kehrt seit Jahren der Öffentlichkeit weitestgehend den Rücken. Der andere nennt sich Chilly Gonzales, ist ein kanadischer Pianist, der zwischen Paris und Berlin pendelt und am liebsten im Morgenmantel und in Schlapfen vor den Tasten sitzt, komponiert und so Kollegen wie Feist, Jamie Lidell oder eben Jarvis Cocker zur Seite steht.

Hollywood

Drei Jahre lange haben sich die zwei Intellektuellen für den nun vorliegenden Liederzyklus ausgetauscht – mal persönlich, mal per E-Mail. Entstanden ist daraus ein Konzeptalbum, das dem berühmten Hotel Chateau Marmont am Sunset Boulevard in Hollywood ein musikalisches Denkmal setzt.

Genauer gesagt geht es um eine Suite in diesem 1929 eröffneten Märchenschloss: Zimmer 29. Dort haben bereits viele Stars ein- und ausgecheckt – und mit ihnen legendäre Dramen, die sich Zeitzeugen auch heute noch mit leuchtenden Augen erzählen. Jahre danach macht sich Jarvis Cocker in 16 Songs auf die Suche nach diesen Geschichten, nach Spuren, die Gäste im Hotelzimmer hinterlassen haben: "Ich habe gelesen, dass eine Schauspielerin hier ihre Partys feierte und Drogen vom Klavier schnupfte. Schmeckt man das noch, wenn ich daran lecke?", fragt sich Cocker im Eröffnungssong. Die Musik steuert Chilly Gonzales bei, der zu verzweifelt klingenden Streichersätzen die Tasten am Piano drückt und so harmonische wie süß-melancholische Klangwelten errichtet. Hintergrundgeräusche aus dem Hotel verpassen dem Ganzen einen Hörbuch-artigen Charakter. Passend dazu flüstert Cocker die Songs eher, als dass er sie singt. So, als würde er die Texte seiner Liebsten gegen 3 Uhr in der Früh bei Champagner und Kerzenlicht ins Ohr hauchen: Leise, mein Schatz, die Nachbarn schlafen schon ... In Zeiten, in denen sich viele kaum noch Zeit für Musik nehmen, ist der intime musikalische Rahmen von "Room 29" durchaus als Nostalgie-Trip in eine vergangene Zeit zu verstehen.